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Finanzbildung an Schulen: Was Wirtschaftslehrkräfte sagen

Christian Jung
Christian Jung

Deutschland braucht mehr Finanzbildung – auch und vor allem in den Schulen. Die Erfahrungen der Lehrkräfte, die täglich Finanzthemen unterrichten, sind dafür besonders wertvoll. Deshalb hat der Bankenverband Wirtschaftslehrkräfte in qualitativen Gruppendiskussionen und einer quantitativen Umfrage befragt. Die Ergebnisse beider Studien zeigen die strukturellen, didaktischen und organisatorischen Herausforderungen, die einer stärkeren Finanzbildung im Weg stehen.

Lehrkräfte befürworten mehr Finanzbildung in der Schule

Viele Lehrkräfte, die Wirtschafts- und Finanzthemen unterrichten, sehen Finanzbildung nicht nur als Teil der Allgemeinbildung, sondern als wichtige Vorbereitung junger Menschen auf ihr späteres Leben – privat wie beruflich. Aus Sicht der Befragten ist das Thema im Lehrplan aber zu wenig verankert. 92 Prozent der Lehrkräfte meinen, dass Schulen mehr Finanz- und Wirtschaftswissen vermitteln sollten, und 78 Prozent wünschen sich dafür ein eigenes Schulfach in allen Bundesländern. Besonders wichtig finden sie die Themen Umgang mit Geld, Altersvorsorge und Geldanlage.

Herausforderungen im schulischen Alltag

Im Alltag berichten viele Lehrkräfte, dass die geringe Stundenanzahl im Lehrplan eine vertiefte Behandlung der Inhalte kaum zulässt. Vieles kann nur oberflächlich angesprochen werden. Außerdem hält nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten die bestehenden Lehrpläne für eine solide Grundlage für den Unterricht. Zwar schätzen manche die Freiheit bei der Themenwahl, doch ohne klarere Vorgaben oder geeignetes Material entsteht oft Unsicherheit. Viele müssen sich zusätzliches Wissen oder Materialien in ihrer Freizeit aneignen, was die Arbeitsbelastung erhöht. Themen wie Kryptowährungen, Aktien oder Arbeitsmarkttrends verändern sich schnell und erfordern ständige Aktualisierung – etwas, das im Schulalltag schwer umzusetzen ist.

Ausbildung und Unterrichtsmaterialien lassen zu wünschen übrig

Auch bei der Ausbildung und bei Unterrichtsmaterialien sehen die Lehrkräfte deutliche Lücken. Nur 57 Prozent fühlen sich durch ihre Ausbildung gut auf das Unterrichten vorbereitet. Es fehlt an anschaulichen, motivierenden und praxisnahen Materialien, die komplexe Inhalte verständlich machen. Klassische Schulbücher werden weiterhin genutzt, gelten aber vielen als nicht aktuell genug. Rund zwei Drittel sind der Meinung, dass es keine wirklich geeigneten Schulbücher für den Finanz- und Wirtschaftsunterricht gibt, und mehr als die Hälfte findet das gesamte Materialangebot unzureichend.

Digitalisierung als Chance und Herausforderung

Da sich wirtschaftliche Trends und rechtliche Rahmenbedingungen schnell ändern, können gedruckte Unterrichtsmaterialien in Punkto Aktualität kaum mehr mithalten. Viele Lehrkräfte greifen daher auf digitale Quellen zurück – vor allem Websites, aber auch Online-Plattformen (z.B. YouTu-be) oder KI-Tools. Seit der Corona-Pandemie hat sich die technische Ausstattung vieler Schulen verbessert, doch es fehlt vielerorts weiterhin an regelmäßigem IT Support und an Fortbildungen für den sinnvollen Einsatz digitaler Werkzeuge. Mehr als vier von zehn Lehrkräften kritisieren diese Lücken.

Materialien und Aktivitäten externer Anbieter sind gern gesehen

Externe Expertinnen und Experten werden von Lehrkräften grundsätzlich als Bereicherung gesehen. Mehr als drei Viertel haben sie in ihrem Unterricht bereits eingesetzt – die allermeisten mit guten Erfahrungen. Besonders gewünscht werden Personen, die die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler nachvollziehen können und wirtschaftliche Inhalte authentisch vermitteln. Auch Wettbewerbe wie Börsenspiele oder Bankenplanspiele finden breite Zustimmung: 82 Prozent finden solche Aktivitäten gut; sechs von zehn Lehrkräfte haben mit ihren Klassen daran schon teilgenommen.

Fazit: Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Wirtschaftslehrkräfte ein starkes Engagement und ein klares Bewusstsein für die Bedeutung finanzieller Bildung mitbringen. Gleichzeitig wird deutlich, dass es strukturelle, inhaltliche und praktische Probleme gibt. Um Finanz- und Wirtschaftsbildung an Schulen zu stärken, sind aus Sicht der Befragten verbindlichere Lehrpläne, mehr Unterrichtszeit, bessere und aktuellere Materialien sowie mehr didaktische und digitale Unterstützung notwendig. Eine stärkere Verankerung im Curriculum – etwa durch ein eigenes Fach oder durch klare Stundenvorgaben – wäre ein wichtiger Schritt, um Finanzbildung flächendeckend und wirksam im Schulalltag zu verankern.

Christian Jung

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