Im Fokus: Jugendstudie 2018

Jugendstudie

Wie beurteilen junge Leute die Digitalisierung? Interessieren sie sich für Wirtschaft und Finanzen? Wie gehen Jugendliche und junge Erwachsene mit Geld um? Was halten sie von einem Schulfach Wirtschaft, und wie gut sind ihre ökonomischen Kenntnisse? Diesen Fragen geht die Jugendstudie 2018 auf den Grund, die der Bankenverband kürzlich vorgestellt hat.

Eine durchaus überraschende Zahl ganz zu Beginn: Die jungen Menschen von heute – befragt wurde die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen – blicken weniger optimistisch und zuversichtlich in die Zukunft, sind obendrein weniger zufrieden als noch vor drei Jahren. Gaben 2015 90 Prozent der Befragten an, dass sie eher optimistisch sind, wenn sie an ihre Zukunft denken, so sind es aktuell nur noch 85 Prozent – und dies trotz der sehr guten beruflichen Perspektiven und der unverändert guten ökonomischen Situation, in der sich Deutschland befindet. Spielen hier Themen wie der Klimawandel oder das gegenüber dem Sommer 2015 deutlich rauere politische Klima eine Rolle? Auffällig ist auch, dass sowohl die eigene wirtschaftliche Lage als auch die der Eltern deutlich schlechter eingestuft wird, als dies noch 2015 der Fall war, obwohl die offiziellen Zahlen zur Einkommensentwicklung diesen Eindruck nicht bestätigen.

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Interesse für Wirtschaft

Ein wesentliches Thema der Umfrage befasst sich mit dem Interesse der jungen Leute für Wirtschaft und mit ihren Kenntnissen über ökonomische Zusammenhänge. Ergebnis: Informationen darüber, wie Wirtschaft funktioniert, sind für eine Mehrzahl der Befragten wichtig (57 Prozent) oder sogar sehr wichtig (13 Prozent) – dieser Wert ist gegenüber dem Ergebnis der Befragung 2015 noch einmal leicht gestiegen.

Da die Bedeutung des Themas „Wirtschaft“ erkannt wird, wünscht sich auch eine große Mehrheit der Befragten mehr Wirtschaft in der Schule: 84 Prozent der jungen Leuten insgesamt und 82 Prozent der Schülerinnen und Schüler befürworten, dass ökonomische Inhalte in den Schulen einen höheren Stellenwert bekommen sollen als bislang. Damit nicht genug: 65 Prozent der 14- bis 24-Jährigen plädieren auch für die Einführung eines eigenen Schulfachs Wirtschaft in allen Bundesländern. Gegenüber 2015 ist das zwar ein Rückgang von acht Prozentpunkten. Allerdings geben auch 17 Prozent der Befragten an, dass es bereits ein Fach Wirtschaft gebe; 2015 haben dies nur 5 Prozent geäußert. 71 Prozent der Befragten sagen übrigens, dass sie an ihrer Schule nicht so viel bis gar nichts über Wirtschaft und Finanzen lernen bzw. gelernt haben.

Wissens- und Verständnislücken

Die bundesweite Einführung eines verpflichtenden Fachs Wirtschaft ist jedoch weiterhin nicht in Sicht. Dabei weist das Wirtschaftswissen der jungen Leute – trotz erkennbarer Verbesserungen gegenüber 2012 und 2015 – noch immer erhebliche Lücken auf. So zeigt ein auf sieben Wissensfragen basierender Index, dass rund ein Drittel der jungen Befragten schlechte (22%) oder sehr schlechte (12%) ökonomische Kenntnisse haben.

Um nur einige Beispiele zu nennen: 40 Prozent der jungen Leute wissen nicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) für die Sicherung der Preisstabilität in der Euro-Zone und damit auch in Deutschland verantwortlich ist – und das obgleich die EZB in der Medienberichterstattung der letzten Jahre angesichts ihrer Null- und Minuszinspolitik sehr präsent gewesen ist. Rund acht von zehn Befragten können zwar sagen, was eine Aktie ist, doch nur weniger als die Hälfte, was der Begriff „Rendite“ bedeutet. „Von dem, was an der Börse geschieht“, geben zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu, haben sie „kaum oder gar keine Ahnung“. Immerhin 63 Prozent der Befragten können zwar erklären, was der Begriff Inflation bedeutet. Aber weniger als ein Fünftel (18 Prozent) hat eine ungefähre oder genauere Vorstellung davon, wie hoch die Inflationsrate in Deutschland gerade ist.

