22. Januar 2015

Aufkaufprogramm kein Allheilmittel – nur Strukturreformen helfen

„Mit ihrem Aufkaufprogramm dramatisiert die Europäische Zentralbank (EZB) die Preis- und Wirtschafts­entwicklung im Euro-Raum unnötig. Zudem geraten Nutzen und Risiken der Niedrigzinspolitik allmählich in eine ungünstige Schieflage“, kritisiert Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, die heutige Entscheidung der EZB.

„Die Wirtschaftsschwäche im Euro-Raum ist derzeit vor allem strukturell geprägt, daher dürften die unmittelbaren Preis- und Konjunktureffekte des Aufkaufprogramms marginal sein“, so Kemmer weiter. Vielmehr sei zu befürchten, dass die zusätzliche Liquidität in der gegenwärtigen Situation vor allem in die Finanzmärkte fließe. Kemmer: „Dann steigt spürbar die Gefahr von Vermögenspreisblasen, von falschen Risikobewertungen und fehlgelenkten Investitionen.“ Auch das Risiko von Währungs­turbulenzen und Abwertungswettläufen werde zunehmen. Erfahrungsgemäß belaste dies vor allem die Investitionen. „Und die sind im Euro-Raum ohnehin ein gravierender Schwachpunkt“, bekräftigt der Bankenverbands-Chef.

„Auf keinen Fall dürfen die Euro-Staaten jetzt der Illusion erliegen, die mit dem Aufkaufprogramm verbundenen Zinserleichterungen reichten aus, nun könne man bei den wirtschaftlichen Reformen die Hände in den Schoß legen“, mahnt Kemmer. Die strukturellen Wirtschaftsprobleme im Euro-Raum – allen voran die mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit, der extrem flache Wachstumstrend, die hohe Abgabenbelastung und eine aufgeblähte Staatsverwaltung – ließen sich auch durch eine noch so expansive Geldpolitik nicht beheben. Ohne zusätzliche Wirtschaftsreformen – gerade in den großen Kernländern Frankreich und Italien – werde der Euro-Raum auf keinen nachhaltigen und höheren Wachstumspfad gelangen. Kemmer: „Diese Erfahrung macht Japan inzwischen seit 25 Jahren.“ 

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Pressesprecherin
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