Wohneigentum: Eine Frage des Mögens und des Vermögens

Wohneigentum: Eine Frage des Mögens und des Vermögens

Wohneigentum ist nach einer Studie im Auftrag der ING Bank bei den europäischen Verbrauchern begehrt, viele zweifeln aber, ob sie es sich leisten können – in Deutschland mehr noch als anderswo in Europa.

24.11.2017

von inter/esse-Redaktion

Die Zinsen für Darlehen sind weiterhin sehr günstig, Baukosten und Immobilienpreise in den letzten Jahren jedoch teilweise stark gestiegen. Letzteres macht Verbrauchern, die bisher nicht über Wohneigentum verfügen, aber von den eigenen vier Wänden träumen, die Entscheidung nicht unbedingt leichter. Wie eine internationale Studie im Auftrag der ING Bank zeigt, ist Wohneigentum zwar begehrt, viele zweifeln aber daran, ob sie es sich leisten können – in Deutschland sogar mehr als anderswo in Europa.

Mieten oder Kaufen? – das Thema, das Generation um Generation immer wieder von neuem umtreibt, ist in den meisten Fällen nicht nur eine Frage des Mögens, sondern auch des Vermögens! Wenn es nur um das Mögen ginge, wäre die Sache schnell entschieden. Wie eine in 13 europäischen Ländern (sowie in den USA und Australien) im Auftrag der ING Bank durchgeführte Studie ergab, fällt das Urteil der Bevölkerung recht eindeutig aus: 60 Prozent von jenen, die zur Miete wohnen, wünschen sich schon ein eigenes Zuhause; bei den Jüngeren zwischen 18 und 34 Jahren sind es sogar 70 Prozent. Umgekehrt möchte lediglich einer von zehn Befragten, die bereits in eigenen vier Wänden leben, (wieder) lieber zur Miete wohnen.

Gleichzeitig geht aber fast die Hälfte der Befragten (48 %), die über keine eigene Immobilie verfügen, davon aus, dass sie sich auch künftig kein Wohneigentum wird leisten können. Die meisten mit einer solchen Einschätzung finden sich überraschenderweise mit je 56 Prozent in Deutschland und Großbritannien.

Wohneigentum hoch im Kurs

Das bedeutet aber nicht, dass die „Europäer“ insgesamt oder die Mehrzahl der Deutschen mit ihrer Wohnsituation unglücklich wären. Im Gegenteil: Sieben von zehn aller Befragten und zwei Drittel der Deutschen (66 %) zeigen sich damit sogar ausgesprochen zufrieden. Allerdings gibt es Unterschiede: 78 Prozent der Eigentümer sagen, sie seien zufrieden, bei den Mietern sind es mit 59 Prozent deutlich weniger.

Vielleicht liegt dies nicht alleine an den Eigentumsverhältnissen. Naheliegend ist, dass Käufer von Immobilien im Durchschnitt finanziell besser gestellt sind und über einen allgemein höheren Lebensstandard verfügen. Tatsache bleibt aber, dass Wohneigentum in allen untersuchten Ländern generell positiv bewertet wird: Zwei Drittel meinen, dass jeder Wohneigentum erwerben würde, wenn er es sich denn leisten könne. Fast ebenso viele (65 %) sehen Immobilienbesitz als ein äußeres Zeichen von Erfolg; am häufigsten wird diese Einschätzung in Polen (72 %) geteilt, gefolgt von der Türkei und Rumänien (je 70 %) sowie Italien (68 %). Nicht nur angesichts der in vielen Ländern steigenden Immobilienpreise durchaus plausibel, halten auch zwei Drittel (68 %) aller in den europäischen Ländern Befragten den Kauf von Wohneigentum für eine kluge Finanzentscheidung. Nur acht Prozent meinen das vom Mieten einer Immobilie.

Mieter versus Eigentümer

Natürlich kann es auch gute Gründe geben, die für das Mieten sprechen. Eine höhere räumliche Mobilität etwa oder mehr Flexibilität bei Veränderungen der jeweilige Familien- bzw. Lebenssituation. Dabei stimmen mit rund der Hälfte der Befragten (49 %) die Deutschen der Sichtweise am häufigsten zu, dass Mieten eine höhere Flexibilität mit sich bringe als Kaufen. Ist ja logisch, wird man als in Deutschland Sozialisierter da denken, aber schon im Nachbarland Belgien stimmen mit 28 Prozent kaum mehr als halb so viele der These zu. 16 Prozent sagen dort, das Leben sei als Mieter einfacher, in Deutschland glaubt das fast jeder Dritte (27 %).

In den Daten spiegelt sich, dass Deutschland mit seiner hohen Mietquote im internationalen Vergleich noch immer eher eine Mieternation denn ein Land der Wohneigentümer ist. Eine klare mehrheitliche Präferenz für die eigene Immobilie zeigt sich nichtdestotrotz auch hierzulande.
 

Zur Studie

Die Umfrage wurde im Juni 2017 vom Marktforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der ING-Bank unter rund 15.000 Personen aus 13 europäischen Ländern sowie den USA und Australien durchgeführt. Aus jedem Land stammten rund 1.000 Befragte, mit Ausnahme Luxemburgs mit 500 Befragten. Der hier veröffentlichte Beitrag bezieht sich ausschließlich auf die in den europäischen Ländern erhobenen Daten aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, Tschechische Republik und Türkei, nicht auf jene der USA und Australiens. Alle Daten der Studie hier

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