Sparbuch, Tages- und Festgeld mit negativem Realzins: Lohnt Sparen noch?

09.11.2018

von Tanja Beller

Negativer Realzins: Zinssatz minus Inflationsrate

Was kommt beim Sparen unterm Strich wirklich raus? Zur Berechnung des sogenannten Realzinses – also des Zinses, der nach Abzug der Geldentwertung durch steigende Preise real beim Sparer ankommt - könnte man verschiedene Zinssätze heranziehen. Das Ergebnis ist immer gleich: Letztlich verliert der Anleger sukzessive Geld, wenn er in sichere festverzinsliche Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld, klassische Sparprodukte oder auch Bundesanleihen investiert. Ein Beispiel: Bei der aktuellen Inflationsrate in Deutschland (Oktober 2018) von 2,5 % und einer Rendite von 0,4 % für 10-jährige Bundesanleihen ist die Realrendite deutlich negativ (siehe Schaubild). Das war früher anders: Bei Einführung des Euro als Bargeld 2002 lag die Inflationsrate bei 1,4 %, die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen betrug aber noch 4,8 %, so dass der Sparer nach Anzug der Inflation eine reale Verzinsung von immerhin 3,4 % erzielen konnte – gegenüber minus 2,1 % heute.

Die Deutschen halten an ihrem Anlageverhalten (stoisch) fest

Trotz des realen Vermögensverlustes ändern die Deutschen aber seit Jahren nicht grundlegend etwas in ihrem Spar- bzw. Anlageverhalten. Mehr als ein Drittel ihres Geldvermögens der privaten Haushalte lagert auf Girokonten, in Termin- oder Festgeldanlagen. Die Bundesbürger lassen sich also trotz der deprimierenden Ertragsaussichten nicht beirren – ganz im Gegenteil: die Sparquote (also der Anteil, der vom verfügbaren Einkommen gespart wird), ist in Deutschland in den letzten Jahren sogar gestiegen. Lag sie 2014 noch bei 8,9 Prozent, so ist sie bis Ende 2017 auf 9,9 Prozent angewachsen. Warum ist das so? Die zu erwartende Rendite scheint ja nicht der Hauptantrieb beim Sparen zu sein. Beziehungsweise: Vielleicht führt gerade die Aussicht auf eine geringe Rendite dazu, dass mehr zurückgelegt wird, um das angestrebte Sparziel dennoch zu erreichen. Vieles spricht dafür, dass letztlich die persönliche finanzielle Lage und die Erwartung, wie sich diese künftig entwickeln wird, für das eigene Sparverhalten ausschlaggebender sind als die Ertragsaussichten.

Das belegen auch Umfragen des Bankenverbandes zur Zufriedenheit der Bundesbürger mit ihrer Geldanlage: Obwohl nur knapp die Hälfte der Deutschen mit der Entwicklung ihrer Geldanlage zufrieden war, hat dies in der Vergangenheit keine Auswirkungen auf das Anlageverhalten gehabt: Neun von zehn Deutschen waren nicht bereit, mehr Risiko für höhere Ertragschancen einzugehen (Umfrage zur Geldanlage 2016/2017).

Warum Sparen dennoch sinnvoll ist

Von nichts kommt nichts. Wer gar kein Geld zurücklegt, kann auch langfristig kein Sicherheitspolster oder kleines Vermögen aufbauen – unabhängig von der Höhe der Rendite. Das gilt auch und gerade für junge Leute und Berufstätige, die noch auf keine größeren Reserven zurückgreifen können und für die Familie oder langfristig fürs Alter vorsorgen wollen: Regelmäßig Geld zurücklegen ist immer noch der sicherste Weg für die Vermögensbildung.

Die richtige Reaktion auf den negativen Realzins sollte also vielmehr zumindest ein teilweises Umdenken sein. Für eine größere Anschaffung, eine Reserve für Notfälle, das nächste Auto oder den nächsten Urlaub gibt es praktisch keine Alternative zum Tagesgeld, Festgeld oder anderen klassischen Sparprodukten. Aber für den langfristigen Vermögensaufbau oder die ergänzende Altersvorsorge ist eine gewisse Risikobereitschaft nötig und muss man Kursschwankungen aushalten können. Aktien-Fondssparpläne sind gerade für jüngere Berufstätige eine gute Möglichkeit, um von einer positiven Börsenentwicklung zu profitieren. Mit regelmäßigen kleinen Beträgen kontinuierlich einen Kapitalstock aufbauen – und dabei eine positive Rendite erwirtschaften. So lohnt sich Sparen in jedem Fall.

 

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