Profitable Banken sind Garanten einer prosperierenden Wirtschaft

  • Die Bedeutung der Banken für den Erfolg der Wirtschaftspolitik wird unterschätzt.
  • Banken sind ein wesentlicher Treiber des Strukturwandels.
  • Banken können die Wirtschaftspolitik aber nur dann unterstützen, wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ihnen eine hinreichende Rentabilität erlauben.

15.01.2019

von Dr. Siegfried Utzig

Wirtschaftspolitische Maßnahmen zielen in der Regel auf eine effizientere gesamtwirtschaftliche Nutzung der verfügbaren Ressourcen. Dazu werden für Konsumenten oder Unternehmen Anreize gesetzt, ihre Ausgabenneigung zu verändern. Die Rolle des Finanzsektors - insbesondere aber die der Banken - für den Erfolg wirtschaftspolitischer Entscheidungen gerät bei den politischen Entscheidungsträgern leicht aus dem Blick. Dabei müssen Investitionen und Konsumausgaben finanziert werden, wofür häufig Kredite erforderlich sind. Mit anderen Worten: Die Wirksamkeit von Finanz-, Geld- und Strukturpolitik wird in vielen Fällen auch davon abhängen, ob Banken die erforderlichen Finanzierungsleistungen zu den wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu passenden Konditionen bereitstellen können. Dies kann der Bankensektor umso besser, je stabiler und rentabler er ist.

Mehr Stabilität zulasten der Rentabilität

Unstrittig ist, dass sich die Stabilität des Bankensektors in den vergangenen Jahren verbessert hat. Nach Angaben der Bundesbank hat sich in Deutschland die Kernkapitalquote der Banken, also das Kernkapital im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva, von 9 % Anfang 2008 auf 16,4 % Anfang 2018 erhöht. Die ungewichtete Eigenkapitalquote, also das Kernkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme, stieg im gleichen Zeitraum von 3,1 % auf 6,2 %.

Weniger positiv hat sich dagegen die Rentabilität des Bankensektors entwickelt. Die Eigenkapitalrentabilität lag für das gesamte deutsche Bankensystem 2017 mit 5,6 % um 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Damit liegt das Ergebnis zwar im Bereich des langfristigen Durchschnitts, jedoch rangieren die deutschen Banken weiter deutlich hinter ihren US-amerikanischen Konkurrenten, die 2017 eine Eigenkapitalrendite von gut 9 % erzielten. Gemessen an der Profitabilität können die Banken in Deutschland schon seit geraumer Zeit nicht mehr mit den Banken in anderen Ländern Schritt halten. Die Ursachen hierfür sind zweifelsohne vielfältig, je­doch in weiten Teilen von den Banken nicht selbst zu verantworten.

Große öffentliche Aufmerksamkeit hat der Einfluss der anhaltenden Niedrigzinsphase auf die Ertragslage der Banken erlangt. Die Bundesbank hat 2017 in einer Untersuchung festgestellt, dass eine anhaltende Phase niedriger Zinsen den Druck auf die von den deutschen Banken erwirtschaftete Zinsmarge im Kerngeschäft erhöht. Selbst wenn die Zinsen konstant auf ihrem aktuellen Niveau blieben, würde sich die Zinsmarge im Kerngeschäft der Banken in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 16 % verringern. Zudem hätte diese prognostizierte Margenverringerung zur Folge, dass am Ende dieses Jahrzehnts nur noch 20 % der deutschen Banken Kapitalkosten in Höhe von 8 % erwirtschaften könnten.

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Eine solche Entwicklung könnte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen beeinträchtigen. Denn Banken nehmen in modernen Volkswirtschaften eine Schlüsselrolle ein. Sie gewährleisten einen großen Teil der Finanzinfrastruktur, ohne die eine moderne Wirtschaft nicht funktionsfähig wäre. Ihre Bedeutung für eine prosperierende Wirtschaft sei an drei Beispielen exemplarisch erläutert.

Banken sind der Schlüssel zu erfolgreichem Strukturwandel

Internationaler Handel und technischer Fortschritt bewirken einen permanen­ten Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft. Dabei müssen nicht nur die Arbeitskräfte von den schrumpfenden zu den wachsenden Industrien wechseln, son­dern auch das Kapital. Eine wichtige Funktion des Bankensektors besteht bekanntermaßen darin, Kredite so zu verteilen, dass die Mittel effizient genutzt werden. Durch die Kündigung von Kreditlinien an Unternehmen mit schlechten Aussichten geben die Banken Kapital frei, das sonst an unrentable Unternehmen gebunden wäre, und stellen es für Investitionen neuer oder expandierender Unternehmen zur Verfügung. Damit unterstützen die Banken den Schumpeterschen Prozess der kreativen Zerstörung und tragen zu einer effizienteren Kapitalallokation bei.

