Finanzchat zu Geldanlage und Vermögen

Experte: Marian Zitterbart
Partner: Stuttgarter Nachrichten / Stuttgarter Zeitung
Chat-Zeitraum: Mittwoch, 22. Mai 2019 von 10 bis 12 Uhr

Mebe

Hallo Herr Zitterbart, meine Fragen sind: Ist ein Online-Depot, z.B. bei Cortal Consors, sicher . was die Datensicherheit angeht? Kann von staatlicher Stelle, z.B. bei Staatsfinanzkrisen auf das Aktiendepot zugegriffen werden? Ggf. die Aktien konfisziert werden? Raten Sie zur Goldanlage? Welche? Barren, Münzen? Irgendwelche Zertifikate? Wie hoch sollte der Goldanteil am Gesamtvermögen(incl. Immobilien)sein ? Wie würden Sie 100.000€ anlegen mit mittlerer Risikobereitschaft? Danke

Marian Zitterbart

Hallo Mebe, vielen Dank für Ihre Fragen. Prinzipiell herrschen bei Banken die höchsten Sicherheitsstandards, insbesondere was das Thema Datensicherheit angeht. Auch die neuen Zahlungsverkehrsrichtlinien verschärfen nochmals diese Thematik. Online sind meist verschiedene uabhängige Sicherheitsmechanismen eingebaut - z.B. durch Benutzername, Passwort und eine TAN-Nummer. Eine Enteignung der Aktienbesitzer ist höchst unrealistisch und sehr weit hergeholt. Bei Löchern im Staatshaushalt greifen andere Mechnismen. Selbst eine Steuererhöhung wird meist nur in Notfällen in Betracht gezogen. Aber auch z.B. bei steigender Inflation gelten Aktien als Substanzwerte. Gelder, die in Sichteinlagen geparkt sind, werden dann massiv entwertet. Eine Goldanlage kann individuell Sinn machen. Bei einer physischen Anlage in Form von Barren oder Münzen sind vor allem die Verwahrungskosten mit einzubeziehen. Den Goldpreis indirekt über z.B. Zertifikate abzubilden spart die Verwahrkosten. Viele Banken bieten auch hier kostenfreie Depots bei bestimmten Voraussetzungen an. Der Goldanteil sollte 5-10 Prozent am Gesamtvermögen betragen. Beachten Sie, dass der Goldpreis auch bereits erhebliche Schwankungen hinter sich hat. In konjunkturellen Krisen ist oft zu beobachten, dass mehr Geld in Gold fließt und somit der Preis steigt. Gleichzeitig nimmt der Goldpreis jedoch meist in besseren konjunkturellen Phasen ab. Ein ausgeglichenes Portfolio mit verschiedenen Anlageklassen kann hier empfehlenswert sein (Aktien-, Renten-, Immobilienfonds und Goldanteil) oder auch ggf. Mischfonds, die bereits verschiedene Anlageklassen abbilden. Achten Sie auf eine unabhängige Beratung, die Sie nicht abhängig von bestimmten Fondsgesellschaften macht. Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen beantworten. Vielen Grüße Marian Zitterbart

Annemie Horlacher

Soll man in Gold investieren. Wie komme ich an ETF,die Banken können keine vermitteln

Marian Zitterbart

Guten Tag Frau Horlacher, vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich können Sie ETF's über die Börse kaufen. Sie benötigen hierfür lediglich ein Depot und die entsprechende Wertpapierkennnummer. Sie haben Recht, dass nicht alle Banken ETF's aktiv empfehlen, jedoch können Sie auf Wunsch einen bestimmten ETF jederzeit ordern. Ich hoffe ich konnte Sie mit meiner Antwort unterstützen. VIele Grüße Marian Zitterbart

Wolfgang Staiger

ETFs Sehr geehrter Herr Zitterbart, Stiftung Warentest hat in ihrem Sonderheft vom November 2018 ETFs bewertet. 1. Sind diese Einschätzungen verlässlich? 2. Angenommen, es stünden 100.000 € zur Verfügung. Wieviel könnte man, sollte man davon in ETFs investieren? Freundliche Grüße Wolfgang Staiger

