Digitaler Euro

Kommt der digitale Euro?

Digitalisierung

16.08.2021

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt die Arbeit am digitalen Euro weiter voran. Nachdem die Währungshüter im vergangenen Oktober einen ersten Bericht veröffentlicht hatten und anschließend eine öffentliche Konsultation starteten, ist nun die nächste Stufe gezündet worden. Mitte Juli hat sich der EZB-Rat darauf geeinigt, eine zweijährige „Untersuchungsphase“ zu starten, innerhalb derer man Schlüsselfragen bezüglich Design und Verteilung eines digitalen Euro klären wolle. Daran anschließen könnte sich eine dreijährige Entwicklungsphase, sodass der Digital-Euro bestenfalls schon in wenig mehr als fünf Jahren reale Gestalt annimmt. Entschieden sei diesbezüglich aber noch nichts, betonte die EZB. Ob der digitale Euro am Ende tatsächlich eingeführt werde, stehe heute noch nicht fest. 

In welcher Form?

Ein digitaler Euro? Was genau kann man sich darunter vorstellen? Digitale Bezahlverfahren gibt es heute bereits in verschiedener Form; digitales Bargeld – und ein solches wäre der digitale Euro – allerdings noch nicht. Bislang kennen wir Bargeld als Münzen und Scheine, künftig könnte es hierzu also ein digitales Äquivalent geben, in elektronischer Form auf einem Datenträger. Im Prinzip sind zwei Varianten eines digitalen Euro möglich. Die eine ist ein digitaler Euro für Endnutzer, mit dem die Bürgerinnen und Bürger zum Beispiel in Läden bezahlen können. Sie hätten dann eine elektronische Geldbörse (Wallet) auf dem Smartphone, mit der sie zum Beispiel an der Supermarktkasse zahlen. Die andere Variante ist eine sogenannte Wholesale-Lösung, wo es um Anwendungen für spezielle Akteure wie die Finanzwirtschaft oder die Industrie geht. Bislang deutet sich an, dass die EZB den digitalen Euro zunächst nur für Endnutzer umsetzen will. 

Motive für den digitalen Europa

Dass sich derzeit nicht nur die europäischen Währungshüter, sondern knapp 90 Prozent aller Notenbanken mit dem Thema „digitales Zentralbankgeld“ beschäftigen, hat Gründe. Vor gut zwei Jahren hatte Facebook die Währungsbehörden mit dem Plan aufgeschreckt, eine eigene Währung namens Libra (inzwischen in „Diem“ umbenannt) zu etablieren. Da Milliarden Menschen bei Facebook angemeldet sind, hätte die neue Währung theoretisch über Nacht zu einer globalen Parallelwährung werden können, genutzt von Menschen auf der ganzen Welt. Politiker, Aufseher und Notenbanken fürchteten Risiken für die Finanzstabilität, sorgten sich aber auch um das staatliche Geldmonopol. Facebook musste seine Pläne daher erst einmal aufschieben, will aber noch in diesem Jahr mit seiner digitalen Währung an den Start gehen – wenn auch mit einem etwas weniger ambitionierten Konzept. Auch die vielen (privaten) Kryptowährungen, die es derzeit gibt, bereiten den Währungshütern Sorge.

Die EZB reagiert aber auch auf die Pläne anderer Staaten, namentlich Chinas, dessen Zentralbank ein Vorreiter beim Thema „digitales Zentralbankgeld“ ist und bereits seit einigen Monaten den E-Yuan testet. Entscheidend hierbei: Wer zuerst eine digitale Währung ausrollt, setzt Standards. Zieht die EU hier nicht mit, könnte sie im schlimmsten Fall von Zahlungssystemen abhängig werden, die in der Hand anderer Länder oder sogar von Privatunternehmen liegen. 

Nutzen/Vorteile eines digitalen Euro

Ein digitaler Euro wird nur dann erfolgreich sein, wenn er auch einen Nutzen stiftet. Wo also liegen die Vorteile gegenüber anderen digitalen Bezahlverfahren? Ein digitaler Euro für Endnutzer würde dazu führen, dass jeder Bürger auch in digitaler Form Zugang zu Zentralbankgeld bekäme, und damit zu dem einzig hundertprozentig ausfallsicheren Zahlungsmittel. Bislang halten Bürger Zentralbankgeld nur in Form von Bargeld, dessen Nutzung in Europa jedoch zurückgeht. Der digitale Euro wäre hier eine Alternative. 

