Frankfurt-Skyline

Unternehmensfinanzierung AKTUELL

23. Februar 2022
  • Pandemieentwicklungen, Preissteigerungen und Lieferengpässe halten die konjunkturellen Entwicklungen gegenwärtig noch in Schach. Erwartet wird eine Entspannung im Jahresverlauf und erste Weichenstellungen der EZB. Geopolitische Spannungen bleiben. 
     
  • Unternehmen bekommen die Auswirkungen dieser Störfaktoren direkt zu spüren und sind weiterhin noch zurückhaltend bei Investitionen. Indikatoren wie steigende Gewerbeanmeldungen und sinkende Insolvenzen setzen gleichwohl wichtige Impulse. 
     
  • Damit Banken ihrer Rolle bei der Finanzierung des Aufschwungs und der Transformation nachkommen können, sollten pauschale makroprudenzielle Kapitalerhöhungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
     
  • Die Kreditbedingungen für Unternehmen bleiben stabil. Erwartungen seitens der Unternehmen und Banken gehen von einem baldigen Anstieg der Nachfrage nach Unternehmenskrediten aus – dies bestätigen auch aktuelle Zahlen des 4. Quartals 2021. 
     
  • Die Implikationen von Sustainable Finance sind umfangreich und in ihrer Gänze noch nicht absehbar. Neben den mit den Anforderungen verbundenen Herausforderungen bieten sich aber zahlreiche Chancen und Wettbewerbsvorteile, die es zu nutzen gilt.

Inhalt

Konjunkturelle Entwicklung in Deutschland 

Deutsche Wirtschaft noch immer im Stop-and-Go-Modus
Preisdruck bleibt auch mittelfristig erhöht 
EZB noch in der Warteposition 

Lage der Unternehmensfinanzierung

Wirtschaftlicher Ausblick augenblicklich noch eingetrübt…
…aber wichtige Determinanten verbreiten zunehmend Optimismus
Handlungsrahmen der Banken sollte in dieser Situation nicht gestutzt werden

Kreditvergabe und -bedingungen für Unternehmen

Finanzierungsbedarf deutscher Unternehmen aktuell noch überschaubar…
… in der Eurozone aber bereits ein Trendumkehr erkennbar

Zusammenspiel von Sustainable Finance und Unternehmensfinanzierung


Kurzfassung

Konjunkturelle Entwicklung in Deutschland 

Deutsche Wirtschaft noch immer im Stop-and-Go-Modus

Die deutsche Wirtschaft ist zum Jahresende 2021 erneut ins Stocken geraten. Im vierten Quartal 2021 kam es zu einem überraschend deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums (-0,7 % ggü. Vorquartal). Die Entwicklung der Pandemie und eine neue Virusvariante haben im Winterhalbjahr erneut zu sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen geführt. Hinzu kamen die weiterhin bestehenden Lieferengpässe sowie stark gestiegene Preise – insbesondere die Energiepreise haben sich im vergangenen Jahr deutlich erhöht. weiterlesen

Preisdruck bleibt auch mittelfristig erhöht 

Der prognostizierte Rückgang der Inflationsrate in Deutschland fiel im Januar 2022 deutlich geringer aus als erwartet: Mit einer Jahresrate von 4,9 % ist der Preisauftrieb weiterhin sehr kräftig. Das ist vor allem auf den nach wie vor kräftigen Anstieg der Energiepreise zurückzuführen. Im Euroraum kam es zu Beginn des Jahres sogar zu einer weiteren Beschleunigung der Teuerungsrate auf 5,1 %, nach 5 % im Dezember 2021. weiterlesen

EZB noch in der Warteposition 

Im Gegensatz dazu ist die EZB weiterhin zögerlich. Zwar hat sie den Ausstieg aus dem Pandemie-Kaufprogramm (PEPP) angekündigt, bisher aber noch kein Enddatum für das ältere Kaufprogramm (APP) beschlossen. Trotz der zu Jahresbeginn erneut gestiegenen Inflationsrate haben die Europäischen Währungshüter auf ihrer letzten Sitzung, Anfang Februar 2022, keine Änderungen des derzeitigen geldpolitischen Kurses angekündigt. weiterlesen

Lage der Unternehmensfinanzierung

Knapp zwei Jahre nach dem ersten coronabedingten Lockdown im Frühjahr 2020 sind die Unternehmen in Gänze passabel durch die Krise gekommen. Hilfreich war dabei mitunter die jüngst um drei weitere Monate bis Ende Juni 2022 verlängerten Überbrückungshilfen des Bundes sowie den aktuell bis Ende April 2022 beantragbaren Corona-Hilfen der KfW. weiterlesen