Marian Zitterbart

Sehr geehrter Herr Staiger, vielen Dank für Ihre Fragen. Grundsätzlich gibt es synthetische und physische ETF's. Empfehlenswert sind hier die physischen ETF's, da hier die jeweiligen Einzeltitel tatsächlich hinterlegt sind und sind synthetisch durch SWAP-Geschäfte repliziert sind. In weltweiten ETF's (z.B. MSCI World) sind oftmals ca. 1.600 Einzeltitel weltweit hinterlegt, so dass hier auch eine große Streuung besteht. Allerdings hat auch das letzte Jahr gezeigt, dass Schwankungen von 20 Prozent kurzfristig vorkommen können. Auch deshalb empfiehlt sich hier ein langfristiger Anlagehorizont. Wenn Sie die Wertpapierkennnummern (WKN) der empfohlenen Papiere in eine Internetsuchmaschine eingeben, erhalten Sie meist detaillierte Informationen. Die Anlagesumme von 100.000 EUR sollte in Relation zu Ihrem Gesamtvermögen stehen. Wenn diese 100.000 EUR auch tatsächlich langfristig allokiert werden können, dann sollte die Summe in ETF's von Ihrer Anlagestrategie abhängig sein. Bei Renditeerwartungen über 6 Prozent sollten die ETF's überwiegend Aktien abbilden. Bei Renditevorstellungen über 10 Prozent sind reine Aktienfonds die bessere Variante. Manche Banken bieten mittlerweile auch Pauschalmodelle an, in denen sämtliche Kosten meist durch eine Jahresgebühr abhängig vom Depotvolumen abgedeckt sind. Hier können aktiv gemanagte Fonds und ETF's gegenüber gestellt werden, so dass unabhängig von Kosten Ihnen eine Empfehlung unterbreitet werden kann. Ich hoffe ich konnte mit meiner Antwort weiterhelfen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Björn Tourer

Guten Tag, was empfehlen Sie einem Empfänger einer LV-Auszahlung über 110.000 €, welcher sein Geld zur Hälfte als leicht verfügbar, zur Hälfte langfristig mit geringem Risiko anlegen will.

Marian Zitterbart

Guten Tag Herr Tourer, vielen Dank für Ihre Frage. Die verfügbare Hälfte sollte in Sichteinlagen (Tagesgeld, Sparbuch) geparkt werden. Hier werden Sie zwar kaum Zinsen bekommen, jedoch steht hier die Verfügbarkeit an erster Stelle. Für die andere Hälfte sind Sichteinlagen weniger interessant, da das aktuelle Zinsniveau selbst bei langfristigen Anlagen kaum die Inflation schlagen kann. Bei langfristigen Anlagen können zwei Bereiche infrage kommen. Der Versicherungsbereich in Form von privaten Rentenversicherungen bietet Ihnen oft Kapitalschutz und ein Zinsniveau über der Inflation. Ihnen sollte jedoch bewusst sein, dass bei einer Verfügung in den ersten Jahren ein Rückkaufswert unter Ihrer Einzahlung vorhanden ist. Bei geringem Risiko könnte auch der Wertpapierbereich im Rahmen von Fonds für Sie ein Thema sein. Prinzipiell gibt es im Fondsbereich auch im konservativen Bereich (Aktienquote von 10-30 Prozent) gute Renditechancen, die über dem Inflationsniveau liegen. Hier würde ich Ihnen einen aktiv gemanagten Mischfonds empfehlen. Fragen Sie Ihren Berater gern nach verschiedenen Alternativen von unterschiedlichen Fondsgesellschaften, damit Sie vergleichen können. Auch Fonds haben Kosten (einmaliger Ausgabeaufschlag bei Kauf i.d.R. von 2-5 Prozent und Verwaltungenskosten meist 1-2,5 Prozent pro Jahr). Bei langfristigem Anlagehorizont können Sie jedoch die Schwankungen am Wertpapierbereich besser ausgleichen und gleichzeitigen amortisieren sich die Kosten. Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Rose und Fritz Härer

Wir haben für unsere Altersversorgung in einen Fond investiert, der dann geschlossen wurde. Jetzt können wir unseren Enkeln kaum noch ein Taschengeld zustecken!

Marian Zitterbart

Guten Morgen Frau Härer, guten Morgen Herr Härer, vielen Dank für Ihre Frage. Handelt es sich bei dem Fonds evtl. um einen Immobilienfonds? Diese haben die Folgen der Finanzkrise getroffen, so dass einige aufgrund zu hoher Rückzahlungswünsche geschlossen werden mussten. Sprechen Sie mit Ihrem Berater welche Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen. Unter Abschlägen und Transaktionskosten sind die Anteile meist an den deutschen Börsen handelbar. Dies sollte allerdings nur in Notfällen gemacht werden, da Sie hier weniger als der aktuelle Kurswert ausbezahlt bekommen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Rose und Fritz Härer

Herzlichen Dank!

kieser

von der PSD Bank wurde mir ein Zertifikat der Fa. Fresenius angeboten. Laufzeit 1 Jahr zu 4% Zinsen. Der Risikopuffer beträt 25%. Mein Anlagevolumen beträgt 100 000 €. Was würden Sie mir raten. Mit freundlichen Grüßen Klaus Zimmermann

Marian Zitterbart

Guten Morgen Herr Zimmermann, vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich kann ich zu Einzeltiteln keine Aussage treffen, weshalb ich versuche Ihnen allgemein weiterzuhelfen. Im Allgemeinen unterliegen Zertifikate einem Emittentenrisiko, d.h. Sie sollten sich die Bonität des Emittenten (in Ihrem Falle Fresenius) genauer anschauen. Die besten Zinsen helfen Ihnen bei einer wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens kaum weiter. Meist sind die Zinsen höher, wenn die Bonität des Emittenten niedriger ist. Das Anlagevolumen von 100.000 EUR sollte in Relation zu Ihrem Gesamtvermögen stehen. Zertifikate sollten generell nur zur Beimischung gewählt werden. Ich hoffe ich konnte Ihnen hiermit etwas weiterhelfen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Herr L

Hallo Herr Zitterbart, in welchen Anteilen würden Sie angespartes Geld in unterschiedliche Anlageformen (Fonds, Gold, Immobilien, Festgeld etc.) anlegen. Vielen Dank.