Je nach Ausgestaltung kann er außerdem eine staatliche Alternative zu privaten Zahlungsmethoden bieten. Mit dem digitalen Euro könnten Privatpersonen ihre Zahlungen im weiter wachsenden Online-Handel abwickeln, ohne ihre Daten mit dritten Anbietern zu teilen und ohne Abstriche bei Stabilität, Sicherheit und Vertrauen machen zu müssen. Um attraktiv zu sein, soll die neue digitale Währung für die Verbraucher eine ganze Bandbreite an Vorteilen liefern, u.a. datensparsamer als das normale Girokonto sein und kostenlose Transaktionen in Echtzeit bieten. Gerade kleine Zahlungen im Internet sollen mit dem digitalen Euro günstiger werden als bislang.

Erste konkrete Überlegungen

Obgleich die neue Projektphase „ergebnisoffen“ sein soll, wie es aus der EZB heißt, zeichnen sich schon erste Weichenstellungen ab, wie der digitale Euro konkret aussehen wird: Die Bürgerinnen und Bürger sollen voraussichtlich von den Banken digitale Brieftaschen oder Apps bekommen, sogenannte „Wallets“, auf denen sie digitale Euro speichern können. Über die Details hat die Notenbank noch nicht entschieden, unwahrscheinlich scheint derzeit aber, dass der digitale Euro auf der Blockchain-Technologie basieren wird. Vielmehr dürfte er eher kontenbasiert sein und auf dem bestehenden Echtzeit-Überweisungssystem TIPS aufbauen. Das, so Experten, würde die Kontrollmöglichkeiten der EZB erhöhen, aber auch die Einsatzoptionen etwa bei der Nutzung in der Industrie verringern. 

Theoretisch wäre denkbar, dass jeder Bürger ein Konto bei der EZB eröffnet. Die Notenbank hat aber bereits durchblicken lassen, dass sie das ablehnt. Die Wallets würden wahrscheinlich von den Geschäftsbanken oder anderen Finanzdienstleistern in Verbindung mit einem konventionellen Konto angeboten. Damit aber gerade in Ländern mit schwachen Bankensystemen nicht alle Leute ihr Geld bei der Bank abheben und in digitale Euro tauschen, soll es wohl Obergrenzen dafür geben, wie viele Digitaleuro jeder in seiner Wallet halten darf, im Gespräch sind 3000 Euro. Übersteigen die Beträge auf den Wallets diese Grenze, würde automatisch auf das konventionelle Konto bei der Geschäftsbank umgebucht. 

Anonymität gesichert?

Laut der Ende letzten Jahres durchgeführten Konsultation von Bürgern und Verbänden, an der sich 8000 Bürgerinnen und Bürger beteiligten, davon 47 Prozent aus Deutschland, ist für die Menschen im Euro-Raum Datenschutz das wichtigste Thema bei einem künftigen digitalen Euro. Die Menschen machten sich Sorgen, ob mit dem digitalen Euro alle Geldbewegungen amtlicherseits nachvollzogen werden könnten. Die EZB hat daraufhin erklärt, dass sie diesen Wunsch nach Datenschutz berücksichtigen wolle. Man gehe davon aus, dass ein digitaler Euro den Datenschutz verbessern würde, weil die EZB als öffentliche Institution kein Interesse daran hätte, Zahlungsdaten der Nutzer zu monetarisieren oder zu sammeln. 

Einen vollkommen anonymen digitalen Euro – dies drang bislang aus der EZB nach außen – werde es allerdings nicht geben. Die Notenbank will und muss schließlich verhindern, dass die neue Digitalwährung verstärkt für Geldwäsche und illegale Geschäfte genutzt wird. Dementsprechend muss die EZB wissen, wer genau ein Konto für digitale Euros hat. Für möglich gehalten werden deswegen unterschiedliche Stufen von Datenschutz, je nach Höhe der Zahlungen. Denkbar wäre, dass es zum Beispiel Schwellenwerte geben könnte, bis zu denen anonyme Zahlungen möglich sind.

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