Peters: „Chancenlos gegen die Amerikaner“

9. September 2018

Interview mit Bankenpräsident Hans-Walter Peters in der Welt am Sonntag.

Hans-Walter Peters hat die Finanzkrise hautnah miterlebt. Heute müht sich der Chef der Berenberg Bank und Präsident des Bundesverbandes der deutschen Banken um eine Renaissance des Sektors.

Herr Peters, vor zehn Jahren ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite und riss fast das gesamte Finanzsystem mit sich. Was ist Ihre wichtigste Lektion daraus?

Aus meiner Sicht war es ein Fehler, dass die US-Regierung Lehman Brothers nicht gerettet hat. Die Insolvenz der Bank hat zuerst eine Finanz- und Vertrauenskrise und dann eine schwere Rezession ausgelöst.

Wie haben Sie die Insolvenz persönlich erlebt?

Mich haben viele Kunden angerufen und gefragt, ob es nicht besser wäre, wenn sie ihr Geld komplett abheben und unter die Matratze legen würden. Unmittelbar nach der Insolvenz habe ich auch Kontakt zur Bundesregierung gesucht. Bundeskanzlerin und Finanzminister haben ein hervorragendes Krisenmanagement betrieben.

Das heißt, Sie verlassen sich weiter darauf, dass im Zweifel der Steuerzahler für die Schieflage einer Bank einsteht?

Natürlich nicht. Damals fehlten aber die Instrumente, um mit der Situation richtig umzugehen. Die Bankenlandschaft wurde auch deshalb seit 2008 auf den Kopf gestellt. Heule haben wir international abgestimmte Regeln und ein Frühwarnsystem der Aufsicht. Wir sind heute viel besser gegen Krisen geschützt. Die deutschen Banken haben mehr Eigenkapital und deutlich weniger Risiken in den Bilanzen. Falls trotzdem eine Bank irgendwo auf der Welt fällt, dürfte das deutlich weniger dramatische Auswirkungen haben. Alle Marktteilnehmer sind besser auf ein solches Szenario vorbereitet, und die internationale Abstimmung wurde grundlegend verbessert.

Was sind aktuell die größten Risiken?

Es gibt Risiken durch die internationale Politik, die Zinspolitik, aber auch durch Entwicklungen, die wir noch gar nicht im Blick haben. So war es ja auch bei der vergangenen Finanzmarktkrise. Ich sehe derzeit aber kein systemisches Risiko mit weltweiten Folgen. Wir haben vor allem regionale Probleme, so wie aktuell in der Türkei. Die Märkte reagieren sensibel auf solche Entwicklungen. Schon seit zwei Jahren gibt es immer wieder die Befürchtung einer großen Korrektur am Aktienmarkt. Bislang ist sie aber ausgeblieben, weil die fundamentalen Fakten stimmen: Die Unternehmen wachsen, machen Gewinne und sind dadurch für Anleger attraktiv. In den nächsten zwei Jahren sehe ich deshalb keine große Korrektur und schon gar keine Krise.

Bei den US-Banken sprudeln die Gewinne, während die Institute hierzulande noch immer in der Transformation feststecken. Was läuft da schief?

Die Amerikaner können sich tatsächlich kaum noch an die Krise erinnern, sie haben sie längst verarbeitet. Bei uns ist sie dagegen immer noch präsent. Die europäischen Banken mussten deutlich länger neue Vorschriften umsetzen und tun dies immer noch. So haben sie keine Chance gegen die Amerikaner. Die Regulierung muss deshalb auf Widersprüche oder zu viel bürokratische Lasten überprüft Terden. Das ist wichtig für unsere Wirtschaft. Jetzt geht, es darum, dass unsere Banken endlich wieder profitabel werden. Sonst wird es schwierig, die Unternehmen zu finanzieren, sollte Deutschland in eine Rezession rutschen.

Die Fragen stellte Anne Kunz

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