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Zwischen Notgroschen und Vermögensaufbau: Wie die Generationen mit Geld umgehen

Christian Jung
Christian Jung

Geld soll den Alltag absichern und zugleich Möglichkeiten für die Zukunft eröffnen. Wie Menschen diese konkurrierenden Ziele gewichten, unterscheidet sich meist nach der Lebensphase, in der sie sich gerade befinden. Das zeigt sehr deutlich die Generationenstudie 2026 des Bankenverbands: Während jüngere Befragte großes Interesse am Sparen und Investieren haben, rückt in den mittleren Altersgruppen speziell die Altersvorsorge stärker in den Vordergrund. Bei älteren Menschen steht erwartungsgemäß das Bedürfnis nach Sicherheit im Fokus.

Für die repräsentative Untersuchung befragte infas quo im Auftrag des Bankenverbandes insgesamt 2.183 Personen ab 16 Jahren telefonisch. Die Ergebnisse beschreiben Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen vier Alterskohorten: der 16- bis 24-Jährigen (Jugendphase), der 25- bis 39-Jährigen (Aufbauphase), der 40- bis 59-Jährigen (Konsolidierungsphase) und der ab 60-Jährigen (Seniorenphase).

Finanzinteresse ist keine Frage des Alters

Unter den Ergebnissen der Studie fällt zunächst eine Gemeinsamkeit auf: Rund vier von zehn Befragten interessieren sich stark oder sehr stark für Finanz- und Wirtschaftsthemen, ein weiteres Drittel zumindest etwas. Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen sind dabei überraschend gering. Das oft gezeichnete Bild einer weitgehend desinteressierten jungen Generation bestätigt sich also nicht.

Regelmäßiges Sparen ist ebenfalls nicht nur eine Domäne der Älteren. Insgesamt legen rund 47 Prozent Monat für Monat Geld zurück, wobei die Anteile in allen vier Altersgruppen nah beieinanderliegen. Unter denjenigen, die wenigstens gelegentlich sparen, steht ein Motiv mit Abstand an erster Stelle: die Absicherung für Notfälle. Von den jüngsten Sparern nennen es 57 Prozent, von den über 60-Jährigen 74 Prozent. Der „Notgroschen“ ist also der gemeinsame Nenner aller Generationen.

Hinter diesen Gemeinsamkeiten finden sich jedoch in der Regel sehr unterschiedliche Ausgangslagen: Die Zeit rund um den Start ins Berufsleben verlangt ganz andere Entscheidungen als die Finanzierung einer Familie oder der Übergang in den Ruhestand. Wie unterscheiden sich also Interessen, finanzielle Spielräume und konkretes Handeln?

Die junge Generation (16 bis 24 Jahre): Offen für den Kapitalmarkt

Bei den finanzinteressierten 16- bis 24-Jährigen gehören Sparen mit 48 Prozent und Investieren mit 46 Prozent zu den besonders häufig genannten Themen. Natürlich wachsen in jungen Jahren die Finanzmittel, die dafür zur Verfügung stehen, nicht in den Himmel. Von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zumindest gelegentlich sparen (können), legt rund die Hälfte monatlich höchstens 100 Euro zurück. Die Herausforderung besteht darin, kurzfristige Wünsche und langfristige Ziele in Einklang zu bringen. Dabei ist bemerkenswert, dass der Kapitalmarkt gerade auch für diese junge Altersgruppe bereits sehr relevant ist: 41 Prozent der jungen Befragten geben an, Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere zu nutzen. Das sagt zwar noch nichts über die Höhe der angelegten Beträge aus oder wie breit die Anlagen gestreut sind, belegt aber eindrucksvoll das bereits unter jungen Menschen ausgeprägte Interesse an kapitalgedeckten Anlageformen.

Dazu passt ihre im Vergleich zu den Älteren größere Risikobereitschaft. Knapp die Hälfte der jungen Befragten kann sich vorstellen, für höhere Erträge auch höhere Anlagerisiken einzugehen. Gleichwohl bleibt „Sicherheit“ mit rund 45 Prozent auch bei den Jüngeren das wichtigste Anlagekriterium.

Wissen ist dabei essenziell: Rund 45 Prozent der Jüngsten halten ihre allgemeinen Finanzkenntnisse zumindest für gut oder sehr gut. Zum Börsengeschehen meinen sie sogar besser informiert zu sein als ältere Befragte ab 40 Jahren. Ob diese Selbsteinschätzung tatsächlich mit entsprechend fundierten Kenntnissen unterlegt ist, scheint allerdings fraglich. Andere Untersuchungen wie etwa die regelmäßigen Jugendstudien des Bankenverbandes belegen beim Wirtschafts- und Finanzwissen junger Menschen oftmals größere Defizite.

Wer seine eigenen Kenntnisse überschätzt, neigt auch zu Nachlässigkeit im Umgang mit den eigenen Finanzen. Nur 24 Prozent der 16- bis 24-Jährigen nehmen sich regelmäßig Zeit für ihre eigene Finanzplanung. Und mit ihrer eigenen Altersvorsorge haben sich rund zwei Drittel noch kaum oder gar nicht beschäftigt. Dabei wäre aufgrund des langen Anlagehorizonts, über den die junge Generation verfügt, gerade für sie ein frühzeitiger Einstieg in die Altersvorsorge selbst mit kleineren Beträgen lukrativ.

