Währungen aus aller Welt – Teil 6: Woher kommt eigentlich der Dinar?

Währungen aus aller Welt – Teil 6: Woher kommt eigentlich der Dinar?

Von Europa in die arabische Welt und wieder zurück: Der Dinar hat eine lange Reise hinter sich. Wir erklären, wo die Währung heute noch Verwendung findet – und warum Dinar nicht gleich Dinar ist. 

In unserer Reihe blicken wir auf die Herkunft von Währungen aus der ganzen Welt. Dollar und Pfund, Krone und Schilling, Gulden und Käsch hatten wir schon – in unserer vorletzten Folge geht es um eine besonders traditionsreiche Währung: den Dinar.

Die Währungsbezeichnung Dinar ist heutzutage vor allem in der arabischen Welt verbreitet. Dennoch liegt sein Ursprung in Europa. Genauer gesagt im Römischen Reich, das etwa von 800 v. Chr. bis 700 n. Chr. währte und sich bis nach Nordafrika und auf die Arabische Halbinsel erstreckte. An der Südflanke ihres Imperiums bekamen es die Römer in der Spätantike mit den Arabern zu tun. Bis Ende des siebten Jahrhunderts erkämpften diese die Herrschaft über Palästina, Syrien, Ägypten und weitere Teile Nordafrikas.

Bei den Arabern war hauptsächlich Silberwährung im Umlauf, in den eroberten Gebieten zahlte man hingegen traditionell mit Gold-, Bronze- und Kupfermünzen. Die neuen Herrscher aus dem Arabischen Reich orientierten sich daran und ahmten die Münzen nach. Abgeleitet vom lateinischen „denarius“ (übersetzt: je zehn), entstand im Zuge der Münzreform des Kalifen Abd al-Malik im Jahre 696 schließlich der Begriff „Dinar“. 

Comeback in Europa

Aufgrund der islamischen Expansion stieg der Dinar schon bald zur bedeutendsten Goldwährung der Welt auf. Rund 750 Jahre war er ein Garant für Stabilität. Erst mit Beginn der Renaissance und der zunehmenden Verbreitung von Münzen aus christlich geprägten Kulturen schwand die Bedeutung der arabischen Währung. Allerdings kam es nun zu einer umgekehrten Imitation: Die christlichen Herrscher aus Spanien, Sizilien und Jerusalem orientierten sich an der Gestaltung der arabischen Münzen. 

Im 20. Jahrhundert verschafften einige Ländern dem Dinar ein Comeback, zum Beispiel Irak (1923, vorher Rupie), Tunesien und Algerien (1958 bzw. 1964, vorher Franc). Auch in Libyen, Bahrain, Jordanien und Kuwait ist Dinar heute offizielles Zahlungsmittel. Und selbst in Europa hat er eine lange Historie, allerdings mit politisch bedingten Unterbrechungen: In Serbien gab es den Dinar schon zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. 1875 kehrte er zurück und war Namenspate für die Währung im späteren Jugoslawien. Während Slowenen inzwischen mit Euro und Kroaten mit Kuna zahlen, gilt in Serbien und Mazedonien weiterhin der Dinar (bzw. Denar). 

Eine Währung – viele Einheiten

Wie beim Dollar oder Pfund unterscheiden sich auch die nationalen Dinar-Versionen voneinander. So setzen manche Staaten auf eine sogenannte Tausender-Währung: Ein Kuwait-Dinar und ein Bahrain-Dinar (großes Foto) sind jeweils in 1.000 Fils unterteilt, ebenso der irakische Dinar – allerdings sind die Fils im Irak nicht mehr im Umlauf. Ein tunesischer Dinar (kleines Foto) umfasst 1.000 Millimes, während ein libyscher Dinar wiederum in 1.000 Dirham aufgeteilt ist. In Libyen hat sich der Begriff Dinar allerdings nie durchgesetzt. Stattdessen kursieren dort im Alltag die Begriffe „dschineh“ (arabisch für „Pfund“) und „grusch“ (arabisch für „Piaster“, was wiederum die Bezeichnung einer alten spanischen Münze ist). Grund: Die vorherige Währung Libyens war das libysche Pfund. 

Um die ganze Sache noch ein bisschen verwirrender zu machen, teilt sich der algerische Dinar in 100 Centimes und der jordanische in 100 Piaster auf. Eine Besonderheit stellen der serbische und mazedonische Dinar/Denar dar. So wird ein serbischer Dinar in 100 Para und ein mazedonischer Denar in 100 Deni unterteilt. Allerdings sind beide Einheiten heutzutage nicht mehr im Umlauf und somit wertlos. Dinar ist eben nicht gleich Dinar...

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