Frauen, kümmert Euch um Euer Geld - Heute ist Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag. Historisch gesehen ein Tag, an dem es um die Emanzipation der Frau geht. Dass da auch in finanziellen Dingen Nachholbedarf besteht, ist nicht überraschend. Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, sie haben auch weniger Interesse an Wirtschaft und dem Geschehen an der Börse. Das muss sich unbedingt ändern. 

08.03.2018

von Julia Topar

Leider verdienen Frauen in gleicher Position immer noch weniger Geld als ihre männlichen Kollegen – etwa 21 Prozent. Und leider legen Frauen– oft im Spagat zwischen Familie und Karriere – ihr hart verdientes Geld nicht so gut oder gewinnbringend an wie Männer. Warum ist das so? Ein möglicher Grund: Aus einer repräsentativen Umfrage vom Bankenverband zum Finanzwissen von Erwachsenen ging hervor, dass sich 60 Prozent der befragten Frauen kaum oder gar nicht für Wirtschaft interessieren. Nur jede Zehnte gab an, ein starkes Interesse für Wirtschaft zu haben. Das ist in einer von Niedrigzinsen, Digitalisierung und unsicherer Rente geprägten Welt von heute einfach viel zu wenig.

Dazu kommt: Über die Hälfte der Frauen – 56 Prozent – gaben an, keine oder wenig Ahnung von dem zu haben, was an der Börse passiert. Hier geht es nicht darum, die Kurse zu kennen, oder alle 30 DAX-Unternehmen runterbeten zu können. Hier geht es um Basiswissen. Hier geht es darum zu wissen, dass Unternehmen Aktien, also Beteiligungen an Anleger ausgeben. Und je nachdem, wie es den Unternehmen wirtschaftlich geht, der Kurs sinkt oder steigt. Das ist Allgemeinbildung, die Kinder in der Schule lernen sollten, Erwachsene, egal ob Mann oder Frau, haben müssen. (Übrigens: Bei den Männern sieht es nur wenig besser aus. Vier von zehn Männern gaben ebenfalls an, keine Ahnung vom Börsengeschehen zu haben.)

Risikoscheue Geldanlage bringt wenig

Für mich ist das mangelnde Interesse alarmierend. Weil ich glaube, Frauen können das, sie wollen es nur nicht. Und das muss sich ändern! Die comdirect-Bank hat eine aufschlussreiche Studie zum Sparverhalten von Frauen gemacht. Ergebnis: Frauen sparen nicht viel weniger als Männer – aber sie sparen zu vorsichtig. Sie sind Risiko-scheu. Setzen eher aufs Sparbuch, als auf Aktien und Fonds. In Zeiten der historisch niedrigen Zinsen ein Riesenfehler. Zeigt auch die Studie: Die Männer hatten mit ihrer Risiko-reicheren Geldanlage am Ende mehr Geld. Wer heute anlegen will (und ich rede hier nicht von Unsummen, sondern von ab 50 Euro im Monat), der kommt an Fonds oder Aktien nicht mehr vorbei. Die gute Nachricht: Langfristig – es geht mir hier um 10 bis 15 Jahre - kann man mit Aktien (z.B. aus dem DAX) oder einer Geldanlage in einen ETF – das ist ein Fonds, der einen ganzen Index (und keine einzelnen Aktien) abbildet, kaum etwas falsch machen. Das hat die Historie gezeigt. Vorausgesetzt man hat gute Nerven und verkraftet mögliche Börsenknicks – aber die sind bei einem Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren drin.

Traut Euch!

Also, liebe Frauen, liebe Mädels - keine Angst! Traut Euch, interessiert Euch, kümmert Euch um Euer Geld und überlasst dies nicht nur den Männern. Macht Euch unabhängig. Fragt nach, tauscht Euch aus. Es gibt so viele tolle Frauenforen auf Facebook, auf Twitter, im Internet, in Frauenzeitschriften. Die Finanz-Heldinnen von comdirect zum Beispiel oder Madame Moneypenny. Einfach drauflos netzwerken und bloß keine Scheu. Egal wie peinlich die Frage erscheint, man kann nur schlauer werden und man kann nur gewinnen. An Wissen und womöglich auch an Zinsen und Zinseszinsen. Achtung Disclaimer: Garantieren kann ich Letzteres natürlich nicht.

Am Weltfrauentag wünsche ich mir eigentlich eine Abschaffung des Tags der Frauen, weil sie längst emanzipiert sein sollten. Vielleicht gibt es ja irgendwann einen Frauentag, der vergleichbar ist mit dem Weltmännertag im November. Wissen Sie worum es da geht? Nicht um Löhne oder Finanzen oder Emanzipation. Um die Männergesundheit. Ach ja.

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