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16. April 2026
Aktuelles Stichwort: Wettbewerbsfähige Bankenregulierung ist ein wichtiger Eckpfeiler für europäische Souveränität
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2026 wird das Schlüsseljahr für unseren Kontinent. Europa muss alle Kräfte mobilisieren, um seine Resilienz zu stärken und wirtschaftlich aus der Stagnation der vergangenen Jahre herauszuwachsen. Wettbewerbsfähigkeit ist die entscheidende Voraussetzung für Verteidigungsfähigkeit, den Ausbau moderner Infrastruktur, die digitale Transformation sowie den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Politische Zielsetzung und regulatorischer Rahmen müssen aufeinander abgestimmt seinEuropa steht im internationalen Vergleich unter Druck. Regulatorische Rahmenbedingungen bestimmen, in welchem Umfang Banken Kapital bereitstellen – und damit, wie effektiv sie dazu beitragen können, die politische Zielsetzung eines souveränen und wettbewerbsfähigen Europas zu verwirklichen. Andere Wirtschaftsräume wie die USA oder das Vereinigte Königreich handeln entsprechend. Sie erkennen an, dass zu hohe Kapitalanforderungen die Kreditvergabe der Banken beeinträchtigen und sich somit negativ auf die Gesamtwirtschaft auswirken können. So hat die Bank of England angekündigt, dass die Kapitalanforderungen mit der Umsetzung der Baseler Standards insgesamt nicht steigen werden und den allgemeinen Richtwert für die Kapitalausstattung im Bankensektor Ende 2025 sogar abgesenkt. Die USA haben kürzlich ebenfalls Vorschläge für eine Modernisierung der Bankenregulierung vorgelegt. Die Federal Reserve will die Baselumsetzung in ein größeres Reformpaket einbetten, durch das sich die Kapitalanforderungen für die dortigen Institute ebenfalls moderat verringern. Derweil war die EU mit der Basel-Umsetzung vorangeprescht – die Regelungen greifen in Europa bereits seit Anfang 2025. Nach Auslaufen von Übergangsregelungen erhöhen sich die Kapitalanforderungen bis 2033 um etwa 10 %. Zweistufige Vorgehensweise entscheidend für strategische HandlungsfähigkeitMittlerweile hat auch die Europäische Kommission eine Überprüfung der Bankenregulierung angestoßen. Allerdings droht sie sich in langwierigen Konsultationen und Analysen zu verlieren, auf die keine oder erst zu spät spürbare Verbesserungen folgen könnten. Einige Maßnahmen könnte sie allerdings jetzt schon mit hoher Wirkung per Quick Fix treffen. Sie sollte schnellstmöglich die vorhandenen Übergangsregelungen – z. B. für Unternehmens- und Immobilienfinanzierungen – verstetigen und europäische Goldplatings abbauen. Komplexere und tiefgreifendere Anpassungen des regulatorischen Rahmenwerks sollten hingegen in einem zweiten Schritt, nach sorgsamer Analyse und gründlicher Diskussion, erfolgen. Parallel dazu sollten die Aufsichtsbehörden auf ihrem eingeschlagenen Weg hin zu mehr Pragmatismus und Risikoorientierung beherzt voranschreiten.
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