Jugend und Finanzen

Schon diese wenigen Beispiele zeigen: Mit Blick auf ökonomische Grundkenntnisse besteht bei jungen Menschen weiterhin konkreter Handlungsbedarf. Und das gilt selbstverständlich auch für Finanzinformationen. Ob zunächst bei der Wahl eines passenden Kontos, später dann bei anderen wichtigen Fragen der Vermögensbildung, der Geldanlage, der Finanzierung und der Altersvorsorge: Die jungen Menschen sollten in die Lage versetzt werden, ihre finanziellen Entscheidungen als mündiger Verbraucher und Bankkunde treffen zu können.

Erfreulich ist, dass der Stellenwert von Finanzinformationen für die Befragten groß ist: 74 Prozent von ihnen gaben an, dass Informationen über Geldangelegenheiten und Finanzen für sie wichtig (56 Prozent) oder sehr wichtig (18 Prozent) sind. Auf die Frage, wie häufig sich die Befragten Zeit nehmen, um sich um ihre finanziellen Angelegenheiten zu kümmern, antworteten 31 Prozent, sie nähmen sich regelmäßig Zeit, während 45 Prozent angaben, sie würden sich nur ab und zu darum kümmern; der Rest nahm sich selten (19 Prozent) oder nie (6 Prozent) Zeit. Was das Sparverhalten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen anbelangt, so gibt knapp die Hälfte der jungen Generation (48 Prozent) an, regelmäßig Geld zurückzulegen, 40 Prozent noch „ab und zu“. Verschuldet waren zum Zeitpunkt der Umfrage übrigens nur 8 Prozent der Befragten – und dies mit nur kleinen bis mittleren Beträgen überwiegend bei ihren Eltern, Verwandten oder Freunden.

Da ihr gespartes Geld nicht vollständig im heimischen Sparschwein verschwindet, liegt nahe, dass die meisten jungen Leute auch frühzeitig Bankkunden sind. Wenig überraschend: Je älter die Befragten, desto häufiger verfügen sie über ein Girokonto. Gefragt, welche Serviceleistungen bzw. Angebote der Banken ihnen wichtig oder sehr wichtig sind, rangieren drei Aspekte weit oben: eine sichere Geld- und Sparanlage (90 Prozent), ein günstiges Girokonto (90 Prozent) und sicheres Online-Banking (88 Prozent). Immerhin je 79 Prozent halten einen Bankberater, den sie kennen und dem sie vertrauen, sowie eine Bankfiliale in der Nähe für (sehr) wichtig.

Digitale Jugend

Abseits von Geld- und Finanzthemen wurden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch zu ihrem Umgang mit bzw. ihrer Einstellung gegenüber dem Internet und den sozialen Netzwerken befragt. Erwartungsgemäß ist die junge Generation regelmäßig in den Sozialen Medien unterwegs. 90 Prozent geben an, täglich (24 Prozent) oder mehrmals täglich (66 Prozent) Facebook, WhatsApp, Instagram, Snapchat oder andere Medien zu nutzen.

Sich selbst sehen die jungen Befragten dabei keineswegs als unkritische oder sorglose Internetnutzer. Im Gegenteil: Neun von zehn sagen, dass für sie die Sicherheit ihrer persönlichen Daten im Netz „sehr wichtig“ (47 Prozent) oder „wichtig“ (43 Prozent) ist. Und auch das Risiko eines Missbrauchs ihrer Daten ist ihnen bewusst. 45 Prozent haben ein „ungutes Gefühl“, wenn sie Name, Adresse oder Telefonnummer, etwa bei einer Online-Bestellung, angeben müssen; jeder Zwanzigste vermeidet aus Angst vor einem Datenmissbrauch solche Angaben. Wenngleich Besorgnisse dieser Art bei den jungen Befragten gegenüber 2015 deutlich geringer geworden sind, lässt sich gleichwohl konstatieren, dass die Jugend beim Thema Datensicherheit durchaus sensibilisiert ist.

Und zu guter Letzt: Online-Banking ist in der jungen Generation fast zur Normalität geworden; der Anteil der Nutzer hat sich seit 2015 von 35 auf 70 Prozent verdoppelt.

Die repräsentative Befragung wurde im Zeitraum 22. Mai bis 7. Juni von der GfK Marktforschung unter 650 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 24 Jahren durchgeführt.

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