Jugend

„Jugend braucht Wirtschaft – Wirtschaft braucht Jugend“

Mit diesem Beitrag möchte ich für das Unternehmertum begeistern. Denn leider ist das bitter nötig: In unserem Land ist die Angst, ins kalte Wasser zu springen und ein eigenes Unternehmen aufzubauen, besonders ausgeprägt. Während hierzulande auf 1.000 Erwerbstätige nur 4,4 Gründer kommen, sind es in Großbritannien 8,3 Gründer und in Israel sogar 11,6 Gründer. Dabei brauchen wir beides, die revolutionären Start-ups ebenso wie die etablierten Unternehmen, die das Rad am Laufen halten! Und in beiden Bereichen werden wir Jungen gebraucht: Wir haben das Potential, die Start-ups zu gründen und auch die anderen Unternehmen weiterzubringen. Obwohl Selbstverwirklichung noch nie so hoch im Kurs stand wie bei den Millennials und der Generation Z, kommt der Schritt in das Unternehmertum für die wenigsten in Frage. Bei den meisten 15-Jährigen stehen der Lehrerberuf oder bei den Jungs der Maschinenbau ganz oben auf der Wunschliste. Bei den Studierenden ist es nicht besser: Aktuell wünschen sich über die Hälfte einen sicheren Job im öffentlichen Dienst.  

Ich bin davon überzeugt, dass viel mehr Mädchen und Jungs Interesse an Wirtschaft haben und sich ein Leben als Selbstständige sehr gut vorstellen könnten. Immerhin gibt es keinen anderen Beruf, der einem so viel Gestaltungsfreiheit gibt. Doch woher kommt der Wunsch, lieber im sicheren Hafen vor Anker zu liegen?  Weshalb scheint eine Karriere in der freien Wirtschaft – vielleicht sogar im eigenen Unternehmen – nicht erstrebenswert? Nun kann man sich an der German Ur-Angst abarbeiten, aber es gibt meiner Meinung nach ganz praktische und lebensnahe Gründe dafür. Und genau hier möchte ich ansetzen.

Wir brauchen mehr Mut und mehr ökonomische Bildung

 „Wer Großes will, spart am besten und hält sein Geld zusammen!“, bekommen wir eingebläut, wenn wir das erste Taschengeld von unseren Eltern bekommen. Natürlich ist verantwortungsbewusster Umgang mit Geld wichtig, doch zur unternehmerischen Selbstverwirklichung gehört mehr als eisernes Sparen. Tatsächlich braucht man eine gehörige Portion Mut und dazu ein Grundverständnis wie Marktwirtschaft funktioniert. Doch genau da hapert es bei Vielen. Das ist kein Vorwurf an die Jugend. Denn woher soll man auch wissen, was in der Wirtschaft alles möglich ist, wenn man zuhause selten über die Taschengeld-Lektion hinauskommt und in der Schule kaum Wirtschaftsunterricht stattfindet?! 

Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche schon in der Schule lernen, wie  essentiell Unternehmergeist für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaft ist. Deswegen sollten Schüler individueller gefördert, zu mehr Kreativität und mutigen Entscheidungen motiviert werden. Sie sollen die Angst vor dem Scheitern verlieren und ihr Unternehmergeist gefördert werden. In einem Schulfach Wirtschaft sollen sie unternehmerische Kompetenzen erlernen und verstehen wie unsere Wirtschaft in der digitalen Welt funktioniert. Leider steht ökonomische Bildung nämlich immer noch nicht an allen Schulen und in allen Bundesländern verpflichtend auf den Stundenplänen. Einige Bundesländer, wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, sind hier schon weiter und bieten Wirtschaftsunterricht an. Allerdings kämpfen auch die fortschrittlicheren Bundesländer mit einem elementaren Problem: Es gibt nicht genug qualifizierte Fachkräfte, um grundlegende Fachkenntnisse zu vermitteln. Es bräuchte viel mehr spezifische Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Lehramtsstudierende und bereits aktive Lehrkräfte. 

Wirtschaft braucht echte Game-Changer

Es mangelt also nicht in erster Linie an Interesse, sondern vor allem am Zugang zu verlässlichem Wissen. Denn nur wer weiß, wie Wirtschaft funktioniert, wird sich aktiv in sie einbringen anstatt ängstlich am Beckenrand zu stehen. Und ohne eine gehörige Portion Mut kommt man in der Wirtschaft und im Unternehmertum nicht weit, denn jeder Tag birgt Herausforderungen, die gemeistert werden wollen. Das gilt bei weitem nicht nur für Neulinge, sondern auch für „alte Seebären“. Zu denen gehört unser Verband DIE JUNGEN UNTERNEHMER auch schon so langsam. Denn dieses Jahr feiern wir unser 70-jähriges Jubiläum. Für diesen besonderen Anlass haben wir uns sehr bewusst für das  Motto entschieden: Jung und mutig!

Denn Wirtschaft braucht mutige junge Menschen, die mit-, aber auch vormachen. Wirtschaft braucht echte Game-Changer. Ob als Azubi, Fachkraft, im eigenen Start-up oder als Nachfolger im Familienunternehmen – Wirtschaft ist kein Eliteprojekt von einigen wenigen. Wir alle haben unseren Platz darin und sind frei, ihn jederzeit zu wechseln. Wirtschaft ist das, was wir daraus machen und wir können es uns nicht leisten, auf die Ideen und Impulse einer ganzen Generation zu verzichten. Deshalb lasst uns dieses Jahr besonders mutig sein und uns ganz bewusst einbringen. Und hoffentlich steht am Ende dann die Erkenntnis: Wirtschaft und Jugend brauchen sich gegenseitig, um wirklich erfolgreich zu sein. 
 

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Ansprechpartner

Sarna Röser

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