19. März 2015

Aufschwung in Deutschland, doch längerfristige Wachstumsaussichten bleiben schwach

„Die Perspektiven für die Konjunktur im Euro-Raum und in Deutschland haben sich in den letzten Monaten wieder etwas aufgehellt“, erklärt Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes, mit Blick auf die aktuelle Konjunkturprognose des Bankenverbandes für 2015 und 2016. Die Chefvolkswirte der privaten Banken seien deutlich zuversichtlicher als noch im vergangenen Herbst. „Doch ähnlich wie wir vor einem halben Jahr vor überzogenem Pessimismus gewarnt haben, halten wir jetzt auch einen zu großen Optimismus für fehl am Platz“, betont Massenberg.

Konjunktur

Die Konjunktur im Euro-Raum werde sich jedenfalls nur langsam beschleunigen. „Nach wie vor verhindern strukturelle Wirtschaftsprobleme in vielen Euro-Staaten ein kräftiges Durchstarten.“ Hinzu komme die sich wieder zuspitzende Lage in Griechenland. Es wäre wünschenswert, die neue Regierung würde die Energie, die sie für irritierende Wortgefechte aufwende, einsetzen, um die binnenwirtschaftlichen Probleme anzugehen. Durch einen Schuldenschnitt würde das Land jedenfalls nicht wettbewerbsfähiger. Im Gegenteil: Ohne konsequente Reformen wäre man schnell wieder da, wo man heute stehe. Massenberg: „Bei den grundlegenden Wirtschaftsreformen ist in Griechenland in den vergangenen Jahren viel zu wenig passiert. Bei einem wirklichen Neustart könnte die neue Regierung daher auf eine breite Unterstützung der EU-Kommission, des IWF und der übrigen Euro-Staaten bauen.“ Unabdingbare Voraussetzung dafür sei jedoch die eindeutige Bereitschaft Griechenlands, die grundlegenden Probleme anzugehen und nicht immer wieder Ursachen und Folgen der Misere zu verdrehen.

In Deutschland erwarten die privaten Banken, dass sich die Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren recht solide entwickeln werde. Massenberg: „Gemessen am längerfristigen Wachstumstrend, den der Sachverständigenrat auf rund 1 % veranschlagt, haben wir hierzulande sogar zwei veritable Aufschwungsjahre mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils 1,8 % vor uns.“ Aber es sei zu befürchten, dass sich die Ausrüstungsinvestitionen weiterhin nur recht moderat entwickeln würden. „Zudem muss das schwache Trendwachstum als Alarmsignal gesehen werden. Leider tritt Deutschland seit Jahren auf der Stelle, wenn es um eine Wirtschaftspolitik geht, die das das Wachstumspotenzial nennenswert steigert", so Massenberg.

Die aktuelle Konjunkturprognose 2015/2016 ist online abrufbar unter: www.bankenverband.de. Sie wird alle sechs Monate durchgeführt und beruht auf einer Umfrage unter den 13 Chefvolkswirten von privaten Banken, die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik sind. 

Mitglieder sind:
Carsten Klude, Chefvolkswirt, M.M.Warburg & CO KGaA, Hamburg, Ausschussvorsitzender.
Dr. Marco Bargel, Chefinvestmentstratege, Deutsche Postbank AG, Bonn.
Dr. Elga Bartsch, Chefvolkswirtin Europa, Morgan Stanley UK Group, London.
Dr. Jan Bottermann, Chefvolkswirt, NATIONAL-BANK AG, Essen.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt, ING-DiBa AG, Frankfurt am Main.
Dr. Kurt Demmer, Chefvolkswirt, IKB Deutsche Industriebank AG, Düsseldorf.
Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG, Frankfurt am Main.
Dr. Martin Moryson, Chefvolkwirt, Sal. Oppenheim jr. & Cie, AG & Co., KGaA, Köln.
Dr. Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland, UniCredit Bank AG, Frankfurt am Main.
Stefan Schilbe, Chefvolkswirt, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf.
Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG, London.
Stefan Schneider, Chief International Economist, Deutsche Bank Gruppe, Frankfurt am Main.
Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt Deutschland, Goldman, Sachs & Co. oHG, Frankfurt am Main.


Geschäftsführung:
Dr. Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Bankenverband, Berlin.
Dr. Gabriele Fuchs, Bereichsleiterin Wirtschaftspolitik und internationale Beziehungen, Bankenverband, Berlin.
 

Pressekontakt
Dr. Kerstin Altendorf
Pressesprecherin
Telefon: +49 30 1663-1250
kerstin.altendorf@bdb.de 

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