Artikel

Durchwachsene Gegenwart, unsichere Zukunft

Wie die Generationen auf Rente und Vorsorge blicken

Christian Jung
Christian Jung

Die finanzielle Gegenwart wirkt für viele Menschen noch annähernd stabil. Mit Blick auf den Ruhestand nimmt die Zuversicht jedoch deutlich ab. Die Generationenstudie 2026 des Bankenverbands zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Besonders jüngere Menschen bezweifeln, dass ihre spätere Rente ausreichen wird, um ihren Lebensstandard im Alter wenigstens annähernd zu sichern. Ältere verfügen dagegen häufiger über größere finanzielle Spielräume und bewerten ihre Situation insgesamt positiver.

Skeptischer Blick auf das Alter

Im ersten Moment deuten die Zahlen noch auf ein weitgehend positives Bild: 65 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut. Deutlich kritischer fällt allerdings die Vorausschau auf die finanzielle Zukunft aus. 54 Prozent der Befragten, die noch nicht im Ruhestand sind, erwarten, dass es ihnen im Alter finanziell nicht gut gehen wird.

Während Gegenwart und Zukunft in der Wahrnehmung damit erheblich auseinanderfallen, stellt aber auch das Hier und Heute schon viele vor finanzielle Herausforderungen. Die hohen Lebenshaltungskosten werden in allen Altersgruppen am häufigsten genannt. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt sie als Belastung. Bei den 16- bis 24-Jährigen kommen die Wohnkosten hinzu: Fast vier von zehn jungen Befragten sehen Miete und Wohnen als große finanzielle Herausforderung.

Die junge Generation: hohe Anforderungen, begrenzter Spielraum

Besonders deutlich sind die Unterschiede bei den frei verfügbaren Finanzmitteln. Unter den 16- bis 24-Jährigen hat gut die Hälfte nach Abzug aller laufenden Kosten weniger als 500 Euro im Monat übrig. Nur rund 23 Prozent verfügen über mindestens 1.000 Euro. Bei den über 60-Jährigen sind es dagegen knapp 45 Prozent. Dies ist zu einem guten Teil durch den Lebenszyklus zu erklären: Einkommen und Vermögen nehmen in der Regel mit den Berufsjahren zu, während finanzielle Verpflichtungen später meist zurückgehen, etwa wenn die Unterstützung für die eigenen Kinder wegfällt oder schon viele materielle Wünsche erfüllt sind. Hingegen erschweren hohe Mieten, gestiegene Alltagskosten und teilweise unsichere Erwerbsbiografien jungen Menschen oft den frühzeitigen Aufbau von Rücklagen.

Damit verfügt gerade jene Altersgruppe, die über einen sehr langen Zeitraum hinweg vorsorgen könnte, häufig über geringe finanzielle Möglichkeiten. Sechs von zehn der 16- bis 24-Jährigen erwarten, im Alter finanziell nicht gut dazustehen. Nur 47 Prozent rechnen damit, dass die gesetzliche Rente oder eine Pension nennenswert zu ihrem späteren Alterseinkommen gehören wird. Das zeigt, wie tief das Vertrauen bei den Jüngsten in die gesetzliche Alterssicherung bereits gesunken ist.

Zugleich haben Selbstverwirklichung, Leistung und ein hoher Lebensstandard für junge Befragte eine größere Bedeutung als für ältere Altersgruppen. Dies kann zusätzlichen Erwartungsdruck erzeugen und damit möglicherweise auch eine Ursache dafür sein, dass sich rund sechs von zehn jungen Befragten im Alltag oft oder sehr oft gestresst und überfordert fühlen. Bei den über 60-Jährigen trifft dies nur auf etwa jeden Sechsten zu. Junge Erwachsene müssen schließlich mit Ausbildung oder Studium, Berufseinstieg, hohen Wohnkosten und dem Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge vieles gleichzeitig miteinander vereinbaren.

Die Senioren: größere Freiräume, mehr Gelassenheit

Am Ende des Altersspektrums fällt die Einschätzung günstiger aus. Die über 60-Jährigen bewerten ihre finanzielle Lage besser als die übrigen Gruppen und weisen die zudem höchste Lebenszufriedenheit auf: 84 Prozent bezeichnen sich als zufrieden oder sehr zufrieden. Viele haben Wohneigentum abbezahlt, Vermögen aufgebaut oder geringere finanzielle Verpflichtungen.

