Deutsche Wirtschaft: Jobwunder drückt Produktivität

Deutsche Wirtschaft: Jobwunder drückt Produktivität

04.01.2018

Wie in vielen anderen Industrieländern ist das Produktivitätswachstum auch in Deutschland im längerfristigen Vergleich deutlich langsamer geworden. Was sind die Gründe hierfür?

Noch in den frühen 1990er Jahren erlebte Deutschland Produktivitätszuwächse von mehr als 2 Prozent jährlich. Zu Beginn dieses Jahrzehnts ist dieser Wert auf im Schnitt unter ein Prozent gefallen und seitdem praktisch nicht mehr angestiegen. Vor allem in der Industrie sowie im Handel hat sich die Entwicklung verlangsamt. Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel finden fünf Gründe dafür, warum das Produktivitätswachstum so stark gebremst wurde. Einige davon, so das Institut, seien aber nur vorübergehende Faktoren – der Trend könne nach einiger Zeit wieder stärker nach oben zeigen.

Erfolge am Arbeitsmarkt

Ein Hauptgrund für das gesunkene Produktivitätswachstum war paradoxerweise der Erfolg am Arbeitsmarkt: In den letzten Jahren haben viele arbeitslose Menschen wieder eine Beschäftigung gefunden – allerdings übernahmen sie oft niedrig bezahlte Jobs mit geringer Produktivität. So wurde der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt der Produktivität gedrückt. Auch der verstärkte Zuzug von Immigranten aus Mittel- und Osteuropa seit 2011 trug zu einer schwächeren Produktivitätsentwicklung bei. Zweiter wichtiger Grund für die eher schwache Produktivitätsentwicklung ist, dass die Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft laut IfW weniger beflügelnd wirkt als etwa in den USA. Insgesamt habe die deutsche Wirtschaft weniger intensiv in moderne Informations- und Kommunikationstechnologien investiert als die amerikanische. Auch sei die deutsche Wirtschaft kleinteiliger und oftmals hochspezialisiert, weswegen sie nicht so einfach standardisierte Computerprogramme verwenden könne. In Amerika haben dagegen Konzerne wie Google viel mehr Potenzial für Skaleneffekte beim Einsatz von Software.
Weitere Gründe für die Abnahme des Produktivitätswachstums sind laut IfW der Trend zu mehr Dienstleistungen sowie der einigungsbedingte Produktivitätsboom zu Anfang der 1990er Jahre: Nach der Wiedervereinigung gab es im Ostteil des Landes Aufholprozesse, die zwangsläufig irgendwann zu Ende waren. Der letzte Grund dürfte für fast alle westlichen Gesellschaften gelten:
die demografische Entwicklung. Die fortschreitende Alterung der Bevölkerung dämpft das Potenzial für Produktivitätsfortschritte. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die individuelle Arbeitsproduktivität mit zunehmendem Alter zunächst steigt und dann sinkt, heißt es im Gutachten.

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