Finanzchat zu Geldanlage und Vermögen

Experte: Tobias Böhm, Roman Stüve, Bastian Erle, Thomas Schlüter 
Partner: Welt am Sonntag
Chat-Zeitraum: Sonntag, 03. April von 10:00 bis 12:30 Uhr

Bitte beachten Sie, dass Ihre hier gestellten Fragen öffentlich einsehbar sind. Sollten Sie konkrete Summen nennen, empfehlen wir, ein Pseudonym als Nutzernamen zu verwenden.

Sabine

Ich bin Jahrgang 53 und würde gerne 40.000 Euro sinnvoll anlegen. Was raten Sie mir. Das Geld soll im Notfall verfügbar sein. Danke!

Tobias Böhm

Hallo Sabine, vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Chat! Ich empfehle Ihnen, wenn Sie professionelle Unterstützung und Rat hinzuziehen möchten, einen Beratungstermin in einer Bank zu vereinbaren. Dort werden die Kolleginnen und Kollegen mit Ihnen gemeinsam im Gespräch Ihren Anlagehorizont ermitteln und auch feststellen, was die Verfügbarkeit im Notfall für Sie konkret bedeutet. Weiterhin wird mit Ihnen eine Risikoprofilierung durchgeführt, in der Ihr persönliches Sicherheitsbedürfnis geklärt werden kann. Eventuell kommen anschließend Wertpapieranlagen für Sie in Frage. Auch im Rahmen der Möglichkeiten liegt unter Umständen ein Versicherungsanlageprodukt. Wertpapiere sind in den meisten Fällen zum Tageskurs veräußerbar. Hierdurch realisieren Sie unter Umständen Kursgewinne oder Kursverluste. Das Risiko Kursverluste zu erleiden, wird kleiner, je länger eine Investition liegt. Versicherungsanlageprodukte bieten hohe Garantieniveaus ohne Kursschwankungen, verlangen aber in der Regel längere Anlagehorizonte. Entnahmen sind im Notfall möglich, sollten aber nicht von vornherein einkalkuliert werden. Viele Grüße aus Berlin sendet Tobias Böhm

abeyerde

Über welches Finanzportal erfahre ich am ehesten, wann russische Aktien wieder ge- und verkauft werden??

Bastian Erle

Hallo Abeyerde, ich gehe davon aus, dass sämtliche sich mit Börse befassenden Medien über die Wiederaufnahme des Handels mit russischen Aktien informieren werden. Alternativ können Sie selbst eine google Abfrage starten. Viele Grüße

abeyerde

danke! müßte ich die google Abfrage täglich neu starten?

Bastian Erle

Hallo Abeyerde, ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass Sie russische Aktien besitzen und diese mit Wiederöffnung verkaufen wollen? Oder alternativ russische Werte kaufen möchten? Hier könnten Sie natürlich versuchen, über Ihren Broker eine Order zu platzieren, welche direkt mit Eröffnung ausgeführt wird. Alternativ eine Limit Order platzieren, wenn Sie einen bestimmten Kurs im Kopf haben. Aber Achtung: Niemand kann Ihnen heute verlässlich sagen, wo die Kurse dann stehen und wie sich die Kurse verhalten werden! Ich gehe ebenfalls davon aus, dass der Handel mit russischen Aktien nicht "über Nacht" wieder ermöglicht wird, sondern 3,4 Tage im Vorfeld angekündigt würde.

T55

Ich investiere seit Jahren in ETFs, aber frage mich wie ich das Geld im Alter von dort wieder kostengünstig heraushole, um davon zu leben bzw. die gesetzliche Rente zu ergänzen? Gibt es analog zu Sparplänen zur Einzahlung auch Auszahlungspläne?

Tobias Böhm

Hallo T55, Ihre ETFs bieten ja den großen Vorteil, normalerweise sehr fungibel zu sein. Sie zahlen für Verkäufe Ihrer ETFs je nach Broker einen minimalen Prozentsatz Orderprovision und erhalten den Gegenwert verhältnismäßig zügig auf Ihr Girokonto überwiesen. Die schwierige Frage ist: Wie viel sollten Sie herausholen? In anderen Worten: Wie lange wollen Sie leben? Was ich beschreibe ist das Langlebigkeitsrisiko. Denn Ihr Wertpapierdepot muss entweder so groß sein, dass Sie von den Erträgen leben können ohne das Kapital abzurufen. Oder Sie brauchen das Vermögen sukzessive auf. Dann müssen Sie die Frage beantworten, für wie viele Monate es reichen soll. Eine Lösung kann sein, eine sofortbeginnende Rentenversicherung zu kaufen. In diese Verträge zahlen Sie eine Summe ein, die anschließend Lebenslang zurückgezahlt wird. Damit sichern Sie das Langlebigkeitsrisiko ab. Ein monatlicher Auszahlplan ist, je nach Broker, keine Schwierigkeit. Diesen richten Sie ein und im Anschluss wird automatisch die gewünschte Anzahl ETFs zum Stichtag veräußert. Herzliche Grüße aus Berlin sendet Tobias Böhm

Trimethylamin

Wie kann ich 80000€ einigermaßen zukunftssicher für mehrere Jahre investieren?

