Wer ist krisenresistent?

Weltwirtschaft

Die Berliner Ratingagentur Scope hat die Anfälligkeit von 63 Staaten für externe Krisen sowie ihre Widerstandskraft untersucht. Besonders labil scheinen Georgien und die Türkei zu sein. Ganz anders sieht es – wenig überraschend – in der Schweiz aus.

Unerwartete politische Ereignisse oder auch Naturkatastrophen können die Wirtschaft eines Landes zum Teil recht schnell und kräftig aus der Bahn werfen. Je nachdem wie es um die jeweilige Wirtschaftsstruktur des Landes beschaffen ist, kann das auch bedeuten, dass ausländisches Kapital massiv abgezogen wird und die Währung unter starken Druck gerät – was wiederum Rückwirkungen auf die Wirtschaft hat. Ein negatives Anschauungsbeispiel hat im vergangenen Jahr die Türkei geliefert: Infolge eines politischen Streits mit den USA und angedrohter Sanktionen hat der Wert der türkischen Währung erheblich verloren; die Preise stiegen daraufhin deutlich, Verbraucher konsumierten weniger, die Unsicherheit hat sich schließlich in die ganze türkische Wirtschaft hineingefressen.

Raster für 63 Staaten

Analysten der Berliner Rating-Agentur Scope haben nun ein Modell entwickelt, das zweierlei abbilden soll: einerseits, wie anfällig (63 untersuchte) Staaten für Zahlungsbilanzkrisen sind, die durch externe Effekte ausgelöst wurden. Andererseits, wie widerstandsfähig sie wären, wenn sie eine solche Krise ereilt. Den Analysten geht es dabei nicht etwa darum, eine genaue Prognose darüber anzustellen, welche Staaten als nächste von einem externen Schock getroffen werden. Vielmehr wollen sie ein Krisenanfälligkeits- und Resistenz-Raster erstellen. Eines der Ergebnisse: Die Türkei wie auch Georgien und die Ukraine zählen zu den am meisten gefährdeten Staaten. So ist die Anfälligkeit der Türkei gegen Zahlungsbilanzkrisen die zweithöchste der untersuchten Staaten, bei der Widerstandsfähigkeit muss sich das Land mit dem 50. der 63 Plätze begnügen. Schwach machen das Land nicht zuletzt seine gesunkenen Devisenreserven: Laut Scope sind sie per Ende Oktober 2018 auf 86,2 Milliarden Dollar gefallen, 2013 betrugen sie noch 135 Milliarden Dollar. Einem massiven Kapitalabfluss könnte die Türkei nur wenig entgegensetzen, lautet die Schlussfolgerung der Experten.

Georgien und die Schweiz

Schlimmer noch steht es um Georgien: Es ist hochgradig anfällig und kaum widerstandsfähig. Die Auslandsverschuldung lag laut der Analyse von Scope per Ende des zweiten Quartals 2018 bei 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Und davon sind 90 Prozent in Fremdwährung begeben. Das macht Georgiens Wirtschaft bei einem Verfall der Landeswährung, wie ihn die Türkei erleben musste, extrem verletzlich. Am anderen Ende des Spektrums wiederum befindet sich die Schweiz. Kein Land sei so wenig anfällig für externe Schocks wie die Alpenrepublik, sagt die Analyse. Punkten kann die Schweiz durch jahrzehntelange hohe Leistungsbilanzüberschüsse ebenso wie durch die Tatsache, dass 90 Prozent der schweizerischen Staatsschulden in inländischer Hand liegen, aber auch durch die wichtige Rolle des Schweizer Frankens als Reservewährung.

Ein wieder anderer Fall ist Kroatien: Das Balkanland zählt zu den EU-Staaten, die externen Risiken mit am stärksten ausgesetzt sind. Die Scope-Analysten sehen die Anfälligkeit für eine Zahlungsbilanzkrise zwar nicht als besonders hoch an, zumal das Balkan-Land Ende 2017 immerhin einen Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 3,9 Prozent verzeichnete. Sollte eine solche Krise aber eintreten, wäre Kroatien kaum widerstandsfähig. Problematisch in diesem Zusammenhang: 90 Prozent der Auslandsverschuldung wie auch 60 Prozent der inländischen Kredite sind in Fremdwährung, zumeist in Euro, begeben worden.

Drucken/PDF

Ähnliche Beiträge

contents/TW_Tablet_Haende_1200x675.jpg

Wirtschaft im Unterricht

10. Juni 2019

Digitale Kompetenzen: Deutschland nicht in Spitzengruppe

Die Industrieländer sind unterschiedlich gut auf die digitalen Herausforderungen für die Arbeitsw...

[zum Artikel]
Digitale Kompetenzen: Deutschland nicht in Spitzengruppe

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.