Natürlich ist auch die Situation innerhalb dieser Altersgruppe unterschiedlich und keineswegs immer sorgenfrei. Hohe Lebenshaltungskosten belasten insbesondere auch ältere Menschen mit kleinen Renten, und bei weitem nicht alle verfügen über Immobilien oder größere Rücklagen. Hinzu kommen mögliche Pflegekosten, steigende Wohnnebenkosten und die Unsicherheit, ob das Ersparten für kommende Lebenslagen ausreichen wird. 

Generationengerechtigkeit als politische Aufgabe

Die Ergebnisse fallen in eine Phase rentenpolitischer Reformen. In der gesetzlichen Rentenversicherung stellt sich weiterhin die Frage, wie Leistungsniveau, Beitragssätze und Bundeszuschüsse angesichts des demografischen Wandels ausbalanciert werden können. Die Ergebnisse der Generationenstudie verdeutlichen den zugrundeliegende Zielkonflikt: Die Älteren brauchen Verlässlichkeit, die Jüngeren die Perspektive, dass ihre steigenden Beiträge nicht in einem Fass ohne Boden verschwinden.

Letztlich geht es damit auch um Generationengerechtigkeit. Fast die Hälfte der Befragten sieht in Deutschland große oder sehr große Konflikte zwischen Jung und Alt. Unter den 16- bis 24-Jährigen sind es rund zwei Drittel, bei den über 60-Jährigen gut ein Drittel. Im persönlichen Umfeld werden solche Konflikte allerdings deutlich seltener wahrgenommen. Das spricht weniger für einen grundlegenden Gegensatz zwischen den Generationen als für unterschiedliche Bewertungen gesellschaftlicher und finanzieller Belastungen. Reformbedarf in der Altersvorsorge

Immerhin ist nun Bewegung ins Reformgeschehen gekommen. Das ab 2027 vorgesehene Altersvorsorgedepot wird die bisherige Riester-Produktwelt ablösen oder zumindest ergänzen und auch breit gestreute Kapitalmarktanlagen mit höheren Renditechancen ermöglichen. Für jüngere Menschen ist dieser Ansatz aufgrund ihres langen Anlagehorizonts besonders relevant. Die geplante Frühstartrente knüpft ebenfalls an eine frühzeitige kapitalgedeckte Vorsorge an. Monatlich zehn Euro für Kinder zwischen acht und 18 Jahren bringen noch keine Sicherheit für die Rente. Aber sie können ein Türöffner sein: Kinder und Eltern sammeln früh Erfahrungen mit langfristiger Geldanlage, Rendite und Risiko. Aus Altersvorsorge wird so im besten Fall zugleich Finanzbildung.

Damit das Vertrauen in das Rentensystem nicht weiter schwindet, sondern wieder wachsen kann, muss aus den angekündigten Reformen jetzt verlässliche Wirklichkeit werden.

Christian Jung

Kontakt

Christian Jung

Digitale Inhalte und Kanäle

Das könnte Sie auch interessieren:

Generationenstudie
Meinungsumfrage

Generationenstudie Finanzen

Teil 1: Wirtschaftliche Lage und Absicherung im Alter

Was bewegt die unterschiedlichen Generationen in Deutschland heute – und wie blicken sie auf ihre finanzielle Zukunft? Der erste Teil unserer Generationenstudie zeigt interessante Unterschiede zwischen Jung und Alt bei Altersvorsorge, finanziellem Spielraum und Lebenszufriedenheit.

Studentin lernt Zuhause und prüft ihr Smartphone
Meinungsumfrage

Finanzwissen der Deutschen 2026

Das Interesse der Deutschen an Finanzthemen wächst, die konkrete Finanzplanung und das tatsächliche Wissen bleiben aber oft hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Frauen im Gespräch
Meinungsumfrage

Female Finance 2026

Unsere „Female Finance-Studie 2026“ zeigt: Frauen sind gegenüber Männern weiterhin finanziell schlechter gestellt, haben dadurch Nachteile beim Sparen und fühlen sich im Alter nicht so gut abgesichert.