Ossig: Die EZB darf nur in Grenzen grün sein

Die EZB darf nur in Grenzen grün sein

Gastbeitrag in der Wirtschaftswoche vom 23.7.2021 von Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

In seinem Gastbeitrag begrüßt Christian Ossig die Absicht der Europäischen Zentralbank, zukünftig auch Klimaschutzaspekte in die Geldpolitik einfließen zu lassen. „Das ist richtig, wichtig und kommt nicht überraschend. Für eine grüne Ausrichtung der Geldpolitik gibt es gute Argumente“, so Ossig. Zugleich verweist er auf die engen Grenzen, die der EZB dabei gesetzt sind, will sie nicht in Konflikt mit ihrem eigentlichen Mandat – der Preisniveaustabilität – geraten. 

Skeptisch sieht Ossig daher Pläne, die Kriterien für die geldpolitischen Anleihenkäufe so zu modifizieren, dass die EZB verstärkt grüne Anleihen erwirbt – sollte sie gezwungen sein, auf eine restriktive Geldpolitik umzuschwenken, müsste sie vor allem diese Papiere auf dem Markt anbieten, was tendenziell höhere Zinsen für klimaschutzorientierte Unternehmen zur Folge hätte. 

Um diesen Zielkonflikt zu vermeiden, die EZB aber gleichwohl in den Dienst einer grünen Geldpolitik zu stellen, sieht Ossig daher zwei andere Maßnahmen als sinnvoll an: Im Rahmen eines „Green Asset Programme“ könnte die Notenbank zum einen den Sicherheitenrahmen für grüne Vermögenswerte gezielt erweitern und grüne Sicherheiten direkt bevorzugen. Zum anderen wäre es möglich, dass die Bewertungsabschläge (Haircuts) bei grünen Sicherheiten, die bei der EZB hinterlegt sind, künftig geringer ausfallen. 

Die EZB müsse im Auge behalten, was machbar ist, so Ossig. „Wenn sie den Rahmen für grüne Sicherheiten ausweitet und bei den Haircuts Klimaaspekte miteinbezieht, wären das gut dosierbare und marktnahe Steuerungsinstrumente. Will sie deutlich darüber hinausgehen, dürfte sie rasch an die Grenzen ihres Mandats stoßen.“

Der komplette Gastbeitrag von Christian Ossig.

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