Was die Niedrigzinsen für Ihr Portemonnaie bedeuten

Als eine schleichende Enteignung der Sparer wird die aktuelle Niedrigzinsphase nicht zu Unrecht bezeichnet - zumindest, wenn diese sich auf die scheinbar sicheren, kurzfristigen Anlagen verlassen. Risikofreudigere Anleger hingegen und Kreditnehmer haben eher Grund zur Freude. Unsere Übersicht zeigt Gewinner und Verlierer:

Die „schleichende Enteignung“ trifft vor allem auf Sicherheit bedachte Sparer, da der Zins vieler kurzfristiger Anlagen im vergangenen Jahr sehr gering war und auch 2018 weiterhin sehr niedrig bleiben wird. Sparbriefe, Spar- und Termineinlagen bei Banken verzinsten sich nur im Promille-Bereich. Wer auf Bundesanleihen setzte, musste sogar mit Verlusten rechnen, weil die Kurse der Wertpapiere an den Börsen sanken. Fünfjährige Bundesobligationen zum Beispiel verloren gut ein Prozent. Auch der Goldpreis sank (in Euro notiert) von Anfang 2017 bis Anfang 2018 um etwas mehr als ein Prozent.

Dagegen können sich Aktienanleger bereits im zweiten Jahr infolge über zweistellige Renditen freuen. Wer am ersten Handelstag 2017 deutsche Standardaktien (DAX-Werte) kaufte, konnte bis Anfang 2018 einen Wertzuwachs von im Schnitt etwa elf Prozent verbuchen. So wurden aus 10.000 Euro im Verlauf eines Jahres etwa 11.100 Euro

Doch viele Anleger haben eben nicht in Aktien investiert und zeigen sich frustiert angesichts der Minizinsen. Wie eine repräsentative Umfrage des Bankenverbandes von Anfang 2016 deutlich macht, gibt ein gutes Fünftel der Befragten (22%) an, dass sie weniger sparen, weil sich dies ihrer Meinung nach nicht mehr lohne.


Links:

» Die aktuelle BdB-Umfrage „Sparverhalten bei Niedrigzinsen“ im Detail
» inter|esse-Beitrag zu „Niedrigzinsen und Sparverhalten“
» 24.Oktober 2017: Welche Geldanlage lohnt sich noch?
» BdB-Umfrage zur „Geldanlage 2016/2017“ im Detail 
» Umfrage zur Geldanlage 2016: Niedrigzinsen schrecken Anleger ab  
» Was war die beste Geldanlage 2017?
» Aktuelle Inflationszahlen für Deutschland vom Stat. Bundesamt

Die Aktienkultur ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern weiterhin stark unterentwickelt. Im Jahr 2017 waren Aktien nur für jeden sechsten Deutschen die beliebteste Geldanlage. Der Hauptgrund: Verlustangst. Dabei ist das Risiko, mit einem breit gestreuten Aktiendepot langfristig Miese zu machen, eher gering. Die historische Erfahrung mit deutschen Standardaktien zum Beispiel zeigt: Wer in einen repräsentativen Querschnitt von DAX-Aktien investierte, machte nach 15 Jahren selbst im ungünstigsten Fall keinen Verlust, erzielte aber meistens eine jährliche Durchschnittsrendite von wenigstens fünf Prozent, im günstigsten deutlich mehr als zehn Prozent Rendite.

Börse

Viele Anleger vergessen, dass es bei Aktien nicht nur auf Kursgewinne ankommt: Wenn es die Ertragssituation zulässt, schütten die Unternehmen auch eine Dividende aus.

Eine sinnvolle Alternative zu Einzelaktien sind Fonds: Ende 2016 hatten die privaten Haushalte in Deutschland deutlich mehr als die Hälfte ihres Wertpapiervermögens in Fondsanteilen angelegt. Auf Aktien entfallen 30 Prozent, auf Schuldverschreibungen wie Anleihen, Pfandbriefe und Zertifikate nur 14 Prozent .

Gerade mit Blick auf die private Altersvorsorge werden Fonds und Aktien immer wichtiger, denn klassische Kapitallebensversicherungen verlieren mehr und mehr an Attraktivität. Allerdings: Im Vergleich zu den rund zwei Billionen Euro, die die Deutschen traditionell auf Konten horten, ist die Anlage in Wertpapieren - und damit auch in Fonds - immer noch relativ niedrig. Dabei bieten vor allem Aktienfonds und gut geführte Mischfonds bieten langfristig attraktive Renditechancen. Nicht zuletzt für einen allmählichen Vermögensaufbau mit regelmäßigen monatlichen Sparbeiträgen sind Investmentfonds gut geeignet.

Altersarmut


Links:

» 2. März 2017: Was liegt in den Depots der Deutschen?
» 30. August 2017: Wie sparen die Deutschen?
» 22. März 2017: Investmentfonds sind konkurssicher 
» Murmeltiertag 2017 – viele Sparer verschlafen Renditechancen
» Mit Aktien ein Vermögen aufbauen - so trotzen Sie den Niedrigzinsen 
» Mit Aktien und Fonds ein Polster für den Ruhestand aufbauen 
» Audio: Erfolgreiche Altersvorsorge trotz Niedrigzinsen
» Weltspartag 2017

Wer neue Kredite aufnimmt und bestehende umschulden kann, profitiert von der Niedrigzinsphase. Mussten Bauherren vor neun Jahren noch Effektivzinsen von 4,6% bei Hypothekendarlehen mit 10-jähriger Zinsbildung zahlen, so liegen die Effektivzinsen aktuell bei nur etwa 1,4 Prozent. Unsere Grafik zeigt die Entwicklung. So niedrig waren Hypothekenzinsen in Deutschland noch nie.

Was viele nicht wissen: Die günstigen Zinsen können auch Immobilienbesitzer nutzen, die ihr ursprüngliches Darlehen bereits getilgt haben. Man sollte deshalb die Grundschuld nicht vorschnell löschen lassen, da die Verwendung einer Hypothek nicht ans Eigenheim gebunden ist.


Links:

» 8. Februar 2018: Die fünf wichtigsten Tipps zur Baufinanzierung
» Tipps zur Baufinanzierung - Worauf Verbraucher achten sollten 
» Warum die Deutschen immer mehr auf die eigenen vier Wände bauen
» Inter/esse-Blog 2017: Wohneigentum: Eine Frage des Mögens und des Vermögens
» Mehr Infos zu Finanzierung und Krediten in unserem Finanz-Wiki
» 17. August 2017: Baufinanzierung: Schneller tilgen spart Kosten