Aufbauphase (25 bis 39 Jahre): Vermögensaufbau unter Alltagsbedingungen

Bei den 25- bis 39-Jährigen trifft ein ausgeprägtes Interesse am Vermögensaufbau auf teil-weise angespannte Finanzen: Unter den Finanzinteressierten dieser Altersgruppe beschäftigen sich rund 52 Prozent besonders mit Investitionen, während knapp drei von zehn ihr Girokonto zumindest hin und wieder überziehen. Damit kommt die mit einer höheren Zinsbelastung verbundene Kontoüberziehung in dieser Gruppe deutlich häufiger vor als in den anderen Altersgruppen.

Andererseits kann in dieser Lebensphase ein größerer Teil höhere Beträge zurücklegen. Unter den regelmäßigen oder gelegentlichen Sparern legt gut die Hälfte der Befragten monatlich mehr als 200 Euro auf die hohe Kante. Das muss kein Widerspruch sein. Wer etwa Wohnkosten, Kinderbetreuung oder Immobiliendarlehen zu finanzieren hat, muss mit seinem Einkommen mehrere Ansprüche gleichzeitig bewältigen. Zeitweise Engpässe lassen sich da oft nicht vermeiden. Der Wunsch, möglichst früh Vermögen zu bilden, dürfte dabei häufig mit laufenden Verpflichtungen konkurrieren.

Entsprechend vielfältig sind auch die Sparmotive: Unter den 25- bis 39-Jährigen, die zumindest gelegentlich sparen, nennen 68 Prozent die Notfallreserve, 53 Prozent die Altersvorsorge und 50 Prozent den Vermögensaufbau.

Konsolidierungsphase (40 bis 59 Jahre): Die Altersvorsorge gewinnt an Gewicht

Mit zunehmendem Alter rückt die finanzielle Absicherung des Ruhestands stärker in den Fokus. Unter den 40- bis 59-Jährigen nennen mit 66 Prozent rund zwei Drittel der Befragten die Altersvorsorge als wichtiges Sparziel – so viele wie in keiner anderen Altersgruppe.

Doch auch in dieser Alterskohorte folgt der Einsicht nicht immer das Handeln: 31 Prozent der erwerbsfähigen 40- bis 59-Jährigen haben sich noch nicht ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge auseinandergesetzt, geschweige denn entsprechend vorgesorgt.

Nur 38 Prozent kümmern sich regelmäßig um ihre Finanzen. Das sind zwar mehr als unter den 25- bis 39-Jährigen (27 Prozent), immer noch aber die Minderheit. Mit 30 Prozent besitzen immerhin mehr Befragte eine Lebensversicherung als in anderen Altersgruppen.

Senioren (ab 60 Jahre): Sicherheit und finanzielle Übersicht zählen

Mit näher rückendem Ruhestand verändert sich der Umgang mit finanziellen Risiken. Rund 54 Prozent der über 60-Jährigen nennen „Sicherheit“ als wichtigstes Anlagekriterium, während sich nur etwa 17 Prozent höhere Risiken zugunsten möglicherweise höherer Erträge vorstellen können. Für Menschen, die Teile ihres Vermögens voraussichtlich bald zur Finanzierung des Lebensunterhalts benötigen, ist diese Gewichtung nachvollziehbar. Schließlich ist die Zeitspanne, um mögliche Verluste wieder auszugleichen, in diesem Alter begrenzt.

Zudem kümmern sich die Älteren etwas intensiver um ihre Finanzen. Rund 45 Prozent nehmen sich dafür regelmäßig Zeit, nur etwa 13 Prozent überziehen gelegentlich ihr Girokonto. Beides unterscheidet sie deutlich von den jüngeren Altersgruppen.

Auch ältere Menschen nutzen den Kapitalmarkt: Rund 38 Prozent besitzen Aktien, Fonds oder verzinsliche Wertpapiere. Bei ihren Informationsquellen setzen sie besonders auf Banken und Finanzdienstleister sowie klassische Medien. Social Media spielen eine deutlich untergeordnete Rolle. 

Finanzielle Möglichkeiten und das Wissen, sie zu nutzen, sind entscheidend

Für den Erfolg des Vermögensaufbaus sind natürlich nicht allein das Interesse oder die individuellen Kenntnisse entscheidend, sondern es spielen immer auch die finanziellen Möglichkeiten eine Rolle, die die jeweilige Lebenslage vorgibt. Junge Menschen benötigen Spielraum für den Aufbau eines selbstständigen Lebens. In der Lebensmitte konkurriert oft die Vorsorge fürs eigene Alter mit familiären Verpflichtungen. Und im Ruhestand stellt sich meist die Frage, ob und wie das vorhandene Vermögen einen auskömmlichen Lebensabend tragen kann.

Die Generationenstudie zeigt: Finanzielle Ziele und Möglichkeiten verändern sich im Laufe des Lebens. Fundiertes Finanzwissen bleibt jedoch in jeder Lebenslage wichtig – vom ersten eigenen Einkommen über den Vermögensaufbau bis zur Absicherung im Ruhestand. Es hilft – auch und gerade in Zeiten, in denen finanzielle Mittel knapp sind – den eigenen Spielraum realistisch einzuschätzen, Chancen und Risiken abzuwägen und finanzielle Entscheidungen an den persönlichen Zielen auszurichten.

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