Krieg in Nahost und Energiepreisschock bremsen Investitionen und kosten Wachstum
Der Krieg in Nahost, hohe Energiepreise und der damit verbundene Inflationsschub bremsen die deutsche Wirtschaft. „Aufgrund der aktuellen Belastungen haben wir unsere Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf nur noch 0,7 Prozent gesenkt“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands. „Unternehmen verschieben Investitionen oder streichen sie ganz wegen der hohen Unsicherheiten.“ Mit Blick auf die politische Lage in Deutschland fügt er hinzu: „Die Reformschritte sind zu zögerlich. Für Investitionen und Wachstum braucht es schnell entschlossenes Handeln, sonst kommen wir aus der Stagnation nicht heraus.“
Die Kreditnachfrage in Deutschland bleibt schwach. „Kredite werden vor allem zur Sicherung der Liquidität genutzt, aber nicht für Investitionen“, stellt Herkenhoff zum aktuellen Bericht über die Unternehmensfinanzierung fest. Gerade energieintensive Unternehmen und solche, die besonders stark von der Konjunktur abhängen wie der Anlagen- und Maschinenbau, halten sich zurück.
Unmittelbar nach Kriegsbeginn im Nahen Osten sind die Kapitalmarktzinsen in Deutschland und im Euroraum deutlich gestiegen. Hier machen sich insbesondere die höheren Inflationserwartungen der Finanzmarktakteure bemerkbar. Unternehmen stehen zudem unter Druck, sich resilienter aufzustellen. Zum Beispiel erhöht der Aufbau neuer Lieferketten den Kapitalbedarf. Vor diesem Hintergrund ziehen auch die Kreditbedingungen an. „Banken müssen in einem unsicheren Umfeld genauer auf Risiken achten. Das zeigt sich in den strengeren Kreditbedingungen“, so Herkenhoff.
Laut Herkenhoff bleiben Bankkredite vor allem für den Mittelstand die wichtigste Finanzierungsquelle. Daneben gewinnt die Finanzierung über den Kapitalmarkt an Gewicht. So greifen Unternehmen zunehmend auf Anleihen zurück und schaffen sich damit zusätzliche Spielräume für Investitionen.
Kontakt
Tanja Beller
Pressesprecherin