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Geopolitische Risiken für Unternehmen steigen

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Dr. Henrik Meyer


Deutsche Unternehmen sehen sich derzeit sowohl im Auslandsgeschäft als auch im Inland mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert. Die meisten der 18 Risikofaktoren, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) regelmäßig erhebt, haben zuletzt an Bedeutung gewonnen. Besonders auffällig ist der Anstieg geopolitischer Risiken, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

„Gegenwind für die deutschen Unternehmen entsteht durch historisch hohe US-Zölle, massive Subventionen und chinesische Exportkontrollen“, halten die Studienautoren fest. Vor allem die Handelspolitik unter Präsident Donald Trump schwäche die multilaterale und regelbasierte internationale Ordnung. Insgesamt gilt: Der Einsatz wirtschaftlicher Waffen zur Erlangung politischer Ziele ist kein Tabu mehr – und macht betriebliche Kalküle für die Unternehmen immer schwieriger. Sinkendes Vertrauen, abnehmende Achtung der Rechtsstaatlichkeit sowie verstärkter Protektionismus bedrohen langjährige internationale Beziehungen, Handel und Investitionen.

Zusätzliche Unsicherheiten entstehen durch geopolitische Konflikte und Machtansprüche. Ereignisse wie der Angriff auf Venezuela, Forderungen hinsichtlich Grönlands oder der Krieg mit Iran verdeutlichen, wie schwierig wirtschaftliche Planung geworden ist. „Kriege und bewaffnete Konflikte erhöhen die Unsicherheit für die heimischen Unternehmen“, so die Forscher. Bereits vor der militärischen Eskalation im Iran hatte knapp jedes dritte Unternehmen geopolitische Risiken als hoch eingeschätzt – ein deutlicher Anstieg um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Angesichts gestiegener Energiepreise und blockierter Handelswege, etwa durch die Straße von Hormus, dürfte diese Risikowahrnehmung weiter zugenommen haben.

Gegenmaßnahmen häufig schwierig

Auf internationale Risiken adäquat zu reagieren ist für Unternehmen nicht leicht. Weder protektionistische Maßnahmen, staatlich geförderte Konkurrenz aus China noch krisenhafte geopolitische Entwicklungen lassen sich kurzfristig kompensieren. Entsprechend zeigt die IW-Umfrage, dass lediglich rund 20 Prozent der Firmen Gegenmaßnahmen ergreifen – sei es befristet oder langfristig.

Dass die internationalen Spannungen immer stärker nach Deutschland hineinwirken, zeigt sich auch darin, dass die Sorge vor Störungen kritischer Infrastrukturen deutlich gestiegen ist. Inzwischen bewertet rund jedes zweite Unternehmen diese Gefahr als erheblich. Hintergrund sind verstärkte Spionage- und Sabotageaktivitäten. Parallel dazu ist Cyberkriminalität für etwa die Hälfte der Firmen zu einer zentralen Bedrohung avanciert.

Daneben sehen Unternehmen innerhalb Deutschlands auch zahlreiche dezidiert ökonomische Herausforderungen, die ihre Investitions- und Standortentscheidungen maßgeblich beeinflussen. Dazu zählt insbesondere der Fachkräftemangel, den fast 40 Prozent der Betriebe als Problem benennen. Zudem geben rund ein Drittel der Unternehmen an, dass hohe Energie- und Arbeitskosten ihre Entscheidungen negativ beeinflussen.