Abgeltungssteuer und Vermögenswirksame Leistungen

Wer mit Geld Geld verdient (Zinsen, Dividenden) muss es versteuern. Allerdings erst bei größeren Erträgen. Andererseits unterstützt der Staat das Sparen auch – ebenso wie viele Arbeitgeber, die Vermögenswirksame Leistungen bezahlen.

Basiswissen Abgeltungsteuer und vermögenswirksame Leistungen

Bei Finanzentscheidungen sollten Sparer und Anleger auch steuerliche Aspekte berücksichtigen. Seit Anfang 2009 gibt es mit Einführung der Abgeltungsteuer nur noch einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent für alle Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne). Banken und Sparkassen ziehen die anfallende Steuer gleich bei der Gutschrift der Erträge ab. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent sowie gegebenenfalls die Kirchensteuer, sodass die endgültige Belastung bei 28 Prozent bis 29 Prozent liegen kann. Die Abgeltungsteuer fällt jedoch nur an, wenn der Sparer-Pauschbetrag in Höhe von insgesamt 801 Euro pro Person und Jahr überschritten wird. 


Freistellungsauftrag

Mit einem Freistellungsauftrag können Sparer ihre Bank beauftragen, dass ihnen Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrages von 801 Euro jährlich ohne Abzug der Abgeltungsteuer gutgeschrieben werden. Für zusammenveranlagte Ehepaare gilt das Doppelte. Seit 2010 können Eheleute zudem wählen, ob sie einen gemeinsamen Freistellungsauftrag bis zur Höhe des gemeinsamen Sparer-Pauschbetrages von 1.602 Euro oder Einzel-Freistellungsaufträge bis zu jeweils 801 Euro erteilen möchten. Einzel-Freistellungsaufträge gelten allerdings nicht für Gemeinschaftskonten und -depots. Sie kommen vor allem in Betracht, wenn Ehegatten getrennt steuerlich veranlagt werden.

Freistellungsaufträge können jederzeit geändert oder neu gestellt werden. Sinnvoll ist es, jeweils vor Jahresende zu prüfen, ob die frei gestellten Beträge auf Konten und Depots weiterhin optimal aufgeteilt sind. Denn wer mehrere Bankverbindungen hat, kann auch mehrere Aufträge erteilen. Dabei ist darauf zu achten, dass insgesamt 801 Euro pro Person nicht überschritten werden.
 

Nichtveranlagungsbescheinigung

Wer auf Grund seiner geringen Einkünfte (Grundfreibetrag 8.130 Euro im Jahr plus Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 Euro) keine Einkommensteuer zahlt, unterliegt nicht der Abgeltungsteuer und kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV) beim Finanzamt beantragen. Liegt der Bank eine solche NV-Bescheinigung vor, kann sie Zinsen und andere Kapitalerträge in voller Höhe ohne Steuerabzug auszahlen – eben auch dann, wenn der Sparer-Pauschbetrag bereits überschritten ist. 

Anträge zur Ausstellung einer NV-Bescheinigung gibt es als Vordruck beim zuständigen Finanzamt. Der Antrag ist leicht auszufüllen: Für das Antragsjahr sind lediglich Angaben zum voraussichtlich zu versteuernden Einkommen zu machen. Das Finanzamt stellt eine NV-Bescheinigung jedem aus, der voraussichtlich keine Einkommensteuer zahlen muss. Diese Freistellung ist in der Regel drei Jahre gültig.
 

Steuern sparen mit Kindern

Steuern sparen kann man auch mit Kindern: Ihnen stehen genauso wie den Eltern jährliche Freibeträge bei der Einkommensbesteuerung zu. Auf Grund dieser Freibeträge sind für Kinder Zinsen und andere Einnahmen aus Kapitalvermögen derzeit bis zur Höhe von 8.967 Euro im Jahr steuerfrei, sofern sie nicht noch andere Einkünfte beziehen (Euro):

Grundfreibetrag  8.130     
Sparer-Pauschbetrag  801     
Sonderausgaben-Pauschbetrag 36     
Insgesamt steuerfrei (pro Kind) 8.967     

Die Schenkung von Kapitalvermögen an Kinder ist bis zu einer Summe in Höhe von 400.000 Euro schenkungsteuerfrei. Dieser Betrag gilt pro Kind und kann jeweils nach Ablauf von zehn Jahren erneut in Anspruch genommen werden. Eine Vermögensübertragung innerhalb der Familie wird aber nur anerkannt, wenn sie den bürgerlich-rechtlichen Vorschriften entspricht. Das heißt, Eltern können nicht mehr ohne weiteres auf Kapital und Zinsen für eigene Zwecke zurückgreifen, sobald sie ein Konto oder Depot auf den Namen eines Kindes einrichten. Ansonsten werden ihnen die Zinsen selbst zugerechnet.

Zu beachten ist auch, dass der Nachwuchs mit hohen Kapitaleinkünften eigene Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung zahlen muss. Auch für andere Fördermaßnahmen wie zum Beispiel BAföG müssen bestimmte Einkommens- und Vermögensgrenzen berücksichtigt werden.
 

Vermögenswirksame Leistungen

Für Berufsanfänger sind vermögenswirksame Leistungen (VL) des Arbeitgebers eine gute Möglichkeit für die erste Vermögensbildung. Vom VL-Sparen spricht man, wenn Arbeitnehmer Teile ihres Lohnes oder tarifvertragliche Leistungen nach dem Vermögensbildungsgesetz anlegen. Dies ist auch für Teilzeitkräfte möglich, die von ihrem Arbeitgeber anteilig VL-Leistungen bekommen. Sogar Studierende können profitieren – vorausgesetzt, sie jobben neben der Uni und ihr Arbeitgeber zahlt VL. Nicht jeder bekommt allerdings die VL in voller Höhe von seinem Arbeitgeber (40 Euro pro Monat). Wie hoch die monatliche VL-Überweisung ausfällt, hängt vom Tarifvertrag der Branche ab, in der der Anleger beschäftigt ist.
 

Arbeitnehmer-Sparzulage

Aber auch, wenn der Chef nichts dazugibt, kann man einen VL-Vertrag abschließen und veranlassen, dass der Arbeitgeber – in dem Fall aus dem eigenen Gehalt – in diesen direkt einzahlt (Einzahlung durch Arbeitgeber ist Grundprinzip bei VL). Denn dann legt unter Umständen der Staat mit der Arbeitnehmer-Sparzulage noch etwas obendrauf. Um die Arbeitnehmer-Sparzulage zu bekommen, muss der Sparer allerdings folgende Voraussetzungen erfüllen: Das Einkommen darf bestimmte Grenzen nicht überschreiten (17.900 Euro für Ledige/35.800 Euro für Verheiratete, bzw. 20.000 Euro/40.000 Euro, wenn in Aktienfonds angelegt wird). Und der Anleger muss einen Bausparvertrag oder einen VL-Sparvertrag zum Erwerb von Aktienfonds abschließen. Zudem gilt für die Sparbeträge eine gesetzliche Sperrfrist von sieben Jahren.

Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten VL-Bausparer vom Staat jährlich eine Förderung von neun Prozent für ihre Einzahlungen von 470 Euro, also bis zu 42 Euro. Alternativ oder auch zusätzlich können VL-Sparer einen Fondssparplan abschließen und bekommen 20 Prozent auf Spareinlagen von maximal 400 Euro, also bis zu 80 Euro im Jahr.

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