Wirtschaftlicher Ausblick augenblicklich noch eingetrübt…

Das Geschäftsklima ist zuletzt wieder angestiegen und hat sich sowohl im Mittelstand als auch in Großunternehmen von der tatsächlichen Geschäftslage entkoppelt. Gleichwohl zeigen sich im zweiten Corona-Winter bzw. inmitten der vierten Welle insbesondere in den von den geltenden Einschränkungen direkt betroffenen Branchen (u. a. Einzelhandel, Tourismus, Gastronomie und Messen) mitunter deutliche, wenn auch teilweise nachlassende Blessuren. Laut aktueller ifo-Umfrage sieht sich nahezu jedes siebte Unternehmen – vornehmlich im Dienstleistungssektor – immer noch in seiner Existenz bedroht. In der Reise- und Veranstaltungswirtschaft berichten knapp drei Viertel der befragten Unternehmen von Existenzsorgen. weiterlesen

aber wichtige Determinanten verbreiten zunehmend Optimismus

Ein erfreuliches Signal kommt in diesem Zusammenhang aus dem Mittelstand: Nachdem es in den vergangenen zwei Jahren in puncto Nachfolgemanagement oftmals kaum Bewegung gab, vermelden etwa 4 % der mittelständischen Unternehmen, dass Nachfolgepläne entweder schon beschlossen oder zumindest in Verhandlung sind. Mit dem ab 2025 beginnenden Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter könnte sich die strukturelle Nachfolgelücke – wie auch generell der Fachkräftemangel – nochmals verschärfen. Umso wichtiger sind zielgenaue Regelungen in der Mittelstandsfinanzierung, mit denen Unternehmensaufspaltungen oder Holdingstrukturen künftig finanziert werden können. weiterlesen

Handlungsrahmen der Banken sollte in dieser Situation nicht gestutzt werden

Auf der Finanzierungsseite steht die Ampel weiter auf grün: Angesichts der Lage an den Finanzmärkten hat sich laut Einschätzung der EZB die Refinanzierungssituation der Kreditinstitute zuletzt deutlich verbessert. Auch konnten diese ihre Eigenkapitalposition weiter stärken. Nach wie vor sind keine signifikanten Ausfälle (Non Performing Loans) zu erwarten, welche die Handlungsfähigkeit der Banken in ihrer originären Tätigkeit, der Finanzierung der Wirtschaft mittels Kreditvergabe, beeinträchtigen könnte. weiterlesen

Kreditvergabe und -bedingungen für Unternehmen

Wenig überraschend wirkt sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld, bestehend aus Lieferengpässen, Preissteigerungen und unklaren Pandemieentwicklungen, auch auf die Kreditvergabe aus. Dies liegt nicht an einem schwachen Angebot, sondern an der noch nicht wieder in Schwung gekommenen Nachfrage der Unternehmen. weiterlesen

Finanzierungsbedarf deutscher Unternehmen aktuell noch überschaubar…

Seitens der Unternehmen hat sich laut aktueller KfW-ifo Kredithürde zwar die Nachfrage insbesondere im Mittelstand nach mehrmonatigen Rückgängen wieder etwas gefangen, ist aber weit entfernt von den erwarteten bzw. benötigten Durchstarttendenzen. Aufmunternd ist gleichwohl die Tatsache, dass knapp ein Viertel der befragten Großunternehmen sowie ein Fünftel der KMUs zuletzt in Kreditverhandlungen waren – immerhin im Vergleich zum Vorquartal ein leichter Aufwärtstrend. Unbeeindruckt bewerten Unternehmen die Zugangsbedingungen zu Krediten weiterhin als gut, bei Großunternehmen sogar als deutlich gelockert, während kleinere Unternehmen – insbesondere aus dem Dienstleistungssektor, verarbeitenden Gewerbe und Einzelhandel – von größeren Einschränkungen berichten. weiterlesen

… in der Eurozone aber bereits ein Trendumkehr erkennbar

Mit Blick auf die gesamte Eurozone fällt auf, dass die insgesamt 151 befragten europäischen Banken für das zurückliegende 4. Quartal 2021 einen deutlicheren Anstieg der Nachfrage der Unternehmen nach Krediten oder der Inanspruchnahme von Kreditlinien verzeichnet haben (+18 % nach +8 % im Vorquartal). Dies lässt sich auf einen erhöhten Finanzierungsbedarf der Unternehmen sowohl für Betriebskapital als auch für Anlageinvestitionen zurückführen. Auch Fusionen, Übernahmen sowie Umstrukturierung der Schulden haben zuletzt den Fremdkapitalbedarf von Unternehmen angetrieben. Auch für das erste Quartal 2022 gehen die Banken von einem weiteren Anstieg der Kreditnachfrage durch Unternehmen aus, insbesondere in Bezug auf längerfristige Investitionen. Wie bereits im 4. Quartal 2021 wird auch für das laufende 1. Quartal 2022 mit weitgehend stabilen Vergabestandards gerechnet. weiterlesen

Zusammenspiel von Sustainable Finance und Unternehmensfinanzierung

Angesichts der sogenannten „Twin Transition“, also der gleichzeitig zu bewältigenden nachhaltigen und digitalen Transformation der Wirtschaft, stehen produzierende Unternehmen und Banken im Spotlight, um nachhaltige Produkte, Lieferketten und passgenaue Finanzierungen bereitzustellen bzw. auszubauen. Sie alle wissen: Ohne massive Anstrengungen sämtlicher Beteiligter wird der Klimawandel nicht gestoppt und die Wirtschaft nicht modernisiert. weiterlesen

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