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Finanzwissen: Optimismus trifft auf Wissenslücken

Christian Jung
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Kathleen Altmann
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Das Interesse an Finanzthemen in der deutschen Bevölkerung ist zuletzt spürbar gestiegen, aber die konkrete Beschäftigung und das tatsächliche Wissen bleiben oft hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bankenverbands. Besonders bei der Altersvorsorge und beim Börsenwissen gibt es deutliche Lücken.

Interesse vorhanden – konkrete Finanzplanung dürftig

In Deutschland wächst das Interesse an Finanz- und Wirtschaftsthemen. Laut aktueller Umfrage zeigt sich mit 46 Prozent inzwischen fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung (sehr) interessiert. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024, als dies nur etwas mehr als ein Drittel angegeben hatte. Besonders auffällig ist, dass auch die jüngeren Befragten zwischen 18 und 29 Jahren vermehrt Interesse an Finanz- und Wirtschaftsthemen zeigen (50 Prozent). Doch trotz dieser positiven Entwicklung bleibt das Engagement in der konkreten Finanzplanung auf einem unbefriedigenden Niveau: Weniger als die Hälfte (48 Prozent) nimmt sich regelmäßig Zeit für die eigenen Finanzen. Zwar ist dieser Anteil seit 2022 leicht gestiegen, doch hatte die Beschäftigung mit den eigenen Finanzen davor – etwa 2019 mit 61 Prozent – schon einmal höher gelegen. 

Altersvorsorge bleibt ein Thema mit Barrieren

Gerade auch die Altersvorsorge ist und bleibt für viele ein schwieriges Feld. Nur vier von zehn Erwerbsfähigen (39 Prozent) haben sich nach eigenen Angaben bereits ernsthaft damit beschäftigt. Das entspricht zwar einem leichten Anstieg gegenüber 2024 um vier Prozentpunkte, aber nach einem deutlichen Rückgang in den Jahren davor verbleibt der Anteil dennoch auf einem recht niedrigen Stand. So hatten sich etwa 2020 noch weit über die Hälfte der Befragten bereits näher mit ihrer Altersvorsorge beschäftigt. Auch dass fast die Hälfte der unter 30-Jährigen (46 Prozent) noch nicht einmal weiß, was sich hinter dem Begriff der „Rentenlücke“ verbirgt, ist ein alarmierendes Zeichen.

Besonders problematisch: Menschen in finanziell schwieriger Lage widmen sich besonders selten der Zukunftsplanung. Wer seine wirtschaftliche Situation als schlecht beschreibt, beschäftigt sich viel seltener (25 Prozent) mit der eigenen Vorsorge als finanziell besser Gestellte (64 Prozent). Psychologische und materielle Barrieren spielen offenbar dabei eine große Rolle. Mit der bitteren Folge, dass gerade in jenem Teil der Bevölkerung, wo Vorsorge am wichtigsten wäre, sie am wenigsten stattfindet. 

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, bedarf es mehr Aufklärung und einer frühen Befassung in Sachen Finanzbildung. Denn Selbstbewusstsein und die Sicherheit, sich der eigenen, auch wirt-schaftlich schwierigen Lage zu stellen, kann erlernt werden. Das Thema betrifft bei weitem nicht nur die Altersvorsorge. Um die gefühlte Hilflosigkeit vieler Menschen zu überwinden, sich auch mit geringen Beiträgen zumindest ein finanzielles Polster aufzubauen oder zu verhindern, in Verschuldung abzurutschen, ist Finanzbildung in jeder Lebensphase eine wichtige Voraussetzung. 

Börsenwissen: Licht und Schatten

Erstaunlicherweise halten sich fast zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten für finanziell durchaus kompetent. Der selbstbewusste Optimismus, der darin zum Ausdruck kommt, ist zuletzt sogar noch gestiegen – 2024 meinten noch 59 Prozent der Befragten, dass sie sich in Geld- und Finanzfragen gut auskennen würden. Auch von den jüngeren Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren halten sich zwei Drittel (66 Prozent) in Finanzdingen für recht gut informiert, wenngleich sich von ihnen mehr als die Hälfte (55 Prozent) erst seit maximal zwei Jahren für das Thema näher interessiert. 

Konkreter nachgefragt, sieht es bezüglich einer fundierten Finanzkenntnis aber durchweg schlechter aus. Zum Thema Börsen etwa müssen trotz eines leicht positiven Trends gegenüber den Vorjahren mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) unumwunden zugeben, dass sie wenig oder gar keine Ahnung haben, was an der Börse eigentlich passiert. Besitzer von Wertpapiern beurteilen ihr Börsenwissen dabei naheliegenderweise besser als Nicht-Investoren: Zwei Drittel der Wertpapierbesitzer geben an, sich gut auszukennen, bei Nicht-Besitzern ist das nur ein Drittel.

Mehr Finanzbildung nötig

Mit Blick auf die Notwendigkeit einer stärker kapitalgedeckten Altersvorsorge ist es erfreulich, dass junge Menschen inzwischen sogar häufiger als ältere bereits über Aktien und Fonds verfügen. Unter den 18- bis 29-Jährigen tun das 43 Prozent, unter den über 60-Jährigen hingegen nur 33 Prozent. Die Jüngeren profitieren besonders von den niedrigen Einstiegshürden, die digitale Möglichkeiten der Geldanlage heutzutage bieten. Die Einfachheit des Zugangs birgt aber auch Gefahren. Für eine verantwortungsvolle Geldanlage sind grundlegende Kenntnisse, Risikobewusstsein und ein langer Atem wichtige Voraussetzungen. Gerade junge Menschen brauchen deshalb finanzielle Bildung, die ihnen diese Kompetenzen vermittelt sowie der Gefahr von Selbstüberschätzung und unüberlegten Investitionsentscheidungen entgegenwirkt.

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Pressesprecherin