3 Fragen, 3 Antworten: EU Inc.
1. Was ist die EU Inc.?
Mit der EU Inc. soll eine neue, optionale und einheitliche Gesellschaftsform in der Europäischen Union eingeführt werden. So schlägt die Europäische Kommission einen freiwilligen europäischen Rechtsrahmen für Unternehmen vor, ein sogenanntes "28. Regime". Unternehmen sollen damit künftig auch einfacher grenzüberschreitend tätig werden können, ohne sich an die unterschiedlichen Vorgaben im Gesellschaftsrecht von 27 Mitgliedsstaaten anpassen zu müssen. Das kann den europäischen Binnenmarkt stärken, Fragmentierung abbauen und den Zugang zu Finanzierung erleichtern. Die EU Inc. ist damit ein wichtiger Schritt hin zu einem stärker integrierten europäischen Kapitalmarkt und mehr Wettbewerbsfähigkeit.
2. Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?
Der Vorschlag legt den Schwerpunkt bislang auf gesellschaftsrechtliche Fragen und die Eigenkapitalfinanzierung. Das ist ein wichtiger Ansatz, reicht aber nicht aus. Unternehmen brauchen in jeder Phase ihrer Geschäftsentwicklung einen verlässlichen Zugang zu Finanzierung. Dazu gehören neben Eigenkapital auch Bankkredite und andere Formen der Fremdfinanzierung.
Gerade hier bestehen in Europa noch erhebliche Hürden. Unterschiedliche nationale Regelungen für Finanzierungs- und Sicherheitenvereinbarungen machen grenzüberschreitende Finanzierungen oft unnötig komplex und teuer. Deshalb sollte die Finanzierung durch Fremdkapital von Anfang an Teil der Regelungen für die EU Inc. sein. Ein stärker harmonisierter Rechtsrahmen würde nicht nur Rechtssicherheit erhöhen, Finanzierungen vereinfachen und Kosten senken, sondern dafür sorgen, dass die EU Inc. europaweit wachsen und für Investoren attraktiv werden kann. Nur so wird die neue Option wirklich ein Erfolg.
3. Worauf kommt es jetzt an?
Die EU Inc. bietet die Chance, die Fragmentierung der europäischen Kapitalmärkte weiter abzubauen und Unternehmen den Schritt über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft wird, muss der neue Rechtsrahmen einerseits einfach, praxistauglich und konsequent auf die Bedürfnisse der Unternehmen ausgerichtet sein. Andererseits muss er die Interessen der Kapitalgeber angemessen berücksichtigen, damit die EU Inc. keine akademische Übung bleibt.
Die EU Inc. ist ein guter Ausgangspunkt. Damit sie ihr Ziel erreicht, muss sie die Finanzierungsrealität europäischer Unternehmen widerspiegeln, und das über den gesamten Unternehmenslebenszyklus hinweg. Darauf kommt es für den Erfolg der EU Inc. entscheidend an.
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Mitglied der Geschäftsleitung
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