Dossier
Starke Banken
Unser Ziel: Die Bankenregulierung in Europa vereinfachen und wettbewerbsfähig gestalten.
Wettbewerbsfähigkeit ist die Grundlage europäischer Souveränität. Sie ist Voraussetzung für Verteidigungsfähigkeit, den Ausbau moderner Infrastruktur, die digitale Transformation sowie den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Banken leisten hierzu einen zentralen Beitrag. Regulatorische Rahmenbedingungen bestimmen, in welchem Umfang Banken Kapital bereitstellen – und damit, ob politische Zielsetzungen wirtschaftlich unterlegt werden. In Europa stehen neue, zusätzliche Kapitalanforderungen der strategischen Handlungsfähigkeit entgegen. Der Bankenverband setzt sich deshalb dafür ein, die Bankenregulierung in Europa zu vereinfachen und die Aufsicht wettbewerbsfähig auszugestalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Banken sind der Motor für Wachstum und Innovation.
- Stabilität bleibt zentral, aber Regulierung darf nicht zum Standortnachteil werden.
- Wettbewerbsfähigkeit ist die Grundlage europäischer Souveränität.
- Weitere Erhöhungen der Kapitalanforderungen müssen gestoppt werden, denn Wachstum benötigt Kredit- und Investitionsspielräume.
- Europa braucht einen wettbewerbsorientierten Regulierungsansatz.
- Zentrale Regeln der Finanzmarktregulierung können vereinfacht werden, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.
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Wo stehen wir?
2026 wird das Schlüsseljahr für unseren Kontinent. Europa muss alle Kräfte mobilisieren, um seine Resilienz zu stärken und wirtschaftlich aus der Stagnation der vergangenen Jahre herauszuwachsen.
Wettbewerbsfähigkeit ist die Grundlage europäischer Souveränität
Sie ist Voraussetzung für Verteidigungsfähigkeit, den Ausbau moderner Infrastruktur, die digitale Transformation sowie den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Laut Schätzungen der EZB muss die EU hierfür bis 2031 mehr als 5 Billionen Euro investieren. Banken leisten hierzu einen zentralen Beitrag: Sie finanzieren Investitionen, Innovationen und Wachstum in der Realwirtschaft und tragen somit maßgeblich zur Erreichung der politischen Ziele bei. Zugleich gilt: Der Zugang zu Finanzdienstleistungen europäischer und deutscher Banken ist selbst ein Element von Souveränität.
Politische Zielsetzung und regulatorischer Rahmen müssen aufeinander abgestimmt sein
Regulatorische Rahmenbedingungen bestimmen, in welchem Umfang Banken Kapital bereitstellen – und damit, ob politische Zielsetzungen wirtschaftlich unterlegt werden. Andere Wirtschaftsräume handeln entsprechend: In den USA werden durch regulatorische Anpassungen nach Schätzungen bis zu 169 Milliarden US-Dollar Eigenkapital freigesetzt, was einer zusätzlichen Finanzierungskapazität von rund 2,5 Billionen US-Dollar entspricht (Studie Alvarez & Marsal). Dieses Kapital steht gezielt für wirtschafts- und industriepolitische Prioritäten zur Verfügung.
Zusätzliche Kapitalanforderungen stehen der strategischen Handlungsfähigkeit entgegen
Damit laufen die regulatorischen Ansätze Europas und des Rests der Welt zunehmend auseinander. Die aktuell verbesserte Ertragslage europäischer Banken darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Finanzwirtschaft seit der Finanzkrise 2008 spürbar zu Ungunsten Europas verschoben haben. Ohne strategische Anpassungen droht sich diese Entwicklung fortzusetzen und die Umsetzung zentraler politischer Zielsetzungen zu gefährden. Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass in Europa die Bereitschaft wächst, die Herausforderungen gezielt und zeitnah anzugehen.
Europa braucht einen wettbewerbsorientierten Regulierungsansatz mit klarer Priorisierung
Dieser muss kurzfristig wirksame Anpassungen ermöglichen und zugleich eine strukturelle Weiterentwicklung des europäischen Regulierungs- und Aufsichtsrahmens einleiten. Zuvorderst gilt: Weitere Erhöhungen der Kapitalanforderungen müssen gestoppt werden. Denn Wachstum benötigt Kredit- und Investitionsspielräume für die Realwirtschaft und nicht Banken, die sich auf höhere Kapitalanforderungen einstellen müssen. Bankenregulierung wirkt damit unmittelbar als Industriepolitik. Erforderlich sind gezielte regulatorische Anpassungen, die auf die Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität Europas einzahlen und dabei europäische Besonderheiten berücksichtigen. Erforderlich ist aber auch, dass die Anwendung des regulatorischen Rahmenwerks zielgerichteter und stärker auf Basis von Risiko-Nutzen-Abwägungen und dem Maß der Verhältnismäßigkeit erfolgt.