Roman Stüve

Hallo, langfristig war die Vermögensanlage in Aktien eine wertstabile und vermögenssteigernde Anlageform. Dies sollte - weiterhin mit Schwankungen - auch für die nächsten Jahrzehnte gelten. Dabei steht eine breite Streuung über Regionen und Märkte im Vordergrund. Mit Blick auf die gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen würde ich auch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien (ESG) für die Zukunftssicherheit empfehlen. Um im Timing nicht negativ überrascht zu werden ist die Anlage eines Liquiditätspuffers für unvorhersehbare Ausgaben ebenfalls empfehlenswert. Unabhängig von einer Kapitalmarktentscheidung kann die vorhandene Liquidität auch - je nach Anspruch und Wohnort - als Eigenkapital für selbst genutztes Wohneigentum eingesetzt werden. Hier hilft eine Analyse des Immobilienmarktes vor Ort im Abgleich zu ihren beruflichen Plänen. Beste Grüße RS

Trimethlyamin

Vielen Dank ! Anlage in Aktien erfordert allerdings Know How und Zeit zur Verfolgung der Wertentwicklung. Beides fehlt. Was würden Sie hier konkret empfehlen? BTW: Selbstgenutztes Wohneigentum ist vorhanden

Roman Stüve

In dem Fall würde ich die regionale Auswahl und die Wahl der Branchengewichtung an einen Vermögensverwalter ihrer Wahl delegieren! Gute (!) Aktive Fonds können hier trotz einer höheren Kostenquote ggü. ETFs einen Mehrwert schaffen. Hier hilft die eigene Recherche im Internet oder aber ein Beratungsgespräch bei ihrer Bank. Dabei gilt: Achten sie auf ein unabhängiges und breites Angebot im Thema Vermögensanlage und eine Anlageempfehlung die Ihnen 2 bis 3 Optionen aufzeigt. Beste Grüße RS

T55

Es gibt die Möglichkeit bei der BfA größere Beträge freiwillig einzuzahlen, um Abschläge bei der Rente zu kompensieren, wenn man vor dem offiziellen Renteneintrittsalter Rente beantragt. Lohnt sich das aus Ihrer Sicht oder sollte man das Geld lieber in Aktien etc. investieren ?

Bastian Erle

Hallo T55, wichtig ist hier Ihre persönliche Situation zu betrachten und Vor- bzw. Nachteile zu beleuchten. Beispielsweise haben Sie meines Wissens nach nicht die Möglichkeit, diese Zuzahlung wieder zu entnehmen, sondern sind auf die Verrentung angewiesen. Auch im Todesfall bin ich mir nicht sicher, ob sich die Witwenrente durch die Zuzahlung erhöht. Ich weiß ebenfalls nicht, wie alt Sie aktuell sind und wann Sie ggf. in Rente gehen wollen. Ingesamt können Sie jedoch einen Vergleich mit einer privaten Rentenversicherung oder Sofortrente durchführen, sofern Sie gezielt Ihre monatlichen Einkünfte erhöhen wollen. Die steuerliche Betrachtung ist ein weiteres Entscheidungskriterium. Hier sollten Sie einen Steuerberater aufsuchen. Viele Grüße

T55

Ich bin 55 und möchte am liebsten mit 63 in Rente gehen. Daher möchte ich meine zukünftigen Einkünfte erhöhen, auch wenn ich nicht an das jetzige Gehalt herankommen werde. Mein Mann verdient selbst so gut, dass die Witwerrente keine Rolle spielt.

Bastian Erle

Entsprechend haben Sie eine Laufzeit von 8 Jahren. Haben Sie hier schon einen Vergleich zwischen einer privaten Vorsorge und einer Erhöhung der gesetzlichen Rente gestartet? Bei einem Anlagehorizont von 8 Jahren können Sie tatsächlich auch über eine Anlage in Wertpapieren nachdenken und erst zum Rentenbeginn entscheiden, ob bzw. wie Sie sich das Kapital auszahlen lassen. Ich empfehle Ihnen, sich in einem persönlichen Beratungsgespräch sämtliche Möglichkeiten aufzeigen zu lassen, einen Steuerberater hinzuziehen und dann eine Entscheidung zu treffen.

T.B.

Schönen guten Morgen, wir müssen in diesem Jahr unser Elternhaus verkaufen und werden dann voraussichtlich ca 350-400k bekommen. Dieses Geld soll für ein bis zwei Jahre möglichst stabil angelegt werden, damit es nicht von Inflation und Verwahrentgelt zu sehr aufgezehrt wird. Was würden Sie uns raten? Vielen Dank!

Tobias Böhm

Hallo T.B., für 12 oder 24 Monate sind lediglich Tages- oder Festgelder geeignet. Einen Inflationsausgleich werden Sie dadurch nicht erreichen. Ein Verwahrentgelt können Sie mittels eines Festgeldes umgehen. Erst ab einem Anlagehorizont von 36 Monaten ist eine Investition in Wertpapiere ratsam und damit auch die Möglichkeit eines Inflationsausgleiches gegeben. Ich rate Ihnen dazu, einen Termin in Ihrer Bank zu vereinbaren, um der Frage tiefer auf den Grund zu gehen, ob und in welchem Umfang in zwei Jahren das gesamte Kapital benötigt wird. Hier lassen sich eventuell Anlagebeträge identifizieren, die über Horizonte von 36 oder mehr Monaten nicht konkret verplant sind. Diese können Sie nach der Festlegung einer Anlagestrategie, die Ihren persönlichen Anlagestil und Ihr Sicherheitsbedürfnis respektiert, in einen Mix aus verschiedenen Wertpapieren der Assetklassen Aktien, Renten, Immobilien, Rohstoffe, Cash, etc. investieren. Hierdurch befreien Sie sich sofort von der Verwahrentgeltproblematik und haben überdies die Chance, einen Inflationsausgleich zu erreichen. Sollten Sie im Beratungsgespräch noch längere Anlagehorizonte ermitteln, könnte ebenfalls auch ein Versicherungsanlageprodukt für Sie in Frage kommen. Hierbei profitieren Sie von sehr hohen Garantiequoten (bis 100%), die Sie jedoch durch längere Anlagedauern "bezahlen". Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen ein wenig weiterhelfen konnte. Viele Grüße aus Berlin Tobias Böhm

