Krautscheid: 100 Tage vor dem Brexit - Krisenmodus wird zum Normalfall

18. Dezember 2018

„100 Tage vor dem Austritt Großbritanniens aus der EU ist der harte Brexit wahrscheinlicher denn je", erklärt Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands anlässlich des morgigen Termins. „Dies bedeutet: Wenn im britischen Unterhaus in der dritten Januarwoche weiterhin keine Mehrheit für den Austrittsvertrag zustande kommt, müssen Unternehmen und Banken in den Notfallmodus übergehen. Es wird keine zweijährige Übergangsfrist und keine Übergangsregeln geben.“ 

Dazu Krautscheid weiter: „Dieser Notfallmodus war immer unser Plan B, den die Banken vom ersten Tag an mitgedacht und vorbereitet haben. Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass er Realität wird. Alle Geschäftsprozesse und alle Kunden in der deutschen Industrie müssen sich dafür wappnen, dass in 100 Tagen der heutige Rechtsrahmen am Finanzplatz London nicht mehr gilt. Wir müssen gemeinsam sicherstellen, dass unsere eng verflochtenen Volkswirtschaften so wenig Schaden wie möglich erleiden und die Wertschöpfungsketten über den Kanal hinweg weiter funktionieren.

Ich begrüße ausdrücklich, dass Bundesregierung und Europäische Kommission in diesen Tagen durch eine Reihe von gesetzgeberischen Maßnahmen und Äquivalenzentscheidungen, z. B. für das Clearing in London gemeinsam mit allen Marktakteuren ein Sicherheitsnetz aufbauen. Die Übertragung von Aktivitäten, Kundenbeziehungen und Bilanzwerten in Höhe von hunderten Milliarden Euro von London auf den Kontinent läuft seit Wochen mit größter Intensität. Auch wenn der Finanzplatz Frankfurt davon profitiert und mehr als 30 ausländische Banken neue Banklizenzen für Frankfurt beantragt haben, überwiegt in den nächsten Wochen unsere Sorge.“

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