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Dafür setzt sich der Bankenverband ein
Ein Teil der Regelungen kann schnell und mit hoher Wirkung per Quick Fix angepasst werden. Insbesondere die Europäische Kommission sollte noch in diesem Jahr im Rahmen ihres Wettbewerbsberichts konkrete Vorschläge sowie einen verbindlichen Zeitplan vorlegen.
Quick Fix (2026)
Temporäre Basel-III-Übergangsregeln verstetigen
Software-Assets von den aufsichtsrechtlichen Kapitalabzugsposten ausnehmen
NPL-Backstop nur auf Banken anwenden, deren NPL-Quote 5% übersteigt
Beibehaltung der bisherigen Handelsbuchabgrenzung
Herausnahme von Zentralbankguthaben aus der Leverage Ratio
Leverage Lending enger und risikoadäquater definieren
Risikomindernde Berücksichtigung von Sachsicherheiten
Aufwände und Erträge aus Dienstleistungen bei den OpRisk-Kapitalanforderungen saldieren
Bedarf für eine umfassende Überarbeitung (Zeitraum 2026-2028)
Fundamentale Überarbeitung des Marktrisikorahmenwerkes (FRTB)
Ein eigenes Regulierungsregime für kleine Banken einführen
Kapitalpufferrahmen vereinfachen und neuordnen
Liquiditätsanforderungen bei Bankengruppen übergreifend auf Gruppenebene anwenden
Risikoadäquate Ausrichtung der Regulierung unter Berücksichtigung von Risiko-Nutzen-Abwägungen sowie Verhältnismäßigkeit
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FAQ
Wettbewerbsfähigkeit ist die Grundlage europäischer Souveränität. Sie ist Voraussetzung für Verteidigungsfähigkeit, Infrastruktur, Digitalisierung und den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Ohne Wettbewerbsfähigkeit können zentrale politische Ziele nicht finanziert und umgesetzt werden.
Wettbewerbsfähigkeit im Bankensektor beschreibt die Fähigkeit von Banken, im internationalen Vergleich Kapital effizient bereitzustellen und wirtschaftliche Entwicklung zu finanzieren. Sie hängt wesentlich davon ab, wie regulatorische Rahmenbedingungen ausgestaltet sind und wie viel Spielraum Banken für Kreditvergabe und Investitionen haben.
Regulatorische Rahmenbedingungen bestimmen, wie viel Kapital Banken für Kredite und Investitionen bereitstellen können. Damit wirkt Bankenregulierung unmittelbar darauf, in welchem Umfang wirtschaftliche und politische Ziele finanziert werden.
Steigende Kapitalanforderungen führen dazu, dass Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Dadurch sinken Kredit- und Investitionsspielräume, insbesondere für Unternehmen und Projekte in Wachstum, Transformation und Infrastruktur.
Die Basel-III-Übergangsregeln regeln den schrittweisen Aufbau neuer Kapitalanforderungen für Banken. Zentrale Elemente laufen bis 2033 aus. Das Auslaufen der Übergangsregeln führt zu zusätzlichem Kapitalaufbau und kann Kreditkosten erhöhen, insbesondere für mittelständische Unternehmen, Immobilienprojekte und weitere Finanzierungen der Realwirtschaft.
Die Bankenaufsicht sollte stärker risikoorientiert erfolgen und Risiko-Nutzen-Abwägungen sowie den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit berücksichtigen. Ziel ist es, Kredit- und Investitionsspielräume der Banken nicht unnötig einzuschränken.
Ein Kleinbankenregime ist ein eigenständiger regulatorischer Rahmen für kleinere Banken. Ziel ist eine stärker auf ihre Struktur und Geschäftsmodelle zugeschnittene Regulierung, um ihre Rolle in der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie regionaler Wirtschaft zu erhalten.
Der Bankenverband setzt sich für einen wettbewerbsorientierten Regulierungsansatz ein, der die Finanzierung von Investitionen, Innovationen und Wachstum ermöglicht und gleichzeitig Europas wirtschaftliche Souveränität stärkt.
Michaela Zattler
Leiterin Bankenaufsicht und Bilanzierung
Sebastian Moll
Bankenaufsicht und Bilanzierung