Roberto

Für mich stellt sich immer wieder die Frage bzgl eines Stop Loss. Hätten Sie eine Empfehlung, ev auch aus eigener Erfahrung, wie effektiv Stop Loss gesetzt werden sollten? Danke

Bastian Erle

Hallo Roberto, ich nutze selbst ab und an einen Stop-Loss. In der Regel bei volatilen Werten und Derivaten. Sie haben damit die Möglichkeit, Gewinne abzusichern bzw. Verluste zu reduzieren. Es gibt darüber hinaus auch die Möglichkeit einen Trailing-Stop-Loss zu setzen, so dass Gewinne weiterlaufen und die Verkaufsschwelle sich weiter erhöht. Ich habe jedoch keine allumfassende Antwort, wann bzw. mit welchem Abstand ein Stop-Loss gesetzt werden soll. Viele Grüße

Bernhard

Ich habe Geld in Etf‘s und Immobilien angelegt..habe momentan 30000 Euro auf dem Girokonto über..empfohlen wurde mir ein aktiv gemanagter Fond Flossbach von Storch Multiple Opportunies-R WKN AOM430 oderdie I.C.M.Mannheim..Ihre Meinung bitte oder andere Möglichkeiten zur Inflationsbekämpfung..Danke

Thomas Schlüter

Die Anlage in Aktien ist grundsätzlich eine gute Möglichkeit um Inflationsrisiken zu begrenzen. Ob ETF oder aktiv gemanagter Fonds ist eine Frage der Kosten und des Marktes in dem man investieren möchte. In Bärenmärkten haben aktiv gemanagte Fonds mehr Möglichkeiten als ETF´s. Umgekehrt zeigen ETF´s häufig in Bullenmärkten die bessere Performance. Aktiv gemanagte Fonds eignen sich zudem häufig für Nischen- oder spezielle Märkte.

Roberto

Ich habe bei mehreren Neobrokern mittlerweile Konten und sehe aber, diese sind meistens mit der bzw an der Baader-Bank verbunden. Deshalb meine Frage der Einlagensicherung von 100.000€ pro Einleger und pro Bank: wenn ich bei den Neobrokern jeweils die 100.000€ als Einlage (Aktien/Fonds) habe… Wäre im Worst case nur einmal 100.000€ gesichert?

Bastian Erle

Hallo Roberto, der Einlagensicherungsfonds sichert lediglich Bankeinlagen ab (Giro, Tagesgeld, Sparbriefe etc.). Wertpapiere werden lediglich verwahrt und im Falle einer Insolvenz des Brokers an einen anderen Broker übertragen. Entsprechend spielt die Höhe der Depots erst einmal keine Rolle für die Einlagensicherung. Viele Grüße

BenGu

Ich habe rund 100.000 auf mehreren Girokonten und absolut keine Ahnung, was ich damit machten soll. Ich benötige ca. 50.000 in ca 2-3 Jahren, um einen Umbau zu finanzieren. Mein Vertrauen in Berater bei Sparkassen- oder Bankenniederlassungen ist begrenzt (bin Kunde einer Sparkasse), I.d.R. Wollen Sie ihre Produkte verkaufen oder folgen zentralen Verkaufsvorhaben. Haben Sie einen Rat für mich?

Bastian Erle

Hallo BenGu, für die Anlage in Wertpapieren sollten Sie einen grundsätzlichen Anlagehorizont von mindestens 3 Jahren mitbringen. Entsprechend ist für den Teil Ihres Vermögens, der in 2-3 Jahren benötigt wird, eine Wertpapieranlage nicht ratsam. Der übrige Teil Ihres Vermögens sollte dann entsprechend Ihrer Anlagepräferenzen (Risikoneigung, Anlagehorizont etc.) angelegt werden. Ich kann Ihnen zu Ihrem Sparkassenberater natürliche keine Einschätzung geben. Ganz grundsätzlich kann ich Ihnen aber sagen, dass ein Bankberater nicht "mit der Gießkanne" die Anlagen an jeden Kunden verkauft. Eine gute Beratung erkennen Sie daran, dass der Berater sich mit Ihrer persönlichen Situation auseinandersetzt und darauf aufbauend eine Anlageempfehlung ausspricht. Da der Markt an Wertpapierlösungen sehr groß ist und Banken die kontinuierliche Begleitung Ihrer Anlageempfehlungen sicherstellen wollen, werden bestimmte Anlagelösungen herausgesucht, welche die Berater empfehlen können. Diese Lösungen sind vielfältig, damit auf die unterschiedlichen Anlagepräferenzen der Kunden eingegangen werden kann. Viele Grüße

Michael 1966

Guten Tag Zwei Fragen 1. Wie kann ich in GB ein Konto eröffnen ohne dort einen Wohnsitz zu haben? Ich wohne in Deutschland. 2. Ich möchte gerne in Afrika investieren, finde aber nur sehr wenige Fonds. Welchen Weg bzw welchen Fonds würden Sie investieren. Ich würde Fonds bevorzugen die nicht zu rohstofflastig sind da ich schon sehr Stark in Rohstoffen engagiert bin. Vielen Dank, ich freue mich auf Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen M.D. Berlin

