Weltkugel

Weltbank: Corona macht arme Länder noch ärmer

Entwicklungsländer

09.11.2020

Die jüngsten Entwicklungsfortschritte in armen Ländern werden durch die Corona-Pandemie akut bedroht – zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Weltbank, die Fortschritte in der Entwicklung des sogenannten Humankapitals nachzeichnet. Zum Humankapital zählen Fähigkeiten, Kenntnisse und Gesundheit, die die Menschen in ihrer Lebenszeit erwerben können. Bevor die Pandemie einsetzte und die damit verbundenen Beschränkungen in Kraft traten, verzeichneten die meisten Länder beständige Fortschritte, gerade die armen Länder stachen dabei heraus.

Kinder gehen nicht mehr zur Schule

Doch nun sei eine Dekade Fortschritt gefährdet. Wesentlicher Grund hierfür: Nach Angaben der Weltbank gehen aktuell eine Milliarde Kinder nicht zur Schule. Auf dem ersten Höhepunkt der Pandemiekrise waren es nach Berechnungen der Institution sogar 1,6 Milliarden Kinder gewesen, für die der Präsenzunterricht ausfiel. Die Möglichkeiten des Online-Unterrichts seien höchst unterschiedlich ausgeprägt, häufig aber nicht oder nur unzureichend vorhanden. Einkommensverluste der Eltern haben obendrein dazu geführt, dass Kinder zu Hause helfen müssen oder die Eltern sich das Schulgeld nicht mehr leisten können.

Wenn die unterschiedlichen Effekte aufaddiert werden, könnte im globalen Durchschnitt knapp ein halbes Jahr Schulbildung verlorengehen. Die Weltbank kalkuliert, dass die Schüler im Schnitt nur noch 7,3 statt 7,8 Bildungsjahre aufweisen könnten. Damit wäre laut Weltbank der Fortschritt, den viele Länder im vergangenen Jahrzehnt in der Bildung gemacht haben, verflogen. In 20 Jahren würden 46 Prozent der beschäftigungsfähigen Personen aus der aktuellen Schülergeneration stammen, die mit einem wahrscheinlichen Bildungsdefizit in das Berufsleben eintreten. Diese Entwicklung bedrohe die Produktivität von Ländern auf viele Jahre hinaus und damit ihren Wohlstand. Zudem habe die Pandemie die Gesundheitsvorsorge in vielen Ländern erschüttert: Routineuntersuchungen und essenzielle medizinische Dienstleistungen unterblieben, viele Kinder bekämen die nötigen Impfungen nicht. Laut Gates-Stiftung sei die Impfabdeckung auf das Niveau der neunziger Jahre zurückgefallen sei.

Generationenumspannende Auswirkungen

Die Weltbank fürchtet, dass die Pandemie generationenumspannende Auswirkungen haben wird. Aus früheren Studien über ökonomische Schocks wissen die Entwicklungsexperten, dass die Gesundheit von Kindern leidet, wenn die Eltern deutlich weniger Einkommen erzielen und deshalb bei Lebensmitteln sparen. Weniger nahrhaftes Essen für schwangere Frauen und Babys verschlechtert die kognitiven Fähigkeiten der Kinder und wirft sie damit für immer zurück.

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