Schulfach Verbraucherbildung reicht nicht aus - Zwischenruf: Ohne Wirtschaftswissen geht es nicht!

Schulfach Verbraucherbildung reicht nicht aus - Zwischenruf: Ohne Wirtschaftswissen geht es nicht!

Heute ist der Tag der schulischen Verbraucherbildung. Ausgerufen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das Ziel: Kindern in der Schule mehr zu den Themen Ernährung, Datenschutz und Finanzen beizubringen. Das ist aller Ehren wert. Je mehr Kinder über Fragen des Alltags lernen, ob zu Hause oder in der Schule, desto besser.

Julia Topar

02.03.2018

von Julia Topar

Heute ist der Tag der schulischen Verbraucherbildung. Ausgerufen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das Ziel: Kindern in der Schule mehr zu den Themen Ernährung, Datenschutz und Finanzen beizubringen. Das ist aller Ehren wert. Je mehr Kinder über Fragen des Alltags lernen, ob zu Hause oder in der Schule, desto besser.

Der Bankenverband setzt sich schon seit 30 Jahren für ein eigenständiges Schulfach Wirtschaft ein. Denn ohne ökonomisches Basiswissen ist die Welt von heute gar nicht mehr zu verstehen. Das fängt schon beim Taschengeld an. Und leider lernen eben immer weniger Kinder diese Dinge in ihrem Elternhaus. Was bedeutet soziale Marktwirtschaft, was ist ein Zins, was ist eine Aktie und was bedeutet die sogenannte Aktienkultur für unsere Wirtschaft genauso wie für die Gesellschaft? In unserer alle drei Jahre erscheinenden Jugendstudie kommen immer wieder Ergebnisse zu Tage, die uns erschrecken. Ein Beispiel: In unserer Umfrage 2015 wussten fast 60 Prozent der befragten Jugendlichen nicht, was Rendite bedeutet. Aber das ist nicht alles. Es gibt ja den Spruch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Es ist tatsächlich so, dass auch sehr viele Erwachsene enorme Bildungslücken bei der finanziellen Allgemeinbildung haben. In unserer repräsentativen Umfrage Finanzwissen aus dem Dezember vergangenen Jahres haben wir gefragt, was ein Investmentfonds ist – 44 Prozent der Befragten, also fast die Hälfte der Bundesbürger, wusste es nicht.

Es besteht also absoluter Handlungsbedarf. Das Gute: 75 Prozent  der jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren wünschen sich einen höheren Stellenwert von Wirtschaft in der Schule. Fast ebenso viele (73 Prozent) hätten gerne ein eigenes Schulfach Wirtschaft. SIE haben erkannt, was leider viele Politiker noch nicht erkannt haben – dass sie ohne dieses Basiswissen, später regelrecht blank sind: Was Vorsorge betrifft, was Geldanlage betrifft. Ich wünsche mir, dass Kinder möglichst früh lernen, was ein Liter Milch kostet. Was Angebot und Nachfrage bedeutet. Wie der Wirtschaftskreislauf funktioniert. Nur dann können sie zu mündigen Verbrauchern werden, die souveräne Entscheidungen treffen. Ob sie ihr Geld auf ein Girokonto legen und lamentieren, dass es dafür keine Zinsen gibt, oder ob sie ihr Geld breit investieren, um mittel- und langfristig etwas davon zu haben. Das ist alles in Ordnung, wenn dies durch Wissen und fundierte Kenntnisse so entschieden wurde. Ich aber wage die These, dass die Deutschen ihr Geld nicht gewinnbringend anlegen, weil viele keine oder zu wenig Ahnung haben. Sie trauen sich nicht nachzufragen, wenn sie überhaupt zu einem Beratungsgespräch gehen – aus Scham über das fehlende Wissen. Wenn wir die Kinder besser rüsten, wenn daraus junge Leute werden, die nachfragen, hinterfragen, abschätzen und souverän entscheiden, dann ist viel gewonnen.

Was die Verbraucherzentralen mit der schulischen Verbraucherbildung erreichen wollen, halte ich für zu wenig, insbesondere was die wirtschaftliche und finanzielle Allgemeinbildung angeht. Aber es ist wenigstens ein Schritt und besser als gar nichts. Es wäre schön, wenn die Verbraucherschützer nicht so vehement  auf unabhängigen Unterrichtsmaterialien für Schulen pochen würde. Es geht hier nicht um Lobbyismus im Klassenzimmer, es geht nicht darum, den Schülern Produkte nahezubringen oder Werbung für Institute zu machen. Wir als Bankenverband haben sinnvolle  Projekte für die Schulen. Wie etwa „Jugend und Wirtschaft“, ein Wettbewerb, der Schülerinnen und Schüler für Wirtschaftsthemen interessieren soll und zudem vermittelt, wie Nachrichten und Reportagen in die Zeitung kommen. Oder eine Aktion wie „SCHUL/BANKER“, ein Planspiel, bei dem Jugendliche virtuell lernen, wie man ein Unternehmen (in diesem Fall eine Bank) führt. Und ganz aktuell: wir unterstützen das European Money Quiz für Schüler in 30 Ländern Europas. Auch digital. Viele unserer Materialien wurden mit dem renommierten Comenius-Siegel ausgezeichnet. Es geht uns um die Kinder. Und den Verbraucherzentralen sicherlich auch. Da sollten wir besser an einem Strang ziehen.

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