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3 Fragen, 3 Antworten: EU‑Nachhaltigkeitsstandards (ESRS und VS)

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Charly Gräfe
Kerstin Altendorf
Dr. Kerstin Altendorf
Nachhaltigkeitsstandards

1. Worum geht es bei den neuen EU‑Nachhaltigkeitsstandards?

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hat die Europäische Union neue Vorgaben für die Nachhaltigkeitsberichterstattung eingeführt. Unternehmen sollen künftig transparenter über Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) berichten. Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) schaffen dafür einen gemeinsamen europäischen Rahmen, der die Angaben besser vergleichbar machen soll.

Die jüngste Überarbeitung auf EU‑Ebene (Omnibus) markiert jedoch einen Wendepunkt: künftig werden rund 92 % weniger Unternehmen unter die Berichtspflicht fallen. Damit rückt neben der CSRD der freiwillige Standard (Voluntary Standard, VS) in den Mittelpunkt. Er ermöglicht auch kleineren Unternehmen, dass sie außerhalb der Berichtspflicht weiterhin Nachhaltigkeitsinformationen nach einem einheitlichen und vergleichbaren Ansatz bereitstellen können.

2. Warum sind diese Standards für Banken so wichtig?

Banken sind in hohem Maße auf verlässliche Nachhaltigkeitsdaten angewiesen: um Risiken zu bewerten und damit zu managen, Kredite zu vergeben und um regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Durch den deutlich kleineren Anwenderkreis gewinnt der freiwillige Standard zusätzlich an Bedeutung. Denn ohne belastbare Daten aus großen Teilen der Wirtschaft entstehen Informationslücken. Der VS kann dazu beitragen, auch von Unternehmen ohne Berichtspflicht relevante Daten zu erhalten, entstehende Lücken zu schließen und den Zugang zu vergleichbaren Nachhaltigkeitsinformationen zu sichern. Eine breite und belastbare Datenbasis ist entscheidend, damit Banken Risiken fundiert einschätzen und nachhaltige Finanzierungen gezielt begleiten können.

3. Was fordert die Kreditwirtschaft jetzt konkret?

Die europäischen Institutionen sollten die Standards schnell finalisieren sowie für klare rechtliche Rahmenbedingungen sorgen. Wirtschaft und Banken brauchen Planungssicherheit statt neuer Unsicherheit und Doppelaufwände.

Aus unserer Sicht kommt es jetzt vor allem darauf an,

  • den freiwilligen Standard praxistauglich zu gestalten und seine breite Anwendung zu fördern,
  • sicherzustellen, dass ausreichend Nachhaltigkeitsdaten aus allen Bereichen der Wirtschaft verfügbar sind und
  • die europäischen Standards international anschlussfähig sind, insbesondere zu den Standards des International Sustainability Standards Board (ISSB), um internationale Doppelstrukturen zu vermeiden.

Berichtspflichten zu reduzieren, darf nicht dazu führen, dass wichtige Nachhaltigkeitsinformationen verloren gehen. Europa braucht weniger Bürokratie, aber weiterhin eine belastbare Datengrundlage für Investitionen, Finanzierung und Transformation.

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