Tobias Böhm

Hallo Michael, ich nehme sehr gern Stellung zu Ihren Fragen. Zu einem Girokonto in Großbritannien kann ich Ihnen lediglich dazu raten, die Bedingungen der einzelnen Institute in Großbritannien zu konsultieren. Beachten Sie jedoch, dass Sie auf Grund der Entflechtung Großbritanniens aus der europäischen Union eventuell auf sehr hohe Hürden stoßen werden. Dass Sie Schwierigkeiten haben, Investmentfonds zu finden, die im afrikanischen Kontinent investieren, liegt einerseits daran, dass es dort außerhalb des Rohstoffmarktes im Vergleich zur Nordhalbkugel der Welt noch zu keiner weitreichenden Industrialisierung gekommen ist. Es fehlt also schlicht an einer breiten Masse an Aktiengesellschaften. Zum Zweiten sollten Sie beachten, dass es auch für eine Fondsgesellschaft aktuell nicht besonders rentabel ist, in großer Tiefe im Afrikanischen Markt investiert zu sein. Beide Aspekte führen zu einem eingeschränkten Angebot, aber gleichfalls zu einer eingeschränkten Nachfrage, sodass Investitionen in Afrika mit Vorsicht zu genießen sind. Außerdem sollten Sie bedenken, dass häufig ausländische Unternehmen in Afrika involviert sind, die daher in Indizes außerhalb Afrikas gelistet sind, obwohl die Gesellschaften innerhalb Afrikas ein Geschäft betreiben. Herzliche Grüße aus Berlin Tobias Böhm

Rainer

Hallo, Aktien von welchem Markt sollte man momentan bevorzugen. Welche Bereiche sollte man abdecken ( Versorger, Banken Versicherer? Welches Finanzinstrument sollte man zur Absicherung der Depots wählen? Hörte von PUT Optionen. Können Sie da Empfehlungen geben ?

Roman Stüve

Hallo Rainer, im aktuellen Umfeld ist - wie so häufig bei größeren Krisen - die USA und der Dollar sicherer Hafen. Hierfür spricht auch die Unabhängigkeit in der Energieversorgung und der starke Arbeitsmarkt. Die FED hat außerdem bewiesen, das sie ihre geldpolitischen Aktivitäten immer mit einem Auge auf den Kapitalmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung abstimmt. In der Branchenstrategie spricht aktuell viel für die Übergewichtung von Energie (gesunkene Lagerkapazität, Ukraine-Krise, attraktive Dividendenrendite) und Gesundheitswesen (starke Wachstumsperspektiven, gute Dividendenrenditen, defensive Qualität). Eine Absicherung des Depots gelingt über diverse Instrumente: Short ETFs und auch Put Optionen gehören sicherlich dazu. Allerdings wird der Preis von Put Optionen stark von der Schwankungsbreite des Marktes (Volatilität) beeinflusst. Insofern ist die Absicherung zur Zeit eher teuer und sollte ggf. auf Einzeltitel oder -märkte temporär eingesetzt werden. Andere Absicherungsvehikel sind z.B. auch Ordertypen - (Trailing) Stop Loss. Diese lassen Gewinne laufen und reduzieren bei Unterschreiten ihrer Absicherungsmarke automatisch den Aktienanteil ihres Portfolios. Beste Grüße, gute Nerven und viel Erfolg RS

hetiweber

Guten Morgen, Mein Mann und ich (80/70) möchten unseren Kindern (30/29 J) zur langfristigen Absicherung ein Wertpapier kaufen und es als Sparplan weiter finanzieren. Was ist hier auf lange Sicht geeignet?

Roman Stüve

Guten Morgen, zur langfristigen Absicherung (in meiner Interpretation: Vermögensbildung) eignet sich hier ein sparplanfähiger Aktienfonds. Dieser kann aktiv betreut werden oder aber auch einen globalen Index abbilden (ETF). Ich würde auf eine breite regionale Streuung und einen Mix unterschiedlicher Branchen achten. Aktives Management bringt den Vorteil, das über langfristige Zeiträume im Idealfall wandelnde Trends erkannt und schneller berücksichtigt werden können. Demgegenüber steht ein Kostennachteil durch die Einbindung von Investmentmanagern. Langfristig sollten Sie auch das Thema Nachhaltigkeit in der Entscheidung mitberücksichtigen. Zum einen stehen wir vor diversen Umbrüchen, zum anderen bringt dieser Aspekt in der Regel auch einen Performancevorteil. Dieser Aspekt lässt sich sowohl in einem aktiven Fonds, als auch einem ETF einbinden. Vielleicht startet ihre Recherche ja beim MSCI World SRI? Viel Erfolg und beste Grüße RS

H

was halten Sie von MEAG Fonds und in welchen würden Sie jetzt einsteigen, wenn Sie riskioscheu wären und eine Summe von 30.000€ zur Verfügung hätten, (100.000 € liegen bereits in europäischem Festgeld bis max. 1%)?

Roman Stüve

Hallo, vor der Frage nach der richtigen Fondsgesellschaft bzw. dem richtigen Fonds gilt es m.E. nochmal die Anlagestrategie zu hinterfragen. Mit den bisherigen Investmententscheidungen erzielen Sie reale Vermögensverluste. Daher sollten Sie eine breitere Struktur in weiteren Anlageklassen in Erwägung ziehen. Hierzu zählen Aktien, Renten und Offene Immobilienfonds. Die Auswahl richtet sich dann nach Ihrer Risikobereitschaft. Auch ein Mischfonds (Kombination aus unterschiedlichen Anlageklassen) kann als Einstieg dienen. Sofern Sie ihre Anlagestrategie neu formuliert haben, empfehle ich eine Selektion bei unterschiedlichen Anbietern. Beste Grüße RS

200bar

Wir sind eine Familie mit 2 Kindern. Haben ca 150k in Aktien und Fonds bei US Banken und 20k in etf in Deutschland. Wir sparen 1800€ in ETF pro Monat für uns und jeweils 100€ für die Kinder. Wir besitzen ein Haus und überlegen jetzt, ob wir noch eine Immobilie im Ausland kaufen sollten oder in wie weit wir weiter diversifizieren sollten. Gesamteinkommen 7,5k.