Wie gut Banken den Strukturwandel mitgestalten können, hängt aber zusätzlich von ihrer Fähigkeit ab, Kreditausfälle aus schrumpfenden Branchen zu verkraften, letztendlich also von ihrer Rentabilität. Rentable Banken können ihre Eigenkapitalbasis stärken und besser kapitalisierte Banken können größere Abschreibungen leichter auffangen und wiederum häufiger Kredite liquidieren und umverteilen. Diese Fähigkeit wird ihrerseits entscheidend mitbestimmt vom geltenden Insolvenzrecht, den Mindestkapitalstandards und Eigenkapitalkosten. Strukturelle Parameter des Bankensystems sind also letztendlich mitentscheidend, um die Position deutscher Unternehmen im internationalen Wettbewerb verbessern zu können.

Banken entscheiden mit über den Erfolg der Geldpolitik

Profitabilität und Eigenkapitalausstattung des Bankensystems haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Wirksamkeit der Geldpolitik: So verringert beispielsweise eine schwache Profitabilität die Fähigkeit der Banken zur Generierung von Eigenkapital. Banken können dann zu einer restriktiveren Kreditvergabe gezwungen sein. In einer Phase expansiver geldpolitischer Maßnahmen würden deren Impulse für Konjunktur und Preisstabilität geschwächt.

Dieser Effekt kann unter Umständen auch von der Geldpolitik selbst ausgelöst werden. Denn die Niedrigzinspolitik der EZB hat in den vergangenen Jahren die Profitabilität der Banken unmittelbar beeinträchtigt. Operieren die Banken – wie es nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise der Fall war – eng an der Grenze des regulatorisch geforderten Eigenkapitals und ist gleichzeitig die Möglichkeit zur Aufnahme von Eigenkapital über den Markt beschränkt, dann ist es denkbar, dass die expansive Geldpolitik zumindest in der längeren Frist nicht stimulierend, sondern restriktiv auf die Kreditvergabe wirkt.

Rentable Banken stabilisieren den Konjunkturzyklus

In stärker bankbasierten Volkswirtschaften tragen Banken dazu bei, dass eine Rezession schwächer verläuft als in stärker kapitalmarktbasierten Volkswirtschaften. Banken verfügen sowohl über allgemeine Kreditkenntnisse als auch spezifische Kenntnisse über einzelne Branchen, Unternehmen, oder einzelne Kreditnehmer. Zusätzliche Informationen aus weiteren parallelen Geschäftsbeziehungen mit den Kreditnehmern, wie die Führung von Giro- und Sparkonten, ergänzen das Wissen um die Wettbewerbsfähigkeit der Bankkunden und erlauben einen Blick durch das Konjunkturtal hindurch. Unternehmen erhalten deshalb Kredite auch in schlechten Zeiten.

Allerdings hängt dieser stabilisierende Einfluss stark von der Rentabilität der Banken ab. Denn die Kreditkosten eines Unternehmens werden umgekehrt auch von der finanziellen Verfassung der Kreditgeber beeinflusst. Schließlich sind die Banken selbst auch Kreditnehmer, da sie für die Finanzierung ihrer Kredite Mittel durch Einlagen oder am Kapitalmarkt aufbringen müssen.

Daher ist die finanzielle Gesundheit der Banken auch für die Kreditkosten der Unternehmen von Bedeutung. Wenn die Banken in einem wirtschaftlichen Abschwung Kreditausfälle erleiden, belastet dies die Eigenkapitalbasis und verringert tendenziell ihre Fähigkeit, Finanzmittel einzuwerben. Schwächere Banken werden bei ihrer Kreditvergabe wählerischer werden. Ein schwacher Bankensektor, insbesondere mit geringer Profitabilität, würde so tendenziell einen Konjunktur­ab­schwung verstärken. Ein gesunder und profitabler Bankensektor wäre dagegen in der Lage, Kre­ditausfälle zu verkraften und da­durch die Unternehmen in der Rezession zu stützen.

Position des Bankenverbandes

  • Ein starker und damit profitabler Bankensektor ist eine wichtige Voraus­setzung für eine wachsende und prosperierende Wirt­schaft.
  • Die Profitabilität der Banken leidet jedoch seit geraumer Zeit unter Rahmenbedingungen, deren Veränderungen nicht im Gestaltungsbereich der Banken liegen. Dazu zählen die ultra-expansive Geldpolitik mit ihren Negativzinsen und die Flut an Regulierungen.
  • Damit Deutschland im globalen Wettbewerb seine Spitzenposition verteidigen kann, muss die Geldpolitik nun zügig in einen normalen Modus wechseln und müssen die Regulierungen überprüft und unangemessene Regulierungsvor­gaben beseitigt werden.
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