Marian Zitterbart

Guten Morgen Herr L., vielen Dank für Ihre Frage. Dies kommt sehr stark auf Ihre Anlagestrategie an. Je sicherheitsorientierter Sie sind, desto höher sollte der Anteil an Immobilien und Festgeldern gewählt werden. Gelder, die Sie kurzfristig benötigen, sollten als "Notgroschen" auf dem Tagesgeld oder Sparbuch bleiben. Grundsätzlich sind hier drei Monatsgehälter empfehlenswert. Die Anlageklasse Gold eignet sich zur Beimischung - hier sind ca. 5-10 Prozent je nach Anlagestrategie empfehlenswert. Um jedoch für Ihr Gesamtportfolio die Inflation schlagen zu können ist eine Investition in Aktien über Fonds unvermeidbar. Jedoch gibt es hier auch deutliche Unterschiede (defensive Mischfonds mit z.B. 30 Prozent Aktienquote bis hin zu reinen Aktienfonds). Sprechen Sie Ihren Vermögensberater auch auf ETF's an - dies sind passive Indexfonds, die aufgrund Ihrer sehr niedrigen Kostenstruktur teilweise bessere Renditen als aktiv gemanagte Fonds aufweisen. Einige Banken vergleichen hier je aktiv gemanagte Fonds mit ETF's und können Ihnen jeweils die bessere Variante empfehlen. Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Herr H.

Wie lege ich 100.000 EUR aus einer Lebensversicherung an?

Marian Zitterbart

Guten Morgen Herr H., vielen Dank für Ihre Frage. Zuerst sollten Sie etwaige Darlehen tilgen, da hier oftmals die Zinsen über den Sparzinsen liegen. Machen Sie sich Gedanken welche Gelder Sie die nächsten drei Jahre benötigen. Für diesen Betrag sind aufgrund der kurzen Anlagedauer lediglich Bankeinlagen (Tagesgeld, Sparbuch) empfehlenswert. Alle Gelder, die planmäßig in den ersten drei Jahren nicht benötigt werden, können zur Disposition gestellt werden. Je kürzer die Anlagedauer, desto geringer sollte das Risiko sein. Schwankungen z.B. im Wertpapierbereich können über mehrere Jahre besser ausgeglichen werden. Gleichzeitig können bei vielen Geldanlagen im Wertpapierbereich (Ausgabeaufschläge bei Fonds) oder im Versicherungsbereich (Abschluss- und Verwaltungskosten) die Kosten kurzfristig nicht aufgeholt werden. Erstellen Sie mit Ihrem Vermögensberater eine Anlagestrategie. Aus dieser ergibt sich, ob evtl. Wertpapiere für Sie geeignet wären. Sollten Kursschwankungen für Sie zugunsten einer höheren Rendite nicht infrage kommen, könnte weiterhin der Versicherungsbereich interessant sein. Lebensversicherungen eignen sich im aktuellen Zinsumfeld aufgrund des versicherten Risikos kaum mehr für reine Geldanlagen. Banken bieten in der Regel Rentenversicherungen mit einmaligen Beträgen an, die Ihnen bei langfristigem Anlagehorizont meist höhere Zinsen als bei Festgeldern bieten können. Das konservativste Ziel sollte sein, zumindest die Inflation von ca. 1,5-2 Prozent zu erwirtschaften, damit es nicht zu einer Geldentwertung kommt. Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen. Gern dürfen Sie weitere Fragen stellen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Anleger

Ist es ratsam in Gold zu investieren?

Marian Zitterbart

Einen schönen guten Morgen, vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich eignet sich Gold zur Diversifikation Ihres Portfolios. Je nach Anlagestrategie ist eine Beimischung von 5-10 Prozent empfehlenswert, da der Goldpreis oftmals historisch betrachtet eine negative Korrelation zum Aktienmarkt aufweist. Zu beachten ist jedoch, dass Gold an sich eine ähnliche Schwankungsbreite wie Aktien besitzt und somit nicht alleine als Sicherheitsbaustein dienen kann. Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen. Viele Grüße Marian Zitterbart

Experte

Marian Zitterbart

für den Bankenverband 

Hinweise zum Finanzchat

Der Bankenverband erbringt im Rahmen dieser Aktion keine Anlageberatung. Er äußert sich daher auch in keiner Weise zu einzelnen Finanzinstrumenten. Bitte sprechen Sie hierfür die Anlageberater Ihrer Hausbank an. Außerdem möchten wir Sie auf die rechtlichen Bedingungen zu unserem Finanzchat hinweisen. Damit der Austausch sachlich und angenehm bleibt, bitten wir Sie zudem, die Spielregeln des Bankenverbands zu beachten.

Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen!

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