Tobias Böhm

Hallo 200bar, vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Chat. wenngleich ich nicht einschätzen kann, was sich hinter Ihren Aktien, Fonds und ETFs verbirgt, vermute ich jedoch, dass Ihre Wertpapiere bereits breit diversifiziert sind. Bedeutet, dass Sie in Aktien, Renten und Immobilien über die Fonds investiert sind und hierbei eine Diversifikation ebenfalls über Ländern und Branchen implementiert haben. Bedenken wir an der Stelle, dass Sie wahrscheinlich über Ihr bisheriges Wertpapierdepot bereits in mehreren hundert Unternehmen und Sachwerten investiert sind, würde eine einzelne Immobilie im In- oder Ausland Ihre Diversifikation eher verringern, als sie zu erhöhen. Eine Immobilie bindet viel Eigen- und Fremdkapital und der Erfolg des Investments hängt immer auch von externen Faktoren, wie den eventuellen Mietern, oder dem Wohnumfeld ab. Hinzu kommt insbesondere im Ausland, dass es die Distanz einerseits erschwert, von Zeit zu Zeit vor Ort zu sein, andererseits sind hier immer auch steuerliche Aspekte in die Entscheidung mit einzubeziehen, da die Regelungen von Land zu Land mitunter sehr unterschiedlich sind. Wesentlich bequemer ist hier ein Kauf eines Immobilienfonds-Anteils. Sollte diese Anlageklasse in Ihrem Depot noch nicht repräsentiert sein. Viele Immobilienfonds liefern seit rund 50 Jahren stabile und positive Renditen und bieten innerhalb eines Wertpapieres eine breite Diversifikation in mehrere einzelne Immobilien. Viele Grüße aus Berlin Tobias Böhm

Rentner@

Guten Morgen , Wir wollen 200000 € inflationsausgleichend anlegen und auf das Kapital innerhalb von 1 bis 5 Jahren zurückgreifen können . Welche Möglichkeiten gibt es ? Vielen Dank

Thomas Schlüter

Auf so eine relativ kurze Frist lässt sich die Inflation kaum umgehen. Die beste Möglichkeit die Inflation zu vermeiden ist eine Investition in Aktien. Das Geld für eine Aktienanlage sollten aber längerfristig nicht gebraucht werden, da es kurzfristig immer wieder zu Kurssschwankungen kommen kann. Falls Sie länger als 5 Jahre anlegen wollen, würde ich eine weltweit gestreute Anlage empfehlen also zum Beispiel ein ETF auf de MSCI Welt Index.

alohr

Guten Morgen, wie kann ich (64-jährig, Rentnerin) 60.000 Euro anlegen? Dieses Geld wurde mir aus Altersvorsorgeverträgen (Riester, Privater Sparvertrag) ausgezahlt, die Auszahlungen müssen jetzt z.T. versteuert werden.

Bastian Erle

Hallo Alohr, sofern Sie mit Steuernachzahlungen rechnen, sollten Sie diesen Teil des Geldes auf jeden Fall auf einem Tagesgeld parken. Hier würden Sie sehr kurzzeitig drauf zurückgreifen müssen. Für den Teil, der zur Anlage bereit steht, empfehle ich Ihnen ein Gespräch mit Ihrem Bankberater. Er wird mit Ihnen Ihre Renditevorstellungen, Ihre Risikobereitschaft und Ihren Anlagehorizont besprechen. Auf dieser Basis wird er Ihnen einen Anlagevorschlag machen, welcher zu Ihrer Lebenssituation passt. Insbesondere bei einem längerem Anlagehorizont bietet es sich an in Wertpapiere zu investieren. In Abhängigkeit Ihrer Bereitschaft Schwankungen in Kauf zu nehmen und der Höhe Ihres Renditewunsches, wird der Aktienanteil festgelegt. Viele Grüße

montas

Guten Tag, ist es in der momentanen Situation sinnvoll in Versorger zu investieren? Besser in deutsche , europäische oder amerikanische? Wie lege ich 100.000 € am sinnvollsten an. ETF, Fonds, Aktien, Anleihen? Gruß montas

Roman Stüve

Hallo Montas, für Versorger spricht aktuell die zunehmende Ausrichtung auf Erneuerbare Energien, die attraktiven Dividendenrenditen und die m.E. relativ stabile Position während der Pandemie. Allerdings ist die Branche i.d.R. durch einen hohen Verschuldungsgrad gekennzeichnet und der sicherlich notwendige Umschwung zu erneuerbaren Energien ist kostenintensiv und bringt neue Wettbewerber. In der Abwägung würde ich die Branche aktuell eher Untergewichten. Bei der Umsetzung würde ich mich auf ETFs und Fonds konzentrieren - es sei denn, die 100.000 Euro sind ihr Teil-Budget für diese Branche. In dieser Größenordnung können sie sicherlich auch über Einzeltitel eine Diversifizierung erreichen. Beste Grüße RS

Rentner

Wie legt man 180000 € an , dass ich kurzfristig ( innerhalb eines Bis drei Jahre ) das Kapital nutzen kann ?

Tobias Böhm

Guten Morgen und vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Chat, da Sie Ihr Kapital scheinbar nur kurzfristig parken können, bleibt für Ihr Kapital nur ein kurzfristig verfügbares Bankkonto wie ein Festgeld oder ein Tagesgeldkonto oder eine Mischung aus beidem. Vielleicht überdenken Sie den Anlagehorizont noch einmal? Benötigen Sie heute in drei Jahren, also konkret im Jahr 2025 Ihre 180.000 EUR? Steht eine fixe Zahlungsverpflichtung an? Falls ja, orientieren Sie sich an meiner obigen Antwort. Falls nein - falls Sie den drei Jahreszeitraum zwar erträglich finden, aber auch in drei Jahren keine konkrete Verwendung ansteht, können Sie über eine defensive Wertpapieranlage nachdenken. Hierbei haben Sie die Möglichkeit, eine inflationsausgleichende Rendite zu erzielen bei täglicher Verfügbarkeit zum Tageskurs. Denn Wertpapiere sind grundsätzlich empfehlenswert für Anlagehorizonte ab 36 Monaten. Wie Sie eine Wertpapieranlage strukturieren, wie hoch also der Anteil Aktien, Renten, Immobilien, Rohstoffe, etc. empfohlenermaßen sein kann, lässt sich bequem in einem Beratungsgespräch in Ihrer Bank herausfinden. Hier hilft Ihnen eine Beraterin oder ein Berater bei der Zusammenstellung eines Depots, das Ihren bisherigen Erfahrungen, dem Anlagehorizont und Ihrer persönlichen Risikoneigung entspricht. Viele Grüße aus Berlin Tobias Böhm

D.L.

Meine Frau und ich haben derzeit ca 400.000 Eur flüssig. Wir sind beide ca. 60 Jahre, berufstätig, selbstgenutztes Einfamilienhaus ist lastenfrei, eine ETW haben wir auch, welche vermietet ist. Die ETW ist derzeit noch bis Februar 2023 mit ca. 25.000,--Euro belastet. Dieser Kredit wird im FEbruar 2023 voll abgelöst. Das Geld hierfür liegt schon auf einem separaten Konto. Dadurch werden wir Mieteinnahmen von ca. 550,--Eur netto haben. Wir möchten gerne von den 400.000,-- Euro ca. 100.000 Eur in Gold (Tresor) anlegen. Über die Anlagestrategie der restlichen 300.000 Eur sind wir uns noch nicht schlüssig. Ich werde uns eher als risikoscheu, auch in Bezug auf unser Alter, bezeichnen. Welchen Tipp bzgl. der Anlagestrategie können Sie uns geben. Vielen Dank

Roman Stüve

Hallo, vielen Dank für den Einblick in ihre Vermögenssituation. Zur Zeit nutzen Sie nur 2 Anlageklassen: Immobilien und Liquidität. In einem ausführlichen Beratungsgespräch sollten sie gemeinsam eine Zielstruktur für ihr Vermögen entwerfen. Diese sollte Ihre Risikoeinstellung (risikoscheu), den Anlagehorizont und ihre persönlichen Anlageziele (z.B. Termine für Kapitalbedarf, benötigte Ausschüttungen für den Lebensunterhalt etc.) berücksichtigen. Grundsätzlich würde ich für eine breit gestreute, globale und an realen Assets orientierte Strategie plädieren. Hierzu gehören neben Gold auch Offene Immobilienfonds, defensive Aktien und ggf. Anlagen im Deckungsstock von Versicherern. Insbesondere für ihr Aktieninvestment sollten sie entscheiden, wie stark sich sich in die Auswahl und die Transaktionen mit einbringen wollen. Alternativ steht auch das Thema Vermögensverwaltung zur Auswahl. Beste Grüße und viel Erfolg RS

Harald H.

Guten Tag, Ich bin 57 Jahre alt und suche eine Möglichkeit ca € 500000 anzulegen. Wir besitzen schon einige Einzelaktien, haben aber momentan noch nicht die Zeit uns ständig um den Aktienmarkt zu kümmern und uns fehlt auch die Expertise um gezielt nach Aktien zu schauen. Was würden Sie mir und meiner Frau empfehlen? Die Geldanlage soll so gewählt werden, so dass auch immer wieder Entnahmen möglich sein sollen. Vielen Dank

Bastian Erle

Hallo Harald, ich empfehle Ihnen, ein Beratungsgespräch mit Ihrem Bankberater zu führen. Er wird mit Ihnen besprechen, welche Renditevorstellungen Sie haben, welches Risiko zu bereit zu tragen sind und wie lange Ihr Anlagehorizont grundsätzlich ist. Ihr Wunsch, nach "spontanen" Entnahmen wird ebenfalls berücksichtigt. Auf dieser Basis wird er Ihnen ein Portfolio empfehlen, welches Ihren Wünschen entspricht. Über (aktiv gemanagte) Fonds geben Sie die Aktienauswahl in professionelle Hände und sichern sich somit die Expertise der Fondsmanager. Je höher Ihr Renditewunsch und je länger der Anlagehorizont, desto höher kann der Aktienanteil in der Empfehlung sein. Viele Grüße

Jenni

Guten Tag, ist es noch ratsam, dine vermietete Wohnung zu 110% zu finanzieren?

Bastian Erle

Hallo Jenni, ganz grundsätzlich ist ein Fremdkapitalanteil bei vermieteten Objekten unter steuerlichen Aspekten ratsam. Meine dringende Empfehlung lautet dennoch, einen Steuerberater hinzuziehen, um das Konstrukt zu besprechen. Der Fremdkapitalanteil bestimmt in der Regel den Zins und die Rate. Entsprechend schadet es nicht, sich verschiedene Angebote reinzuholen, um zu entscheiden, welcher Anteil finanziert werden soll. In Anbetracht Ihrer Lebens- und Vermögenssituation sollten Sie schauen, wie die Finanzierung für Sie am Besten ist. Hier gilt es zu überdenken, wie Sie mit evtl. Mietausfällen oder in den nächsten Jahren anstehenden Modernisierung- und Reparaturausgaben umgehen wollen. Es wäre mir auch neu, pauschal eine Finanzierung in Höhe von 110% zu empfehlen. Viele Grüße

Robert jahn

Hallo, kann man sich die 15 prozentige Quellensteuer, die von den Dividenden amerikanische Aktien abgezogen wird, irgendwie zurückholen?

Roman Stüve

Hallo Herr Jahn, bei einem Investment in amerikanischen Aktien werden i.d.R. 30% Quellensteuer auf Dividenden einbehalten. Durch Einhaltung von Dokumentationspflichten kann dies auf 15% reduziert werden. Eine weitere Optimierung ist mir nicht bekannt und sollte ggf. mit ihrem Steuerberater besprochen werden. Beste Grüße RS

Günther Frick

In Anbetracht der explodierten Lebensmittelpreise, ausfallender Ernten in der Ukraine und grüner Politik von zwangsbrachliegenden Agrarflächen: Sollte man von ESG Investitionen Abstand nehmen? Ackerflächen wären besser für Lebensmittel als Biosprit verwendet, die Subventionen für EEs besser für Unterstützung der besonders von der Inflation getroffenen Menschen, etc. Vielen Dank.

Roman Stüve

Hallo Herr Frick, in der Tat haben Sie einige Herausforderungen für politisches und wirtschaftliches Handeln im Klimawandel bzw. bei der Energiewende angesprochen. Ich würde Ihnen weiterhin zu der Berücksichtigung von ESG-Faktoren in der Vermögensanlage raten! Diese umfassen ein deutlich breiteres thematisches Spektrum und favorisieren (am Kapitalmarkt) ressourceneffiziente Geschäftsmodelle. In der Regel bietet dieser Ansatz bei der Vermögensanlage einen Performanceaufschlag! Beste Grüße RS

Peter

Hallo, Der Ukrainekrieg, Corona und ein weltweiter Rohstoffmangel. Die Lage scheint sehr instabil im Moment, dazu kommt eine hohe Inflation und überbewertete Märkte, an denen die Unternehmen fleißig ihre Aktien zurückkaufen. Mir ist bewusst, dass derzeit soviel Geld am Markt ist und die Rallye fleißig weiter getrieben wird. Je höher Ikarus Flug desto größer der mögliche Fall. Die Märkte agieren in Zyklen, die irgendwann enden, wie bewerten sie dieses unnatürliche Wachstum und wie wahrscheinlich sehen sie das Ende des schon sehr langen Bullenmarktes?

Tobias Böhm

Guten Morgen Peter, einen sehr langen Bullenmarkt kann ich nicht erkennen. Wenngleich Sie selbstverständlich Recht haben, dass sich Volkswirtschaften in Zyklen entwickeln, so gehört zu dieser Wahrheit ja eben auch, dass durch tägliche Wertschöpfung in den Unternehmen (die Produktion von Waren und Dienstleistungen) kapitalisierbare Werte geschaffen werden, die die Börsenkurse der jeweiligen Unternehmen stetig in einer Wellenbewegung steigen lassen. Die russische Aggression in der Ukraine, die Corona-Pandemie und die aus beiden Szenarien resultierenden gestörten Lieferketten weltweit bedeuten ständig das Risiko, dass es zu neuen Korrekturen an den Wertpapierbörsen kommen kann. Hierbei betone hier aber ganz bewusst das Wort "Korrektur" und nutze keine Vokabel wie "Zusammenbruch" oder dergleichen. Selbst in der schlimmsten Zeit der letzten 100 Jahre, dem zweiten Weltkrieg, notierten die Wertpapierbörsen am Ende des Krieges höher als zu Kriegsbeginn. Wer im S&P 500 zu Kriegsbeginn investiert hat, wies zu Kriegsende 1945 bereits eine positive Rendite auf. Wer 1942 kaufte, mitten im Krieg, erzielte bis 1945 eine Rendite von jährlich 19%. Wir wissen, dass Wertpapierbörsen die Zukunft handeln. Wir wissen ebenfalls auch, dass die besten Handelstage in Zeiten geschehen, in denen große Kursrutsche stattfanden. Daher ist es für die individuelle Anlageentscheidung immer wichtig, ein paar grundsätzliche Regeln zu beachten: - niemals Geld anlegen, dass nicht mindestens (und dabei ist das absolute minimum gemeint) 36 Monate nicht ausgegeben werden muss - besser Anlagehorizonte von 60 oder mehr Monaten anstreben - weltweit gestreut investieren, keine Klumpen in Regionen bilden - eine Diversifikation in verschiedenen Branchen beachten - eine Diversifikation in verschiedenen Assetklassen (Aktien, Renten, Rohstoffe, Cash) im Blick behalten - die Strategie steht über allem, weshalb Kursabschläge (auch gegen die Natur der menschlichen Psyche) ausgesessen und durchgehalten werden sollten Wie Sie die einzelnen Assetklassen nachher zusammenstellen, können Sie nach einer Anlageberatung in Ihrem Bankhaus festlegen. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen Sie hierbei sehr gern. Im Beratungsgespräch wird Ihnen sicher auch erörtert, wie Sie schwierige Marktphasen nicht nur aussitzen, sondern für sich ausnutzen können. Nämlich indem Sie in Raten kaufen, oder einen Sparplan nutzen. Freundliche Grüße aus Berlin sendet Tobias Böhm

Bernhard

Guten Morgen, oft heißt es, dass in Krisenzeiten der richtige Moment ist zu investieren. Denken sie gerade sei ein guter Zeitpunkt oder könnten die globalen Geschehnisse die Märkte weiter runterziehen?

Roman Stüve

Guten Morgen Bernhard, in Phasen der Unsicherheit oder Krisen sind die Risikoprämien in der Tat meistens interessant, d.h. die Kurse korrigieren und bieten langfristig orientierten Investoren gute Einstiegschancen. Aktuell steht sicherlich die weitere Entwicklung im Ukraine-Krieg und die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone im Fokus. Insbesondere die unsichere Entwicklung bei der Energieversorgung Europas hat Rezessionspotential und ist eine Gefahr für die Aktienmärkte. Allerdings sind nicht alle globalen Märkte gleich betroffen, so das eine Risikostreuung über die großen Indizes stets empfehlenswert ist. Zudem lässt sich der Timing-Aspekt über ratierliche Einstiege reduzieren - z.B. über die Nutzung eines Sparplans. Beste Grüße und viel Erfolg RS

Magalu

Guten Morgen. Wie kann ich 62 Jahre 20000€anlegen um die Inflation zu entgehen.vielen Dank. Schönen sontag

Roman Stüve

Guten Morgen Magalu, den besten Inflationsschutz bietet die Anlage in Realen Werten. Hierunter versteht man in erster Linie die mittel- bis langfristige Anlage in Aktien, Immobilien und Gold. Auch inflationsgeschützte Anleihen - d.h. mit steigender Inflation passen sich die Zinsen automatisch an - können helfen. Die Mischung bestimmt sich aus ihrer Risikobereitschaft. Im Hinblick auf die Anlagesumme empfiehlt sich für eine breite Streuung die Auswahl von Investmentfonds - entweder Indexorientiert als ETF oder über einen aktiven Fondsmanager. Am Markt werden sie auch Investmentmöglichkeiten finden, die eine solche Kombination in einem Wertpapier kombinieren. Bei der individuellen Auswahl ist Ihnen sicherlich ihr Berater behilflich. Beste Grüße RS

Stefan K.

Die russische Zentralbank kauft laut meinen Informationen ab sofort von den Banken des Landes Gold zum Festpreis. Ist das ein Anzeichen, dass die russische Zentralbank den Goldstandard einführen wird.

Thomas Schlüter

Das halte ich nicht für wahrscheinlich. Die russische Notenbank ist sanktioniert, so dass sie von den wichtigsten Goldhandelsplätzen ausgeschlossen ist. Russland braucht zudem Rubel, um den Angriffskrieg zu finanzieren, Eine Art Goldstandard würde die Geldpolitik in dieser Hinsicht einschränken.

Jungemann

Eine Frage: Was passiert langfristig mit den eingefrorenen „Russland-ETFs“. Danke für eine Antwort…

Bastian Erle

Hallo Jungmann, eine Prognose, was genau mit den ETFs passieren wird, ist heute schwierig. Aus meiner Sicht hängt hier viel vom weiteren Kriegsverlauf und eventuell folgenden Sanktionen ab. Aktuell sind die Papiere vom Handel an nicht russischen Börsen ausgesetzt. Ab dem Moment, wo sie wieder gehandelt werden, erfolgt eine Neubewertung. Hier bleibt abzuwarten, wie hoch die Abschläge sind.

hardyschmitz

Wird es angesichts des großen Finanzbedarfs des Bundes in Kürze wieder die Möglichkeit geben, dass ein normaler Bürger wie früher den Bund z.B. über https://www.deutsche-finanzagentur.de/ Geld leihen kann z.B. für einen (positiven) Zinssatz in der Grüßenordnung 1%?

Tobias Böhm

Schönen Guten Morgen Herr Schmitz aus Berlin, ich halte es momentan bestenfalls für sehr lange Laufzeiten für wahrscheinlich, dass der Bund Kupons in Richtung 1% zahlen wird. Kurz- oder mittelfristige Anleihen sind auch zu 0% momentan noch zu stark nachgefragt. Und selbst wenn es doch eine 1%-Anleihe geben sollte, würde dieses eine Prozent ja noch immer eine negative reale Rendite bedeuten. Bedeutet: Selbst wenn die Zinskupons des Bundes steigen sollten, lässt sich real damit noch eine ganze Weile lang kein Geld verdienen. Viele Grüße und Ihnen einen schönen Sonntag Tobias Böhm

MIchael

Guten Morgen, wir möchten ein Mehrfamilienhaus finanzieren, KFW Antrag mit KFW 40 Standard, wurde noch pünktlich eingereicht. Ein Darlehen von 1,8 Mio wird benötigt. 400.000€ für Grundstückskauf wurden scho über ein variables Darlehen mit 1.3% Zins finanziert. Die Restfinanzierung stockt aufgrund keiner KFW Aussage. Wie sollen wir uns hier verhalten? Sicherheiten vorhanden. Mit freundlichen Grüßen Michael

Thomas Schlüter

Guten Morgen, das Bundeswirtschaftsministerium hat angekündigt ab dem 20. April die Förderung für Neubauten nach dem EH40-Standard wieder aufzunehmen. Es gelten dann aber geänderte Fördersätze und Bedingungen. Alle bis zum Förderstopp am 24. Januar bei der KfW gestellten Anträge sollten nach Aussagen des Ministeriums noch nach den alten Kriterien bearbeitet werden.

Experte

Tobias Böhm

für den Bankenverband 

Bastian Erle

für den Bankenverband 

Thomas Schlüter

für den Bankenverband

Roman Stüve

für den Bankenverband

Hinweise zum Finanzchat

Der Bankenverband erbringt im Rahmen dieser Aktion keine Anlageberatung. Er äußert sich daher auch in keiner Weise zu einzelnen Finanzinstrumenten. Bitte sprechen Sie hierfür die Anlageberater Ihrer Hausbank an. Außerdem möchten wir Sie auf die rechtlichen Bedingungen zu unserem Finanzchat hinweisen. Damit der Austausch sachlich und angenehm bleibt, bitten wir Sie zudem, die Spielregeln des Bankenverbands zu beachten.

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